Archiv für den Monat: Mai 2014

Hinter den Kulissen: Plot, du fieser kleiner Mistkerl!

Aus gegebenem Anlass möchte ich meiner Frustration Ausdruck verleihen. Es geht um das Thema Plots. Einige nennen sie liebevoll Plutbunnys, andere finden gar keine Namen für sie, wieder andere verfluchen den Tag, an dem sie beschlossen, überhaupt mit dem Schreiben zu beginnen. So wie ich. Heute Morgen. Aber zum eigentlichen Thema: Plots sind wie Teenager in der Pubertät: unkontrollierbar, unberechenbar und noch so Vieles mehr.

Zum einen wäre da der Halbstarke. Er kommt angerauscht, verlangt umgehende Aufmerksamkeit und wenn man ihn in seine Schranken weist, motzt er oder stellt sich auf stur. Jeder Autor kennt ihn, er ist wirklich ein schwieriger Zeitgenosse, den man am liebsten erwürgen oder einsperren würde. Beides funktioniert in den seltensten Fällen. Passt man nicht auf, überrollt der Halbstarke den schutzbedürftigen und schwächeren Schüchternen.

Der Schüchterne Plot ~ bitte nicht erschrecken ~

Der Schüchterne Plot
~ bitte nicht erschrecken ~

Dieser hat die Angewohnheit, um den Autoren herum zu schleichen. Er streichelt die Synapsen des Schreibers, suggeriert einen Wohlfühlfaktor, der uns Autoren schnell schwach werden lässt. Wir wollen diesen Plot, denn er scheint besonders wertvoll. Doch der Schüchterne will geködert werden. Er verlangt kaum so viel Aufmerksamkeit wie der Halbstarke, weil er über deutlich mehr Geduld verfügt, gleichzeitig lässt er sich aber bitten. Wird man ihm zu forsch, kauert er sich in eine Ecke und macht zu. Dann benötigt es noch mehr Geduld, ihn da wieder herauszulocken. Am Ende belohnt er den Autor aber damit, dass er sich in voller Schönheit präsentiert und ihm das Gefühl vermittelt, etwas Besonderes geschaffen zu haben.

Anders als die Diva. Dieser Plot ist eng verwandt mit dem Halbstarken. Doch wo der mault und notfalls aggressiv. Diva ist da und will geschrieben werden. Aber zu ihren Bedingungen bitte schön. Früh am Morgen? Hey, da schlafen wir noch, also lass das Autor. Wie, du brauchst erst einen Kaffee, um in die Gänge zu kommen, Finger weg, jetzt komme ich. Die Diva weiß um ihre Stärken. Sie will zwar ebenso betüddelt werden wir der Schüchterne, aber sie weiß auch, was sie will. Bekommt sie es nicht, rammt sie ihre spitzgefeilten Fingernägel in die Autorenseele, bis diese nachgibt.

Die Plot-Diva ~ keine Autogrammanfragen bitte ~

Die Plot-Diva
~ keine Autogrammanfragen bitte ~

Dann hätten wir da noch den Widerspenstigen. Er will einfach nicht. Einmal erdacht könnte der Autor ja loslegen und schreiben. Nicht so mit dem Widerspenstigen. Der stemmt erstmal die Hacken in den Boden, verschränkt die Arme vor der Brust und schieb das Kinn vor. Mit mir nicht, Alter!, hören wir die unausgesprochenen Worte, die der Widerspenstige uns entgegenwirft. Jeder Satz ist eine Qual und verlangt dem Autoren alles ab.

Ihm gegenüber steht der Sonnenschein. Ein Plot, wie ihn sich jeder Autor wünschen mag. Unkompliziert, wohlstrukturiert, die feine Dame des Hauses. Sie hat keine Marotten, sie macht, was man ihr sagt, tugendhaft, sittsam und ehrlich. Leider ist die gute Dame heiß begehrt und findet nur in den seltensten Fällen Zeit. Da sie nicht nein sagen kann, gewinnt der Autor, der als erstes „Hier!“ schreit. (Und ich bin das ganz offensichtlich nie.)

Vermutlich gibt es noch viele weitere Formen des Plots, eine jedoch will ich nicht vergessen haben: Der Sprunghafte. Was Anfangs nach einem toll strukturierten Plot aussieht, verfliegt schon nach kürzester Zeit. Seiten füllen sich, der Plot verändert sich. Die Richtung, in die man ihn drängen möchte, mag er nicht, also ändert er sie kurzerhand. Stellt sich der Autor allzu quer, nimmt sich der Sprunghafte einfach ein paar Tage, Wochen oder schlimmstenfalls Monate oder Jahre Urlaub. Er lässt sich selten durch gutes Zureden zurück an seinen Platz gewinnen, denn er weiß um seine Stärken und vor allem die Schwächen des Autors.

Und, welche Plots laufen euch so über den Weg?

 

Drabble: Stell dich dem Kampf!

Der Schlag traf sie hart im Gesicht.
Regina schrie erbost auf. Ihre rechte Wange brannte wie Feuer. Bestimmt würde die Stelle anschwellen und leuchtend rot jedem mitteilen, der es nicht wissen musste, dass sie gekämpft hatte.
Ein weiterer Schlag, wieder ein Schrei. Langsam reichte es. Regina packte ihre Waffe fester, hob sie über den Kopf. Zur Hölle mit ihrem Gegner! Mit den Unterarmen schützte Regina ihr Gesicht und holte gleichzeitig aus. Zielen und …
Klatsch! Von der anderen Seite traf sie etwas am Ohr.
Regina knurrte, wie blöd konnte man eigentlich sein, einen Baum bei dem Wind stutzen zu wollen?

 

 

Interview: Torsten Low (Verlag Torsten Low)

Logo des Verlages Torsten LowEinseitige Berichterstattung ist langweilig. Das gilt natürlich auch für Interviews. Deshalb werde ich hin und wieder auch mal einen Verleger zu Wort kommen lassen. Den Anfang macht Torsten Low, dessen gleichnamiger Verlag u.a. die Krieger-Anthologie (ISBN-13: 978-3940036216) herausgebracht hat, in der ich ebenfalls vertreten bin.

HBK: Hallo, Torsten. Vielen Dank, dass du Zeit hierfür gefunden hast. Magst du dich vielleicht kurz vorstellen? Und: Ein Schlückchen Port gefällig? :)
TL: Ich sollte das Verhältnis zwischen meinen Autoren und mir nochmal überdenken. Irgendwie spielt in letzter Zeit jeder auf den Messe-Port an. Das klingt irgendwie nach »Der Verlag, der seine Autoren abhängig und willig macht.«

Ich bin Baujahr 75, wurde also noch im letzten Jahrtausend geboren. Ich hoffe, man sieht mich deswegen nicht als Ewiggestrigen an. Das Schreiben und Geschichtenerzählen gehört zu mir, seit ich denken kann. Meine erste Geschichte schrieb ich mit 5 Jahren – angeblich habe ich sie (wie Napoleon auf- und abschreitend) meiner Schwester diktiert, die sie dann in die alte Schreibmaschine einhämmerte. Ich bin verheiratet, Frau, Kind, Haus mit kleinen Garten, einen Job in der IT-Branche. Ein ganz normaler Mensch halt.

Wenn da nicht der Verlag wäre …

Seit 2005 betreiben wir den Verlag Torsten Low. Anfangs war er als reiner Selbstverlag konzipiert, wobei … konzipiert klingt so hochtrabend. Ich hatte damals vieles nicht – und zu den Dingen, die ich nicht hatte, gehörte ein Verlagskonzept. Aber ich hatte den Willen, was Neues auszuprobieren und viel dazuzulernen.

Die Phase bis 2008 betrachte ich als Lehre. Wir haben damals vieles gemacht, was uns heute vielleicht als Umweg oder vielleicht auch als Zeitverschwendung erscheint. Beispielsweise die Buchbindeshows bei klirrender Kälte im Fantasy-Park Weltentor. Oder allgemein die Idee, den Romanzyklus »Dunkel über Daingistan« als handgebundene Hardcover herauszugeben. Aber ich habe in der Zeit viel übers Bücher machen gelernt. Bin dabei öfters auch gestolpert oder auf die Nase gefallen. Aber vor allem immer wieder aufgestanden und weitergegangen.

September 2007 war dann der erste Scheideweg. Ich saß mit meiner Frau in einer Bar in Tübingen – ich hatte gerade meine erste Lesung hinter mich gebracht – und wir notierten auf Bierdeckeln Geschäftsmodelle für den Verlag. Da befand sich alles mögliche drunter, auch Druckkostenzuschuss-Modelle. Am nächsten Morgen im Auto auf der Heimfahrt ging ich nochmal alle Bierdeckel durch und schmiss kurzerhand die weg, die sich nicht aufgrund echter Leser tragen würden. Ich wollte keinen DKZV aufmachen – es rasiert sich so schlecht, wenn man Spiegel meiden muss.

Bei der ersten Antho-Ausschreibung war es noch schwer. Keine Sau kannte uns, viele Autoren wollten mit uns (noch) nichts zu tun haben, wollten erstmal abwarten, wie lange wir durchhalten. Das hat uns damals tüchtig genervt. Heut weiß ich, dass es mehr Verlage gibt, die gehen, als Verlage, die kommen.
Mittlerweile haben wir unseren Platz in der Szene gefunden, sind angekommen.

HBK: Torsten, dein Verlag gilt ja als so genannter Kleinverlag, trotzdem hast du schon ein ordentliches Programm vorzuweisen. Wie kam es dazu, dass du einen eigenen Verlag gegründet hast?
TL: Zwischen 1999 und 2003 entstanden im Rahmen eines Play-by-Email-Rollenspieles gut 600 Seiten an Kurzgeschichten. Abgabezyklus für die spielinterne Online-Zeitung war alle 2 Wochen – und ich war in der Zeit fast bei jeder Ausgabe irgendwie mit dabei.

Irgendwann fragte eine gute Freundin, ob ich nicht irgendwann mal die komplette Geschichte niederschreiben wollte. Als ich dann eine ganze Weile ein Projekt in Salzgitter hatte und nur am Wochenende zu meiner Frau nach München konnte, schrieb ich den ersten Roman nieder. 2004 war er fertig. Und dann begann ich mich umzuhören, wie man bei einem Verlag unterkommt.

Das war 2004 noch schwerer als heute – heute gibt’s im Internet an jeder Ecke ein Autorenforum, in dem Autoren Tipps geben und Neulinge Fragen stellen. Damals waren diese Foren erst im Entstehen.

Tatsächlich suchte ich mir Hilfe im Büchermeer. Hauptinformationsquelle war ein Pseudo-Autorenratgeber mit seinen Hetzartikeln gegen seriöse Verlage (Ja, ich gebe zu, auch ich habe den ständig kolportierten Mist, man müsse als Anfänger immer was zahlen und das sei auch ganz normal so, mal geglaubt – und ich bin nicht stolz drauf. Aber es stand in einem gedruckten Buch, da musste es doch wahr sein, oder?).

Dieses Buch war auch der Grund, warum ich die Verlagssuche aufgab, noch ehe ich es versucht hatte.

Geld wollte ich für mein Buch auch nicht groß ausgeben, damit fielen BoD (die damals noch 400 Euro verlangten), Dienstleister und DKZV‘s raus.
Am Ende entschied ich mich, 2 Exemplare für den Hausgebrauch zu machen. Eins für die heimische Schrankwand, eins für die gute Freundin. Dann kam der Größenwahnsinn dazu (bei meiner Recherche hatte ich entdeckt, dass, wenn man ein Druckwerk mit ISBN herausgibt, man die Möglichkeit bzw. Pflicht hat, Bibliotheksexemplare abzuliefern. Das gefiel mir: so ein bisschen Unsterblichkeit hat schon was) und wir machten eine Erstauflage von 6 Stück in Handarbeit. Dummerweise fing die Freundin an, nun dafür Werbung zu machen – und plötzlich hatte ich zwar weder einen Verlag, noch ein Konzept, noch eine Vorstellung über den Preis – aber erste Bestellungen.

Nun will man ja nichts falsch machen, wenn man das erste Mal neben seinem normalen Brotjob noch 16,90 Euro einnimmt. Also zum Gewerbeamt gedackelt und einen Verlag gegründet.

Seitdem habe ich sehr viel dazugelernt.

Unter anderen, dass dieser »Ratgeber«, dieser Lobgesang auf Selbstverlag, BoD, Dienstleister und DKZV’s nichts weiter als eine Werbebroschüre eines bekannten Frankfurter Druckkostenzuschussverlages war.

Ich vermute, hätte ich mir und meinem Roman noch Zeit gegönnt, hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß – ich wäre bestimmt bei einem Verlag untergekommen. Es wäre alles nur eine Frage der Zeit und eine Frage der Disziplin gewesen.

Auf der anderen Seite bin ich dankbar, dass ich diesen Weg so gegangen bin. Dadurch, dass wir Dinge unternommen haben, die andere nicht unternommen haben, wir auch mal Sachen ausprobiert haben, vor denen andere Angst hatten oder das Risiko scheuten, haben wir Dinge erlebt, die andere nie erleben werden.
Und das ist etwas, was uns niemand nehmen kann.

Torsten Low: Kettensägenlesung

Torsten Low: Kettensägenlesung

HBK: Mir ist aufgefallen, dass einige der Titel im Programm sehr düster sind oder mehr in den Bereich Dark oder Horror gehen. Gibt es dafür einen Grund?
TL: Nur den einen: Ich grusel mich gerne – aber hab keinen Bock, so was in real zu erleben. Ein Buch oder ein Film ist eine Fahrkarte ins Grauen ohne großes Risiko. Es war absehbar, dass ich einen Teil meines Programmes mit Horror belege.

HBK: Ganz besonders gefallen mir ja die Cover. Ich weiß, dass u.a. Timo Kümmel dafür verantwortlich zeichnet. Aber sag mal, nach welchen Kriterien suchst du ein Cover bzw. den Coverkünstler aus?
TL: Nun, dazu habe ich vor einiger Zeit ein längeres Verlagsgeplauder geschrieben, auf das ich hier einfach verweisen möchte (Verlagsgeplauder: Wie ein Cover entsteht – von der Idee zum fertigen Bucheinband).
Ich denke, das ist sicher auch eine gute Möglichkeit, allgemein auf das Verlagsgeplauder hinzuweisen. Hier berichte ich in sehr unregelmäßigen Abständen aus dem Verlag. [Anm. HBK: Ich habe die Seite auch hier verlinkt, damit ihr nicht jedes Mal nach dem Artikel suche müsst.]

HBK: Und wie ist es mit dir selbst? Schreibst du (noch) oder hast du dafür keine Zeit mehr?
TL: Ich schreibe noch. Aber anders.

Ab und zu schreibe ich mal eine Kurzgeschichte. Oder einen neuen Beitrag für das Verlagsgeplauder. Oder einen Kommentar für ein Autorenforum.

Ansonsten eher Rechnungen und Verträge.
Aber das ist ok so. Ich habe erkannt, dass meine Bestimmung nicht im Schreiben liegt.

Jemand hat mal gesagt: »Wenn du ein Bauer bist, dann muss du nicht selber Milch geben können. Das ist nicht deine Bestimmung. Aber du musst kompetente Kühe haben, die gute Milch geben. Du musst dich darum kümmern, dass es deinen Kühen gut geht und ihnen nichts fehlt – dann klappt es auch mit der Milch.«
Ich habe festgestellt, dass ich viele Autoren in meinem Verlag habe, die besser schreiben als ich. Und ich meine zu wissen, dass ich besser Bücher produzieren und vermarkten kann als sie. Ich muss mich nur darum kümmern, dass es meinen Autoren und Herausgeber bei mir und mit mir als Verleger gut geht – dann bekomme ich auch die Art von Geschichten, die ich selbst gerne lesen möchte.

HBK: Na da bin ich aber froh, nicht doch noch als Kuh gebranntmarkt zu sein. 😉 Deine Familie hilft aktiv beim Verlag mit. Deine Frau organisiert ja alles hinter den Kulissen, deine niedliche Tochter ist schon fast eine Werbeikone. Wie schaffst du es, dir trotzdem Zeit für die Familie zu nehmen, ohne dass es dabei um Bücher geht?
TL: Also erst einmal muss ich sagen, dass das »Imperium Low« weitaus größer ist, als es von außen den Anschein hat.

Neben meiner Frau und meiner Tochter gibt es noch weitere Familienmitglieder, die uns tatkräftig unterstützen. Da wären mein Vater (78) und meine Mutter (73), die uns immer noch bei manchen Titeln beim Lektorat und Korrektorat helfen und außerdem für die Ebookerstellung zuständig sind. Sie haben unsere Arbeit vom ersten Tag an begeleitet. Anfangs mit einer gewissen Skepsis bezüglich des Investitionsrisikos und der Arbeitslast, später dann mit Stolz und Begeisterung.

Dann wäre da noch eine Nichte und ein Neffe, die meine 3 Romane aus dem »Daingistan«-Zyklus illustriert haben. Und meine Schwester, die für meine Eltern der EMailkontakt zum Verlag zum Transportieren von Daten darstellt.
Angesichts dessen, dass der Verlag für uns »nur ein Nebenjob« ist, ist die Arbeitslast natürlich recht hoch. Und ja – wir sind beide regelrecht besessen vom Verlag. Ich von den Aktivitäten, die mit dem Verlegen zu tun haben, Tina mit den Organisieren der Lesungen.

Trotzdem, ab und an ziehen Tina und ich uns in unsere Nostalgie-Kellerbar zurück. Da mixe ich uns ein paar Cocktails und wir hören Musik. Oder wir setzen uns in den Garten vor die Feuerschale, schauen in die Flammen und träumen zusammen (wobei der Verlag in diesen Träumen immer eine recht große Rolle spielt).

HBK: Soweit ich mich erinnere, nimmst du derzeit keine neuen Manuskripte an, korrigier mich, falls ich damit falsch liege. Aber wenn dich jemand mit einem Roman überzeugen soll, wie genau muss er/sie das anstellen?
TL: Im Prinzip sind das alles keine unbekannten Sachen, sondern eigentlich alles Punkte, die einem der ganz normale Menschenverstand raten sollte.

Er sollte sich in erster Linie mal informieren, was wir eigentlich machen. Daran hakt es nämlich bei den meisten Bewerbungen, die ich bekomme. Wer uns meint, mit Reiseerzählungen, einen Krimi oder einen Katzenratgeber zu beglücken, bekommt schneller eine Absage aus Standardtextbausteinen, wie er schauen kann. Und auch wenn Hartz IV für jene, die unverschuldet da hineingeraten sind, durchaus der blanke Horror sein kann, so ist das doch nicht die Art von Horror, die wir für unseren Verlag suchen.

Dann wäre es gut, wenn er das Medium Email nicht benutzt, wie ein SMS-Schreiber, der seine Freunde anstupst. Er sollte es eher benutzen, wie einer, der sich irgendwo bewirbt.

Halte mich meinetwegen für altmodisch – aber wenn jemand es nicht fertigbringt, mir eine Email oder einen Brief zu schicken, der ein Anschreiben enthält (bestehend aus Anrede und einer kurzen Erläuterung, was er eigentlich von mir will, wieso er mich ausgesucht hat und was er mir anzubieten hat), dann schau ich noch nicht mal ins Attachment. Ich bin kein Mülleimer, den man einfach zugüllen kann.

Mein nächster Blick gilt dann dem Infoblatt meiner Testleser. Wenn ein Autor nämlich schon mal die Hürde geschafft hat, den richtigen Verlag für sein Projekt zu finden und sein Anliegen halbwegs vernünftig zu formulieren, reiche ich die Einsendung sofort an meine Testleser weiter. Meine Testleser lesen und bewerten das Expose und die Leseprobe. Von allen dreien Daumen runter heißt, dass es definitiv nicht für uns geeignet ist. Drei Daumen hoch – das pack ich relativ weit oben in meinen „Zu bearbeiten“-Stapel.

Mich müssen die ersten 20 Seiten überzeugen. Deswegen verlange ich auch eine Leseprobe vom Anfang weg. In den meisten Fällen kann ich jedoch nach den ersten 3 Seiten sagen, ob ich mehr lesen möchte oder nicht. Ich lese zwar trotzdem die kompletten 20 Seiten – aber bisher hat es sich fast immer bestätigt: Wer mich auf den ersten 3 Seiten nicht hatte, der bekam mich auch auf den nächsten 17 nicht. Das soll jetzt nicht heißen, dass auf den ersten Seiten gleich eine Mega-Action-Sequenz stehen soll. Action und spannend zu lesen sind zwei komplett verschiedene Dinge. Aber ich muss auf den ersten 3 Seiten gepackt werden, dass ich das Gefühl habe, ich verpasse was, wenn ich nicht den kompletten Roman anfordere.

HBK: Es gibt von deinem Verlag viele Anthologien. Von denen, soweit ich weiß, alles sehr erfolgreich laufen, was für Kurzgeschichtensammlungen doch eher ungewöhnlich ist. Wie erklärst du dir das?
TL: Ich gebe zu, ich weiß es nicht. Aber ich habe eine Vermutung.

Ich betreibe den Verlag in meiner Freizeit und habe in den nächsten Jahren auch nicht vor, davon leben zu wollen. Zwar glaube ich, dass 2019 der Verlag genug abwirft, dass entweder ich oder Tina zu Hause bleiben könnten. Aber wir sind grundsätzlich nicht darauf angewiesen.

Es bringt eine wahnsinnige Entspanntheit rein, wenn man etwas machen kann, weil man es machen WILL, nicht weil man es machen MUSS. Unsere Bücher – jedes einzelne davon – sind nicht einfach ein Produkt, sondern Herzensprojekte.

Und ich glaube, das ist schon das ganze Geheimnis.

Die Menschen merken, wenn jemand für etwas brennt. Und manchmal – das bemerken wir bei unseren Autoren und Herausgebern – beginnen sie ebenfalls zu brennen.

Torsten Low brennt nicht nur für seine Arbeit, er hinterfragt auch ... zur Not mit Hilfe von Totenschädeln

Torsten Low brennt nicht nur für seine Arbeit, er hinterfragt auch … zur Not mit Hilfe von Totenschädeln

Und das ist auch das Schöne daran. Ich möchte Sachen machen, die nicht nur mich begeistern, sondern auch andere. Die andere dazu bringen, selbst zu blühen und Sachen mit uns gemeinsam auf die Beine zu stellen, die sie vorher vielleicht nicht gewagt hätten. Auch an die Grenzen gehen oder vielleicht sogar drüber hinaus.

Wenn unsere Autoren und Herausgeber uns nicht nur als Verleger betrachten, sondern in erster Linie als Partner und Wegbereiter, dann haben wir viel erreicht. Denn dann haben wir mit unseren Autoren und Herausgebern die besten Spezialisten für Empfehlungsmarketing, die man sich wünschen kann.

HBK: Mal Hand aufs Herz: Gibt es unter den Büchern deines Verlages ein Lieblingsbuch?
TL: Ich habe es vorher schon gesagt: Jedes Buch ist ein Herzensprojekt. Jedes einzelne hat es mal geschafft, mich zu überzeugen. Ein dauerhaftes Lieblingsbuch gibt es nicht.

Ich habe festgestellt, dass ich für die aktuellen Bücher am meisten brenne. Die Projekte, mit denen ich am meisten Zeit verbringe. Und dann habe ich auch manchmal dieses Anwandlung, dass ich voller Begeisterung sage: »Wow, diese Antho wird die beste Antho, die wir jemals herausgebracht haben.«
Aber ich glaube, das ist nur Schwärmerei. In Wahrheit sind alle unsere Erscheinungen meine Lieblinge.

HBK: Wo siehst du deinen Verlag in den nächsten zehn Jahren?
TL: In zehn Jahren?
In zehn Jahren habe ich ein Lesecafe hier in meiner Heimatstadt. Quasi ein Büro mit Ladengeschäft.

Einen Ort, wo Menschen hinkommen können, in unsere Bücher reinstöbern können, dabei eine Tasse Kaffee genießen können und vielleicht ein oder zwei Bücher kaufen können.

Einen Ort, an dem ich für den Verlag arbeiten kann, wenn keine Kundschaft da ist.
Einen Ort, an dem ich Lesungen hier in der Gemeinde machen kann.
Einen Ort, der zum Anlaufpunkt für meine Autoren werden kann.

Ich weiß, es gibt viele, die mich für einen Spinner halten. Aber wenn es keine Spinner gäbe, hätten wir heute noch Trommeln anstatt Handys und würden nach wie vor Rollen unter schwere Lasten legen, anstatt Räder zu benutzen. Von Menschenkraft statt Motorenkraft ganz zu schweigen.

HBK: Lieber Torsten, danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview freigeschaufelt hast. Es hat Spaß gemacht. Zum Abschluss darfst du noch ein paar Worte an die Leser richten und gerne auch schamlos Werbung machen. Ich bin mal nicht so. 😉
TL: Ok, dann mach ich mal.

Nachdem erwiesen ist, dass Lesen nicht einfach nur die Lesekompetenz allgemein stärkt, sondern auch das Erfassen von komplexen Zusammenhängen und die Kreativität schult, kann ich euch nur eines auf dem Weg geben: Lest mehr Bücher!
Beispielsweise die von diesem Kleinverlag hier: Verlag Torsten Low.

Ich danke für die interessanten Fragen.

[Sämtliche Bilder im Artikel wurden mir mit freundlicher Genehmigung von Torsten Low überlassen, alle Rechte daran verbleiben bei ihm.]

Neuer Roman: „Victorian Secrets 1: Verbotene Sünden“

Seit Wochen hibbele ich diesem Tag entgegen: Die offizielle Ankündigung meines romantischen Steampunk-Romans bei Romance Edition und jetzt ist es endlich soweit.

Am 25. Dezember 2014 erscheint Victorian Secrets 1: Verbotene Sünden.

3D_VictorianSecrets
Und darum geht es:

Träume lügen nicht
Niemand weiß das besser, als die Traumgängerin und Scotland Visional Yard-Agentin Emma St.Claire. Während einer Mordserie in London wird sie auf Sir Ian Connery angesetzt, der in den Fokus der Ermittlungen gerückt ist. Um dessen Schuld zu beweisen, muss sie seine Träume analysieren, und schon bald wird klar, dass der Lord etwas zu verbergen hat. Etwas, das schwerer wiegt, als die Gefühle, die seine Berührungen in Emma wachrufen. Kann Liebe über Vernunft siegen?

Ganz besonders freue ich mich darüber, dass Jacky von Jdesign Cover Art das Cover erstellt hat. Ich finde, es ist ein echter Hingucker geworden.

 

Die Spione von Edinburgh 1: Thimble House von Romy Wolf – Auftakt mit kleinen Schwächen

Es war mehr eine spontane Entscheidung die Ebook-Serie von Romy Wolf zu kaufen, die mit Thimble House beginnt. Zum einen lag es daran, dass ich gerade selbst in einem ähnlichen Setting unterwegs bin, zum anderen habe ich schon die eine oder andere Leseprobe von Romy gesehen und war neugierig.
Erschienen ist der Roman im Verlag Weltenschmiede und kostet € 0,99.

Klappentext:

„Ada Quinn ist das Mädchen ohne Vergangenheit. Von Ollie und dessen Vater liebevoll in die Familie aufgenommen, führt sie ein behütetes Leben – bis sie eines Tages auf die verschrobene Lady Fensworth trifft. Diese bietet ihr eine Anstellung als Hausmädchen an, doch was Ada in Thimble House erwartet, ist ein düsteres Geheimnis, das sie schon bald in Gefahr bringen soll …“

Cover:

Zur Verfügung gestellt von Romy Wolf

Zur Verfügung gestellt von Romy Wolf

Trotz Ebook haben sich die Verantwortlichen alle Mühe gegeben, ein zum Text passendes Cover zu erstellen. Man sieht Edinburgh durch einen etwas verklärten Blick.

Inhalt:

Gleich zu Beginn lernt der Leser Ada und Ollie kennen, die sich als Kinder begegnen und dann gemeinsam aufwachsen. Als Ada alt genug ist, arbeiten zu gehen, fängt sie in der Fabrik an, doch das ist ein Knochenjob. Eines Tages lernt sie Lady Fensworth kennen, die ihr eine Stelle anbietet. Ada hat gleich ein ungutes Gefühl, möchte jedoch einen weniger gefährlichen Job als in der Fabrik annehmen. Es kommt, wie es kommen muss, Ada fängt in Thimble House an, sehr zu Ollies Leidwesen, der – gelähmt und ans Bett gefesselt – seine einzige Zerstreuung im Lesen von Zeitungsgeschichten und –artikeln findet. Ollie verfügt über einen sehr scharfen Verstand, der ihn bald schon Zusammenhänge zwischen Morden in Edinburgh und Thimble House herstellen lässt. Tja, und dann trifft Ada das erste Mal auf den Verrückten, der in Thimble House lebt …

Meinung:

Mehr möchte ich nicht verraten, weil Romy Wolf eine Geschichte geschaffen hat, die sich mehr oder weniger erst im letzten Drittel aufklärt. Wer einen reinen historischen Krimi erwartet, wird jedoch enttäuscht sein, denn ähnlich wie Yalda Lewin mit ihrem paranomalen Berlin ein eigenes Umfeld mit diversen interessanten Fähigkeiten geschaffen hat, hat Romy Wolf ihre eigene Idee von Edinburgh umgesetzt.

Bei allem Lob gibt es aber auch Kritik. So ist der Einstieg der Geschichte für mich sehr verwirrend gewesen und ich hatte schon Sorge, dass es im weiteren Verlauf so weitergehen würde. Glücklicherweise wurde ich enttäuscht, aber dazu später mehr. Jedenfalls hat Wolf die Figuren von Ada und Ollie zu knapp eingeführt. Ich wurde vor vollendete Tatsachen gestellt, die ich anfangs nicht nachvollziehen konnte. Wobei mir Ollie dabei sogar noch intensiver vorkam als Ada, dabei spielt die Geschichte in deren Perspektive. Vielleicht hätte hier ein intensiveres Lektorat geholfen, ich weiß es nicht. Je weiter die Novelle allerdings voranschreitet, desto sicherer wird Wolf mit ihren Charakteren. Jeder für sich gesehen hat eigene Wesensmerkmale, die deutlich hervorstechen und dem Leser Sympathie entlocken.
Unangenehm fand ich allerdings die Szenensprünge. So endet eine Szene und eine neue beginnt direkt im nächsten Satz. Ich weiß nicht, ob dies nur durch das Ebook so bedingt ist oder ob beim Satz die Absätze versehentlich rausgefallen sind – oder was ich viel schlimmer fände – diese gar nicht gemacht worden sind. Durch diese Sprünge wurde ich massiv aus meinen Leserhythmus gerissen, musste zurücklesen und verlor dadurch einiges an Spannung.
Desgleichen bei den Momenten, wenn Adas Fähigkeiten, einen Zeitsprung zu machen, einsetzen. Warum hat man diese Stellen nicht einfach kursiv gesetzt? Dadurch wäre der Leser vorgewarnt gewesen, dass etwas geschieht. Spätestens nach dem ersten Zeitsprung rechnete ich sowieso damit, dass das immer wieder geschieht und es wurde ja auch direkt im Anschluss aufgeklärt, was da los war, so dass es sich mir nicht erschließt, warum dem Leser hier keine Hilfestellung geleistet wird.
Das Ende hätte für meinen Geschmack etwas dramatischer sein können, passt aber zum Rest des Buches, so dass ich das hier nicht wirklich als Kritikpunkt werten kann.

Fazit:

Thimble House ist eine leichte Lektüre für zwischendurch, hat aber auch nicht den Anspruch „höhere Literatur“ zu sein.  Es soll unterhalten und das tut es auch. Die Novelle liest sich – bis auf die bereits besprochenen Mängel – flüssig und spannend. Das Setting ist gut recherchiert, wenngleich ich an manchen Sätzen ein wenig knabbern musste, weil ich mit der Sprachmelodie nicht ganz klar kam, aber das ist eher mein Problem, als ein echtes Kriterium.

Alles in allem vergebe ich wohlmeinende 4 von 5 Punkten. Dass der erste Teil mit einem fiesen Cliffhanger endete, werte ich jetzt mal nicht negativ. 😉

 

Hinter den Kulissen: Rezensionen – Ein Spiel zwischen Liebe und Hass

Da ich geplant habe, auch auf diesem Blog Rezensionen zu veröffentlichen, wollte ich einfach mal kurz dalassen, was es mir als Autorin bedeutet, eine Rezension zu erhalten.

Grundsätzlich betrachte ich Rezensionen als positiv – ungeachtet des Inhalts. Denn wie es schon seit langem heißt, auch schlechte Werbung ist gute Werbung. Es hält das Produkt, in meinem Fall das Buch, im Gespräch. Trotzdem wissen einige Rezensenten vielleicht nicht, dass die Meinungen und Bewertungen eines Buches für uns Autoren gleichzeitig Fluch und Segen zugleich sind.

Es ist nämlich nicht immer einfach über eine Bemerkung hinwegzugehen, sofern sie unterhalb der Gürtellinie trifft. Doch um das zu veranschaulichen, hier meine persönliche Einschätzung welche Arten von Rezensenten es gibt:

1. Der Profi
2. Der Gelegenheitsrezensent
3. Der Wohlwollende
4. Der Neider

Der Profi:
Der Profi besitzt meist eine eigene Homepage und betreibt das Rezensieren von Büchern beruflich oder zumindest als intensives Hobby oder aber er ist selbst Autor oder Lektor. Die Rezensionen fallen detailliert aus, sind in 99% der Fälle objektiv gehalten und beschäftigen sich auch mit Grundlegendem wie Rechtschreibung, Grammatik und Logik.
Den Prof liebe und hasse ich als Autor gleichermaßen. Gnadenlos deckt er meine Schwachstellen auf, stellt sie zur Schau und lässt mich genau wissen, woran ich noch arbeiten muss. Genau das ist es, was ihn mich gleichzeitig lieben lässt. Von einem solchen Rezensenten lerne ich, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Der Gelegenheitsrezensent:
Wohl der meist verbreitete Rezensent. Er schreibt auf, was ihm gerade auffällt, die Bewertung ist meist kurz gehalten und nicht unbedingt rechtschreibfehlerfrei. Besonders oft findet sich dieser Rezensent, wenn ihm etwas nicht gefällt, wobei dann leider in vielen (nicht allen!) Fällen die Begründung fehlt. Lobt er jedoch, fühlt es sich für mich als Autor an wie ein kleines Schulterklopfen, denn mit diesem Rezensenten habe ich offensichtlich meine Zielgruppe erreicht.

Der Wohlwollende:
Er schreibt, weil er sich dazu verpflichtet fühlt. Der Wohlwollende kann gleichzeitig auch ein Gelegenheitsschreiber sein, würde aber niemals eine negative Kritik dalassen. Für ihn ist immer alles rosarot und er lobt über den grünen Klee. Wohlwollende helfen mir als Autor leider nicht dabei, mich zu verbessern, aber es ist dennoch gut, dass es sie gibt, sie fördern die Sichtbarkeit des Buches. Und – mal ehrlich – wir Autorenseelchen lieben es einfach gelobt zu werden. Oder?

Der Neider:
Auch ihn gibt es. Leider. Nur, wenn ich sage, dass schlechte Kritiken auch gute Kritiken sind, muss ich gestehen, hört mein Verständnis beim Neider auf. Inzwischen sind einige Neid-Rezensenten bekannt. Es sind zumeist Autoren, die jedes Buch verteufeln, das im selben Genre erscheint, in dem auch sie schreiben. Sie dulden einfach keine „anderen Götter“ neben sich. Ihre Kritiken entbehren jeder Grundlage, sind inhaltslos und in einigen Fällen verleumderisch oder schlichtweg falsch. Spricht man den Rezensenten an und bittet um konkrete Details bekommt man vermutlich niemals eine Antwort. Mir zumindest ist es bisher so gegangen. Hier hilft leider nur Beruhigungstee und viel Geduld – wenn man nicht den Klageweg beschreiten will. Solche Meinungen verschwinden in den meisten Fällen von selbst ans Ende einer langen Liste von Profi-, Gelegenheits- und wohlwollende Rezensenten.

Ihr seht also, eine Rezension kann neben hohen Verkaufszahlen noch viel mehr bewirken. In den schlimmsten Fällen stürzt sie einen Autor in eine Depression, im besten Fall motiviert es dazu noch besser zu werden.

Und bei eurer nächsten Rezension wisst ihr dann auch, in welche Kategorie ihr eventuell bei mir fallen könnt. 😉

Hinter den Kulissen: Sidekick – nötig oder nervig?

Barrique und eine Bestie (gezeichnet von Maria Schramm)

Barrique und eine Bestie (gezeichnet von Maria Stamm)

Batman hat Robin, Kermit Miss Peggy (oder umgekehrt, da streiten sich die Geister) Sherlock Holmes hat Watson. Sidekicks. Autoren arbeiten gerne mit ihnen. Aber warum ist das so? Und wie kommen sie zustande?
Natürlich habe ich keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage, aber ich will mal aus dem Nähkästchen plaudern.

Zunächst einmal, was ist ein Sidekick?
Der Begriff kommt aus dem Englischen und steht für Handlanger oder Kumpan. Das allein würde schon genug erklären, aber in Romanen oder Filmen kommt dem Sidekick eine besondere Rolle zu.
Im einfachsten Fall dient der Sidekick dazu, bestimmte Erkenntnisse zu diskutieren, in anderen Fällen hilft er der Hauptfigur, an zwei Stellen gleichzeitig zu sein. Ein schönes Beispiel ist hierbei Batman und Robin oder wie in der Fernsehserie „Arrow“ der ehemalige Leibwächter John Diggle, der sich hin und wieder als Held verkleidet, damit dessen Tarnung nicht auffällt.

Verwende ich Sidekicks?
Ja.
Bei den Höllenjob-Romanen z.B. die Stimme Gottes, namentlich bekannt auch als Metatron ist die Linas „innere Stimme“, mit der sie diskutiert und die ihr mit einer ordentlichen Portion Weisheit zu helfen versucht.
Als ich Metatron erschuf, diente er mir als Möglichkeit, die Protagonistin einen inneren Dialog führen zu lassen, ohne dass es langweilig wurde. Es war nie mein Ziel, ihn zum Sympathieträger auszubauen, das hat er ganz von alleine geschafft. Denn seine Aufgabe war es einfach, in den unmöglichsten Situationen da zu sein. Ein Satz, ein Wort, ein Lacher sozusagen.
Bei meinem aktuellen Projekt ist ein Butler der Sidekick, der meinen Protagonisten absichtlich falsch versteht, ihn dadurch zum Nachdenken zwingt und die Tragik und Spannung abmildert.
Man sieht also, ich benutze meine Sidkicks ihrem eigentlichen Zweck entsprechend. Sie sind da, weil ich sie benötige, um die Handlung aufzulockern oder voranzutreiben.

Wie kommen sie zustande?
 Diese Frage ist deutlich schwerer zu beantworten, denn auch wenn ich gerne behaupten würde, die von mir verwendeten Nebenfiguren wären alle so erdacht, muss ich zugeben, dass sie in 99% der Fälle einfach auftauchen. Wie Barrique zum Beispiel, der Koboldkanzler meiner Bestien.

Calliou (gezeichnet von Maria Schramm)
Calliou (gezeichnet von Maria Stamm)

Er stand urplötzlich mitten im Text. Klein, grün und unsagbar besserwisserisch. Ich konnte ihm nicht widerstehen und habe ihn eingebaut. So sehr sogar, dass er im Laufe der Romanentwicklung derart eigenständig wurde, dass er fast schon als Hauptfigurcharakter hatte.

Einfach mal einbauen?
Nun ja, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Auch eine Nebenfigur benötigt eine Legende. Ich kann nicht eine eindimensionale Figur schaffen, sie im Text agieren lassen, ohne dass etwas dahinter steht. Jeder meiner Sidekicks hat eine Vergangenheit. Diese kann sterbenslangweilig oder hochgradig anspruchsvoll sein wie meine eigentlichen Figuren auch, darauf kommt es nicht an. Sondern darauf, dass sie authentisch bleiben. Ich bin der Meinung, dass gerade Sidekicks je nach Roman mehr Format benötigen als die Figuren, die sie begleiten. So ist mir beispielsweise die Figur des Watsen geläufiger und tiefergehender bekannt, als Sherlock selbst. Wenn ich also einen Sidekick agieren lasse, muss ich mir sicher sein, dass seine Figur dieses Verhalten einen ganzen Roman lang durchhält. Eine Entwicklung oder 180-Grad-Drehung ist nicht erwünscht.

Kein Sidekick, kein guter Unterhaltungsroman?
Soweit würde ich jetzt nicht gehen. Es gibt genug Romane, die ohne auskommen. Aber gerade im Bereich der Satire oder der humorvollen Unterhaltung tauchen sie doch vermehrt auf. Mich stören sie nicht, es sei denn, der Sidekick ist als nervig angelegt, Killi aus der Schattentänzer-Saga zum Beispiel schrammt da in meinen Augen hart an der Grenze vorbei. Sidekicks sollen eben den Leser dazu animieren, am Ball zu bleiben und nicht dazu, das Buch wegzulegen.

So, das waren meine Gedanken zum Thema. Ich finde nicht, dass Sidekick unbedingt nötig sind. Richtig eingesetzt jedoch, bereichern sie einen Roman und sind alles andere als nervig.
Vielleicht möchtet Ihr noch etwas dazu beitragen? Dann nur zu, meine Sidekicks beißen nicht … die spielen nur.

Interview: Eileen Raven Scott

Sämtliche Rechte am Bild liegen bei Eileen Raven Scott

Eileen Raven Scott

Meine erste Interviewpartnerin ist meine Verlagskollegin Eileen Raven Scott, deren Debütroman „Feuerküsse“ ebenfalls bei Machandel erschienen ist (ISBN 978-3-939727-38-5, 130 Seiten, Preis 5,90 Euro).Ich freue mich sehr, dass Eileen sich bereit erklärt hat, hier ein paar Fragen zu beantworten.

HBK: Hallo, Eileen. Vielen Dank, dass du gekommen bist. Magst du dich vielleicht kurz vorstellen?
ERS: Also, geboren wurde ich 1980 in Norddeutschland, wohne mittlerweile aber mit meiner Familie im bergischen Land. Mit dem Schreiben habe ich so richtig vor ungefähr 4 Jahren angefangen. In der Schule habe ich schon ein paar Romane angefangen, aber nie beendet und leider sind diese auch noch auf der Festplatte eines ganz alten Computers, wo ich nicht mehr drankomme. Weil ich lange in England gewohnt habe, spielen ganz viele meiner Romane und Geschichten auf den britischen Inseln, mittlerweile aber auch einige in Köln, wo ich oft bin.

HBK: Dein Roman „Feuerküsse“ ist im Januar 2014 bei Machandel erschienen. Erzähl mal, wie bist du auf Machandel aufmerksam geworden? cover_Feuerkuesse

ERS: Meine Verlegerin Charlotte ist im gleichen Autorenforum für Fantasy-Autoren unterwegs wie ich. Dort habe ich sie sozusagen entdeckt und weil sie gerade nach Novellen gesucht hat, habe ich ihr meine Feuerküsse geschickt. Der Machandel Verlag ist ein liebevoll geführter Kleinverlag, der aber mittlerweile schon einen ganzen Stand auf der Leipziger Buchmesse mit seinem Programm füllen kann und viele tolle Romane im Angebot hat.

HBK: Wir haben uns ja dieses Jahr in Leipzig das erste Mal persönlich getroffen – was ich übrigens sehr schön fand. Wie hat dir die Messe gefallen? Wirst du nächstes Jahr wiederkommen?
ERS: Das fand ich auch sehr schön! Und die Messe an sich hat mir auch richtig gut gefallen. Ich habe mir ein paar Lesungen und Vorträge angehört, mich über die vielen Cosplayer gefreut und natürlich ganz lange am Verlagsstand von Machandel mit meinen Kolleginnen geplaudert. Eine gemütlichere Atmosphäre als auf der Frankfurter Buchmesse, zu der ich aber auch gerne mochte. Vermutlich würde ich aber eher wieder nach Leipzig kommen nächstes Jahr. Wenn das terminlich hinhaut, werde ich da sein.

HBK: Du schreibst wie ich im fantastischen Genre. Ich schätze daher, es geht dir wie mir, dass dich jeder fragt: Warum ausgerechnet Fantasy? Vielleicht magst du uns die Frage auch noch beantworten?
ERS: Warum Fantasy, hmm. Ich würde sagen, weil ich es selbst gerne lese, vor allem Paranormal Romance. Zu der Zeit, als ich mein erstes Manuskript begonnen habe, habe ich gerade einige Vampirreihen verschlungen und dachte ich probiere das auch mal aus. Alle Romananfänge die aus der Zeit davor existieren waren realistische Geschichten und das hat mich nie wirklich so gepackt. Ich mag einfach diese ganzen Fantasywesen wie Gestaltwandler und Dämonen natürlich.

HBK: Welches andere Genre würde dich reizen?
ERS: Ich versuche mich gerade an einem Krimi, der keine fantastischen Elemente hat. Das hat mir auch großen Spaß gemacht beim schreiben. Ansonsten könnte ich mir auch vorstellen, mal etwas lustiges zu schreiben, Chick Lit vielleicht und Jugendbücher oder Kinderbücher ab 10. Wobei man da natürlich auch Fantasy schreiben kann.

HBK: Und wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?
ERS: Die ersten Romananfänge habe ich vielleicht so mit 12 angefangen, warum weiß ich gar nicht mehr so genau. Bücher habe ich schon immer geliebt. Sobald ich schreiben konnte, habe ich kleine Gedichte verfasst, die ich allerdings keinem mehr zeigen würde. Als Teenie dann Songtexte und meine erste Kurzgeschichte (außerhalb der Schule).

HBK: Leider konnte ich „Feuerküsse“ bisher nicht lesen, obwohl ich ihn bereits gekauft habe. Ich hörte aber, dass demnächst eine Leserunde stattfinden wird, an der ich teilnehmen werde. Aber verrate mir doch vorab, gab es optische Vorbilder für deine Figuren?
ERS: Hmm, nein, Schauspieler oder dergleichen als Vorbilder hatte ich nicht. Natürlich hatte ich meine Figuren von Anfang an im Kopf, aber eine Zeichnung von ihnen gibt es nicht. Vielleicht probiere ich das irgendwann mal, reizen würde es mich schon meine Figuren mal zu zeichnen. Vermutlich ist es aber schwer sie genau so hinzubekommen, wie ich sie haben möchte.

HBK: Gibt es Autoren, die du als deine Lieblingsautoren bezeichnen würdest? Vielleicht sogar als Vorbilder? Wenn ja, wer ist es denn und vor allem: warum?
ERS: Vorbilder sind es nicht so richtig, aber ich habe eine Reihe von Lieblingsautoren, Neil Gaiman zum Beispiel und im Bereich der Kinder- und Jugendbücher Antonia Michaelis. Beide schreiben Fantasy und ich finde ihre Ideen wirklich großartig. Bei Antonia Michaelis reizt mich auch sehr der Schreibstil, da freue ich mich ständig über die Formulierungen und die ganzen Bilder die beim lesen entstehen. Ich mag aber auch eine Reihe anderer Autoren und Autorinnen von denen ich mehrere Bücher im Regal stehen habe, auch aus anderen Genres.

HBK: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Schreiben seine Zeit braucht. Wie sieht es bei dir aus? Wie teilst du dir deine Schreibzeit ein? Hast du bestimmte Rituale?
ERS: Rituale habe ich eigentlich keine, ich schreibe entweder am Schreibtisch oder an meinem Laptop, wenn ich unterwegs bin, gerne in der Bahn oder im Urlaub da, wo ich gut und gemütlich sitzen kann. Zuhause versuche ich abends zu schreiben und an freien Tagen am liebsten Vormittags. Mein Ziel ist es schon täglich zu schreiben, aber das klappt leider nicht immer.

HBK: Wenn du gerade nicht schreibst, gibt es noch ein anderes Hobby, das dir sehr am Herzen liegt?
ERS: Lesen natürlich, ansonsten mache ich gerne Yoga, Bollywood Tanz und gehe auch sehr gerne stundenlang spazieren. Zählt reisen auch als Hobby? Das mache ich auch gerne, vor allem nach England. Oh und Malen, aber dazu komme ich so gut wie gar nicht momentan.

HBK: Es wird gemunkelt, dass es eine Fortsetzung von „Feuerküsse“ geben soll. Stimmt das? Oder hast du derzeit andere Projekte am Laufen, die deine Zeit beanspruchen?
ERS: Ja, das stimmt. Ich schreibe gerade am zweiten Teil zu Feuerküsse. Parallel arbeite ich noch an einem Krimi und einem Kinderbuch ab 10. Es gibt noch ein paar andere angefangene Projekte, aber die müssen jetzt erst mal warten.

HBK: Liebe Eileen, ich danke dir sehr für dieses interessante Gespräch. Zum Abschluss hast du jetzt noch die Gelegenheit, ein paar Worte an die Leser zu richten.
ERS: Vielen Dank auch an dich, Helen, für das nette Interview. Wer noch ein bisschen über mich erfahren möchte, kann mich auf Facebook finden unter meinem zweiten Pseudonym Lia Haycraft oder meine Webseite besuchen. Mein zweiter Roman wird im November 2014 bei Bookshouse erscheinen und zu den Feuerküssen soll es auf Lovelybooks Anfang Juni eine Leserunde geben.

Hinter den Kulissen: Transformation

Wir alle kennen das Märchen vom hässlichen Entlein, dass sich schlussendlich in einen wunderschönen Schwan verwandelt, und sicher wissen die meisten von uns, dass dies auch eine aufs Leben übertragbare Metapher ist, die inzwischen zwar sehr klischeehaft klingt, aber immer noch etwas Wahres in sich birgt.
Ich habe diese Erfahrung am eigenen Leib erlebt. Nein, nicht wirklich, aber mein Projekt. Begonnen hat alles als Thriller. Ein bösartiger Mörder, der sein Unwesen treibt. Ein Held, mit heldenhaften Kräften, der unter Verdacht gerät. Eine Frau, die zeigt, dass Haare auf den Zähnen besser sind als Haare auf den Beinen. Alles zusammen in einen Topf geworfen mit fantastischen Elementen schien es mir das perfekte Zusammenspiel. Nur leider sahen es andere anders. Wie saures Bier bot ich das Manuskript an. Entweder war es „gerade nicht am Zahn der Zeit“, zu „fantasylastig“ oder „mein Gott, Steampunk will heutzutage ja nun wirklich niemand lesen“. Kurzum, ich war gefrustet. Mein Herz hing an diesem Projekt und so stand ich vor der Wahl: einmotten oder selbst veröffentlichen. Für letzteres, das stand relativ schnell fest, habe ich weder die Zeit noch die Mittel und für ersteres tat es mir besonders weh. Aber gut, dachte ich mir, in einer warmen Schublade kann dem Manuskript nichts passieren und irgendwann kommt der Tag, an dem es ein Zuhause findet.
Über eine Freundin bekam ich die Empfehlung zu einem Verlag, der sich auf Romantik spezialisiert hatte. Ich besah mir die Seite, fand, dass der Verlag sich sehr viel Mühe gegeben hat mit Gestaltung und Auswahl des Programms, zudem war ich von den Covern mehr als begeistert. Nach einem kurzen Disput mit einer befreundeten Autorin darüber, ob ich mich bewerben soll oder nicht, tat ich es kurzerhand mit eben jenem Projekt, das mehr Thrill als Love war.
Glaubt mir, das Herz sackte mir in die Hose und tiefer, als schon am nächsten Tag die Bitte kam, doch das Gesamtmanuskript einzureichen. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Die Verlegerin entpuppte sich als liebenswerte Persönlichkeit, die sich auch darauf verstand ein missverstandenes Ego wie das meine zu streicheln und wir versuchten es miteinander.
Zugegeben, einen Thriller in einen Liebesroman zu verwandeln, ist in etwa so einfach wie Atome mit der bloßen Hand zu spalten (he, ich bin nicht Chuck Norris!), aber wir gingen es an. Erst die Lektorin, die mir alles, was nicht in einen Liebesroman gehört, rigoros gestrichen hat, dann ich, die all diese Kommentare, Änderungen und Streichungen erst einmal verdauen musste.
Da waren sie, meine schlimmsten Befürchtungen. Mein geliebtes Manuskript, zerschnippelt, geschunden und am Boden. (Okay, ich bin melodramatisch, aber so hat es sich angefühlt. Isch schwör, ey!) Doch es half ja nichts. Vertrag ist Vertrag, und Helen musste ran.
Ich merkte schnell, dass es nicht ging, erst einmal die „leichten“ Änderungen herauszupicken. Zu viel baute aufeinander auf und bei einigen Dingen hatte ich echt Bauchschmerzen. Trotzdem biss ich mich durch. Meine Freunde und die Betas, die das Urprojekt kannten, mussten sich mein Gejammer anhören, mein Mann durfte die eine oder andere Tränen trocknen. Gut, es kamen noch berufliche Stolpersteine und andere Buchquerelen dazwischen, die mich weiter runterzogen. Aber ich wollte – auch mir selbst – beweisen, dass ich professionell sein kann.
Mit Geduld, sehr viel Geduld, Überzeugungskraft – und noch mehr Geduld schubste mich die Lektorin, wann immer ich mich wie ein bockiges Kleinkind verhielt. Mit Erfolg. Ich kam voran. Schritt für Schritt und meinem Ziel immer näher.
Nach dieser Etappe dann kam der Moment zu prüfen, was ich da jetzt aus den Anmerkungen gemacht hatte. Bereinigt und auf den Ebookreader geschoben, fing ich an zu lesen und … wurde überrascht.
Mein hässliches Entlein war zu einem wunderschönen Schwan geworden. Nicht mehr ganz das, was ich ursprünglich für ihn geplant hatte, aber immer noch ein sehr guter Roman.
Allein dafür muss ich schon der Lektorin dankbar sein, wenn ich es für die Chance nicht ohnehin schon wäre.
Es folgt jetzt noch ein kurzer Beta-Durchgang und ein weiteres Lektorat, das hoffentlich nicht mehr ganz so umfangreich sein wird und der Rest ist danach Lesersache.
Bis Dezember ist es noch eine Weile hin, aber ich hoffe, das Buch kommt an – als so schwere Geburt hat es das auf jeden Fall verdient.