Archiv für den Monat: Juli 2014

Hinter den Kulissen: Gedanken einer Autorin zum Krieg

Um ehrlich zu sein, ich ertrage es kaum noch. Tagtäglich sehe ich Bilder, die ich nicht sehen will und die ich nicht verstehen kann: Mord, Gewalt und Krieg. Gerade gestern erst sagte ich zu meinem Mann, dass ich von einem Sommerloch in den Nachrichten gar nichts mitbekomme, denn die Themen, die da über die Mattscheibe flackern sind brisant und sie tun mir weh. All das Elend und Leid …
Ich habe keinerlei Bezug zu den Ländern, die sich derzeit im Krieg befinden. Ich bin Pazifistin, obwohl ich mich gedanklich und schriftlich schon oft genug mit Mord und Krieg auseinandergesetzt habe. Aber auch dem Dümmsten sollte bei diesem Anblick klar werden, dass etwas grundsätzlich schief läuft in unserer Welt.
Wenn ich diese Dramen aus Autorensicht betrachte, wird mir jedoch auf erschreckende Weise klar, dass einige von uns, deren Helden ebenfalls Kriege und Gewalt erleben, auf einem schmalen Grat wandern.
Krieg und Gewalt sind nicht romantisch, auch wenn das oft genug der Tenor ist. Der Held kämpft immer fair, während der Bösewicht tief in die Trickkiste greift. Trotzdem sind am Ende alle glücklich, weil das Gute triumphiert. Im wahren Leben jedoch sind da Hinterbliebene, die mit der Trauer fertig werden müssen, deren Gedanken bei jenen sind, denen Gewalt angetan, die getötet wurden. Und beide Seiten halten sich für die jeweils Guten und den anderen für das Böse. Wer trifft diese Entscheidung, wer fragt die Bevölkerung, die in Angst und Not ertragen muss, was ein paar Machthungrige hinter verschlossenen Türen beschließen?
So gerne ich Bücher lese, in denen um das Recht auf Freiheit oder um die Liebe oder was auch immer gekämpft wird, so bewusst sehe ich die Schattenseite davon im wahren Leben.
Mir wurde als Autorin fantastischer Romane oft genug vorgeworfen, meine Geschichten haben nichts mit der Realität zu tun. Gleichwohl möchte ich dem entgegnen, dass ich durchaus gesellschaftskritisch darin sein kann. Ob der Leser die versteckten Hinweise nun findet und erkennt, liegt wohl auch daran, inwieweit sich der- oder diejenige für sein Umfeld und Details interessiert.
Natürlich versuche ich den erhobenen Zeigefinger zu vermeiden. Aber wenn ich über Krieg schreibe, dann auch, dass es Tote gibt – sogar unter den Sympathieträgern und auch, dass die Hinterbliebenen diese nicht nach zwei Seiten vergessen. Ich kann mitnichten begreifen oder wiedergeben, wie sich die Bevölkerung eines Landes nach einem Angriff tatsächlich fühlt. Dazu sehe ich mich außerstande, denn ich genieße den Luxus in einem Land zu leben, in der Krieg keine große Rolle mehr spielt. Die Orte, an denen gebombt wird, erscheinen mir zu weit weg. Ein Blick auf die Weltkarte würde genügen, um zu sehen, dass sooo weit dann doch nicht stimmt. Deshalb kann ich nur das wiedergeben, was ich vielleicht fühlen würde, wenn mir so etwas zustieße und dennoch bleibt es ein leidlich winziger Tropfen dessen, was möglich ist.
Eines jedoch kann ich nach allem, was ich insbesondere in jüngster Zeit sehen musste, ob nun übertrieben dargestellt und gar nicht wahr (wie Kritiker behaupten) oder real, für mich sagen: Ich werde jetzt noch sensibler mit diesem Thema umgehen, auch im Hinblick darauf, dass nicht nur Bilder im Fernsehen abstumpfen, Gewalt in Romanen kann ebenso dazu führen.

Nach all diesen Gedanken bleibt immer noch die Frage, warum es die Menschheit nicht einfach schafft, endlich Frieden zu halten? Und die Erkenntnis, dass Hoffnung nicht so leicht auszumerzen ist, wie mancher Krieg vielleicht glauben macht … Meine Gedanken sind bei all jenen Familien, denen zur Zeit Schlimmes widerfährt.

Bis ins Herz der Ewigkeit von Alana Falk – Wenn der Tod so nahe ist …

Auch für „Bis ins Herz der Ewigkeit“ musste ich mir etwas mehr Zeit lassen. Anders als bei Anika Beers „Wenn die Nacht in Scherben fällt„, halte ich hier die Zielgruppe für deutlich älter. Alana Falk spielt mit den Emotionen des Lesers, was ebenfalls der Grund dafür war, weswegen ich das Buch erst einmal sacken lassen musste.

Erschienen ist der Roman bei Impress. Leider gibt es ihn nur als Ebook, denn ich hätte gerne eine gedruckte Fassung für mein Buchregal, aber wer weiß, vielleicht kommt das irgendwann noch. Das Ebook kostet derzeit 3,99€.

Klappentext:

„Hamburg im Jahre 1888. Die siebzehnjährige Kaufmannstochter Sarah weiß, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Längst hat sie sich damit abgefunden und fügt sich bereitwillig den Anweisungen ihres Vaters, sich zu schonen und den Familiensitz niemals zu verlassen. Doch dann begegnet sie Jan, dem Sohn der Schneiderin, der eine geheimnisvolle magische Gabe besitzt und einen längst verloren geglaubten Wunsch in ihr weckt: den Wunsch, ihrem Schicksal zu entkommen. Mit Sarahs Gefühlen für Jan wächst auch ihr Wille, um ihr Leben zu kämpfen. Aber die Zeit drängt und schon bald beginnt Sarah zu verstehen, dass es für die Erfüllung ihres Wunsches mehr braucht als bloße Magie… „

Cover:

Wir sehen eine junge Frau vor dem Hintergrund eines rosa eingefärbten Gebäudes. Gleichfarbige Ranken rahmen den oberen Teil des Covers ein. Für mich wirkt das Cover zwar der Zeit entsprechend, aber für die Zielgruppe viel zu nichtssagend. Mir persönlich gefällt es gut. [Da ich keine Rechte am Bild habe und mir das Cover (noch) nicht zur Verfügung gestellt wurde, verzichte ich darauf, werde es aber nachpflegen, sofern die Autorin oder der Verlag mir das Bild zukommen lassen. Wer es sich ansehen will, darf gerne hier entlang gehen.]

Handlung:

Sarah ist todkrank, trotzdem rebelliert sie gegen das strenge Regiment ihres Vaters, der sie eigentlich ja nur beschützen will. Unter der Aufsicht ihrer Mutter begegnet ihr der Schneidersohn Jan, der sie vom ersten Augenblick an fasziniert. Als Jan ihr dann anbietet, ihr bei einer Schiene zu helfen, die es Sarahs Onkel ermöglichen soll, wieder zuzugreifen, sagt sie ja.

Die beiden kommen sich näher und eine zarte Liebe entwickelt sich, die jedoch keine Chance auf Bestand hat. Trotz aller Sorgen um die Zukunft weigert sich Sarah, Jan die Wahrheit zu sagen, auch aus Angst, ihn zu verlieren, ehe sie stirbt.

Als es dann doch ans Tageslicht kommt, fühlt Jan sich zugegebenermaßen verraten. Aber anstatt Sarah zu verlassen, will er seine Gabe einsetzen, um sie zu retten. Er stickt Worte auf ein Tuch, die sie für immer an ihn binden sollen.

Doch Sarah stirbt und es scheint beinahe so, als wäre dies das Ende, doch dann hört Jan am Grab seiner Geliebten ihre Stimme, nachdem er das Gedicht aufgesagt hat, das er in das Tuch gestickt hat.

Mehr möchte ich nicht verraten, denn eigentlich ist das schon viel zu viel.

Meinung:

Alana Falk ist eine Autorin, der ich eine steile Karriere voraussage. Neben „Die blutroten Schuhe“ ist „Bis ins Herz der Ewigkeit“ ein Roman, der mich tief bewegt hat. Er ist nichts für Menschen, die ihre Gefühle nicht zeigen können, denn ich habe beim Lesen in den öffentlichen Verkehrsmitteln Rotz und Wasser geheult. Dabei schreibt Falk keinesfalls kitschig oder übertrieben klischeehaft. Die Szenen sind so einfühlsam gestrickt und miteinander verwoben (obwohl es Rückblicke gibt), dass man gar nicht anders kann, als sich tragen zu lassen.

Es ist schön zu lesen, dass Fantasy nicht gleichbedeutend mit exotischen Kreaturen sein muss. Besonders begeistert war ich von dem kurzen Gedicht, das so wenig Text enthält, aber gleichzeitig so viel aussagt. Ich glaube, wenn ich dieser Tage noch einmal heiraten würde, würde es ins Ehegelübde miteinfließen.

Fazit:

Was soll ich sagen? Sechs Sterne kann ich nicht vergeben, weil es nur fünf gibt. Dennoch finde ich, der Roman ist ein wahres Glanzstück. Ich würde es mir sehr gerne in meine Sammlung an Printexemplaren stellen, aber das ist leider nicht möglich. Aber ich weiß jetzt schon, dass ich das Ebook sicher nicht nur ein einziges Mal lesen werde.

Von mir gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung an alle, die Fantasy mögen, ohne dass Vampire oder Elfen darin vorkommen. Also los, Leute, kaufen. Jetzt!

Meine Bestien haben ein Zuhause!

Dass der Vertrag unterwegs ist, wusste ich schon seit Freitag, gefreut habe ich mich dennoch gestern Abend riesig, als der neue Vertrag des Machandel Verlages für meine „Bestien“ ankam.
Die Bestien gehören neben dem im Dezember erscheinenden Victorian Secrets: Verbotene Sünden (erscheint bei Romance Edition) zu meinen Herzprojekten. Denn als ich sie schrieb, ging es mir (nicht nur gesundheitlich) sehr schlecht.
DSC_0047Exessives True Blood schauen, weil meine Hauptfigur Alexander Skarsgård das optische Vorbild für Deamyan war, und das gute Zureden meiner Autorenfreunde half dabei, den ersten Teil des Romans zu schreiben, der mir mehr Spaß gemacht hat, als alle anderen Projekte zuvor.
Ich war kurz versucht, ihn einer Agentur oder großen Verlagen anzubieten, habe mich jedoch nach reiflicher Überlegung dagegen entschieden. Welche Gründe es waren, werde ich in einem späteren Posting vielleicht einmal erläutern, hierher gehört es gerade nicht.
Charlotte Erpenbeck und ich haben uns bereits über die Details der Veröffentlichung kurzgeschlossen und ich darf schon verraten, dass sich die Leser nicht nur über ein Buch freuen dürfen. Es wird vor dem eigentlichen Erscheinen einen Appetizer geben und auf Teil 1 folgt unter Garantie auch Teil 2, denn der ist ebenfalls schon geschrieben und vom Verlag gelesen und für gut befunden worden.
Wie es weiter geht, erfahrt ihr natürlich hier. Ich freu mich!

Onlineromane – was haltet ihr davon?

Derzeit schießen Online-Romane aus dem Boden wie Pilze. Nicht, dass ich das schlecht finde – im Gegenteil. Sind es doch Lieblingsprojekte von Autoren, die anderswo kein Zuhause finden und so doch noch ihrem eigentlichen Zweck, Leser zu unterhalten, zukommen.
Meine Freundin Tanja Rast hat beispielsweise ihrer Stadt im Schnee so eine wunderbare Plattform geboten oder Tina Alba mit ihrem Fortsetzungsroman Erwählte des Zwielichts. In beiden lese ich gerne. Ich bekomme die Szenen in appetitgerechten Happen verpackt und kann jederzeit die letzte Stelle nachlesen, wenn ich möchte, ohne gleich ein ganzes Buch kaufen zu müssen.
Zudem kann ein Autor testen, wie seine Sprache bei den Lesern ankommt. Im Fall von Tina Alba kein zu unterschätzender Punkt, ist doch geplant, ihren Figuren im nächsten Jahr bei einem Verlag ein Zuhause zu bieten.

Doch was haltet ihr Leser eigentlich davon? Was ist der Grund für euch, einen Onlineroman zu lesen?  Welche grundlegenden Elemente sind euch in Onlineromanen wichtig? Wieso bleibt ihr am Ball, während das Internet eigentlich so schnellebig ist, das viele Dinge gleich wieder in Vergessenheit geraten?

Ich frage nicht von ungefähr. Schon als Tanja Rast mit ihrem Projekt begann, oder nein, viel früher, als Alana Falk die Onlineüberarbeitung ihres Prinz Hakennase startete, reifte in mir eine vage Idee auch einmal so etwas zu probieren. Denn in meiner Schreibtischschublade liegt ein Projekt, das eigentlich grundlegend überarbeitet werden müsste, für das ich aber keine Zeit finde. Dieses Projekt war mit der Grund, meinen aktuellen Schreibstil zu entwickeln. Ich mag die Figuren immer noch und ich mag die Idee, die dahinter steht. Gleichzeitig denke und fürchte ich allerdings, dass die Zeit der Drachengestaltwandler längst vorbei ist, von daher wäre die Entscheidung, einen Onlineroman daraus zu stricken und das Projekt keinem Verlag anzubieten, durchaus eine Überlegung wert. Denn einen großen Vorteil sehe ich darin, dass ich zeitlich nicht zu stark eingebunden wäre, um den Roman nicht neben der eigentlichen Schreiberei hier einzustellen.

Also liebe Freunde des geschriebenen Wortes, lasst mich eure Meinung hierzu wissen. Ich bin schon ganz gespannt!

Interview: Charlotte Erpenbeck (Machandel Verlag)

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Als Autorin des Machandel Verlages möchte ich euch auch einen kleinen Einblick hinter die Kulissen gewähren. Die Verlegerin Charlotte Erpenbeck war so nett, mir dabei zu helfen.

HBK: Hallo, Charlotte. Noch einmal herzlichen Dank, dass du dir Zeit genommen hast. Bitte stell dich doch kurz vor.
CE: Bücher verlege ich im Nebenberuf, wie vermutlich die meisten Inhaber von Kleinverlagen. Im Hauptberuf bin ich Apothekerin, in der sechsten Apotheker-Generation meiner Familie, und habe eine Tochter, die Pharmazie studiert, vermutlich als siebte Generation nach mir die Apotheke weiterführen wird und auf die ich fürchterlich stolz bin.

Ansonsten – ich bin bekennende Büchernärrin, Katzenfreundin und Giftpflanzensammlerin. Am lebenden Beispiel lassen sich diese gefährlichen Schönheiten nun mal am besten identifizieren, wenn Eltern mit unbekannten Blüten und Früchten zu mir in die Apotheke kommen und wissen wollen, ob ihre Kinder das gefahrlos verfrühstücken dürfen.

HBK: Eine Frage, die du sicher häufiger gestellt bekommst: Woher kommt der Name Machandel und wieso hast du dich ausgerechnet dafür entschieden?
CE: Ursprünglich sollte der Verlag Wacholder-Verlag heißen, nach dem großen Wacholderhain nahe meiner Heimatstadt Haselünne. Eine kurze Recherche im Internet ergab leider, dass es bereits einen Wacholder-Verlag gab. Da bin ich auf die plattdeutsche Variante ausgewichen, frei nach dem Märchen von dem Machandelboom der Brüder Grimm, das mich schon als Kind fasziniert hat. Es ist ein sehr grausames Märchen, überhaupt nichts für Kinder. Vermutlich aber fand ich es genau deswegen so faszinierend. Ich spreche übrigens kein Plattdeutsch, aber verstehen kann ich es ausreichend.

HBK: Machandel ist wie der Verlag Torsten Low ein Kleinverlag. Doch anders als bei Low hast du ein deutlich gemischteres Programm. Wie kam das zustande und wird das so weitergehen?

Teil III der Krimireihe von Rita Janaczek

Teil III der Krimireihe von Rita Janaczek

CE: Das Programm ist wirklich ein ziemlicher Gemischtwarenladen. Das hat seinen Grund im Ursprung des Verlages. Bevor es den Verlag gab, habe ich Bücher repariert und gebunden. Aus dieser Zeit stammt mein Faible für Künstlerbücher und Miniaturbücher. Dann habe ich anlässlich einer Ausstellung mit alten Fotos in meiner Heimatstadt mein erstes Buch verlegt,  „Haselünner Frauen“, und dazu zwecks sauberer Abgrenzung von der Apotheke den Verlag gegründet. Daraus wuchs die zweite Sparte, Lokalhistorie. Aus meiner Vereinsarbeit im örtlichen Mütterzentrum entstand danach das erste Kinderbuch. Und dort traf ich auch auf  Rita Janaczek, die ihren ersten Krimi von mir verlegen lassen wollte.

Die Fantasy kam anlässlich der Pleite des Intrag-Verlages dazu, wo ich eine Geschichte veröffentlichen wollte und plötzlich eine Autorin ohne Verlag war. Auf der Suche nach Leidensgenossen stieß ich auf den Tintenzirkel. Und bereits nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass Fantasyromane meine Lieblings-Verlagsbücher werden würden. Kunststück, bei so vielen fähigen Autoren, auf die ich da gestoßen war!

In der Zukunft wird der Schwerpunkt des Verlages daher sehr viel eindeutiger bei der Fantasy liegen.

HBK: Wie andere Kleinverleger auch hast du einen Brotjob und Familie. Gleichzeitig weiß ich, dass du auch noch selbst schreibst und im Tintenzirkel aktiv bist. Wie schaffst du es, das alles unter einen Hut zu bringen? Denn soweit ich weiß, ist Machandel bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Korrektorat) ein Ein-Frau-Betrieb.
CE: Hm, ja, Multitasking? Sollen wir Frauen ja können. Ich vermute aber, es liegt eher daran, dass ich unheimlich schnell lesen kann, eine blühende Fantasie habe und abends sehr lange auf bin. Nachteule von Beruf, sozusagen. Zudem sind da noch die bei uns relativ ruhigen Nachtdienste, die sich ideal für Lektoratsarbeit eignen.

HBK: Du machst – vermutlich aus Kostengründen –  den Großteil der Cover selbst. Was sagst du zu den Kritiken, die hier und da hochkommen, dass diese hässlich wären bzw. unprofessionell?
CE: Was soll ich dazu sagen? Kostengründe stimmt natürlich – klar, ich bin keine Künstlerin im klassischen Sinn, es gibt sicher dutzende von Leuten, die das viel, viel besser können als ich. Nur dass ich sie als Kleinverlag einfach nicht bezahlen kann. Und diejenigen, die ich bezahlen kann, da möchte ich mal behaupten, dass ich in vielen Fällen genauso gut bin wie die. Immerhin verkaufe ich (meist unter anderem Namen) bei mehreren internationalen Stockphoto-Agenturen Fotos und Vektorgrafiken. Ganz so unprofessionell sind meine Bilder dann wahrscheinlich doch nicht.

Hässlich – nun ja, Geschmäcker sind verschieden. Ich kann mit den Bildern leben, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Abgesehen davon sieht ein Verlag nicht unbedingt primär auf Schönheit des Titelbildes, sondern darauf, dass es eine bestimmte Stimmung verkauft, relativ Genre-typisch ist und möglichst bei Amazon als Thumbnail noch etwas erkennen lässt.

Wenn die Leser das geändert haben möchten, gibt es eine ganz einfache Lösung: Kauft ganz viele Bücher aus meinem Verlag! Dann kann ich mir auch professionelle Künstler leisten!

HBK: Sehr gute Einstellung! 😉 Seit einigen Jahren erscheint einmal jährlich eine Märchen Anthologie bei dir. Wie bist du darauf gekommen? Und warum ausgerechnet Märchen? Wie lange soll die Reihe noch gehen? Grimm, Andersen und in diesem Jahr Möbius sind abgedeckt. Nächstes Jahr sollen russische Märchen erscheinen. Was kommt als nächstes?

Anthologie Andersens Märchen Update 1.1

Anthologie Andersens Märchen Update 1.1

CE: Die Märchen-Reihe wird mindestens ein Dutzend Bücher umfassen. Sie ist so konzipiert, dass immer abwechselnd eine deutsche bzw. eine Märchensammlung anderer Nationen als Vorlage dient. Aus dieser Vorlage werden dann von verschiedenen Autoren moderne Kurzgeschichten geschrieben. Märchen als Krimis, Märchen als Fantasy, Märchen als reale Lebensgeschichten, Fortsetzungen bekannter Märchen, Märchen mit alternativen Enden usw. Bislang haben wir Grimm – deutsch, Andersen – dänisch, Musäus – deutsch, in Arbeit sind russische Volksmärchen, danach kommt wieder eine deutsche Märchensammlung, außerdem liebäugele ich noch mit lateinamerikanischen Märchen, japanischen Märchen, irischen Märchen … Ich hoffe auf eine bunte, interessante Märchenreihe.

HBK: Du bekommst sicher sehr viele Manuskripte unaufgefordert eingereicht; und ich weiß, dass du (abgesehen von Bestandsautoren) derzeit einen Annahmestopp hast. Aber womit könnte dich dennoch ein Autor überzeugen, dass du eine Ausnahme machst?
CE: Ein bisschen Magie reicht schon. :-)

Um genau zu sein, besagter Autor sollte Fantasy oder Krimis schreiben, die gut genug sind, um mich auf Anhieb zu fesseln. Wenn ich ein Manuskript in zwei oder drei Abenden durchlese (manchmal auch an einem Abend), weil ich einfach wissen will, wie es weitergeht, dann hat der Autor mich geködert, dann möchte ich es unbedingt verlegen. Es ist also ein rein persönliches Kriterium. Die Geschichte muss mir nur wirklich gut gefallen.

HBK: Verrate mir doch mal, ohne Namen zu nennen, wie die schlimmste Bewerbung aussah. Du hast da sicher schon so einiges erlebt, oder?
CE: Allerdings. Die schlimmste Bewerbung war ein heftig erotischer Text in beinahe Gossenniveau auf einem Papier, dass so intensiv nach Qualm roch, dass ich das Gefühl hatte, in einer verräucherten Kneipe zu sitzen.

HBK: Urgs, wirklich eine unappetitliche Vorstellung. :S Wenn du könntest, welchen Autor würdest du gerne unter Vertrag nehmen und warum?
CE: Kim Harrison. Ihre „The Hollows“-Serie (Urban Fantasy) mit Hexen, Vampiren, Werwölfen, Dämonen und bösartigen Elfen finde ich überaus reizvoll und sehr gut im Weltenbau. Zudem ist sie spannend und hat ständig neue Entwicklungen zu bieten, also genau das, was ich mag.

HBK: Der Machandel Verlag feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum. Teil doch deine schönsten und deine schlimmsten Momente in ein paar Sätzen mit uns.
CE: Schlimmste Momente gibt es viele. Und zwar meist, wenn ich merke, dass ich aus irgendwelchen Gründen meinen Zeitplan nicht schaffe. Ich habe dann immer das Gefühl, meine Autoren schwer zu enttäuschen.

Meine schönsten Momente: Das sind klar die zwei Male, die ich bereits einen Verlagsstand auf der Leipziger Messe hatte – Buchmessen sind zwar ordentlich Arbeit, machen aber total Spaß –, und natürlich jener erste Monat mit „Höllenjob für einen Dämon“, als das Buch sich verkaufte und verkaufte und verkaufte und ich genauso fassungslos wie du, Helen, auf die Verkaufszahlen starrte. [Anm. der Redaktion: Ich habe Charlotte nicht für diese Aussage bezahlt. Ehrlich nicht! :) ]

HBK: Und weil ich ganz schrecklich neugierig bin: Welches Buch kommt als nächstes bei Machandel heraus?
CE: Welche Sparte? :-)

In der Abteilung Geschichte beispielsweise wartet ein Tagebuch aus dem ersten Weltkrieg auf sein Erscheinen, und auch ein Krimi und ein Sachbuch sind kurz vor der Fertigstellung.

Aber deine Leser interessieren sich sicher mehr dafür, welches Fantasy-Buch als nächstes herauskommt. Der Silberwolf, ein Jugend-Fantasybuch oder All-Ager, ist mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit das nächste Buch.

HBK: Liebe Charlotte, auch für mich waren da ein paar neue Erkenntnisse unter deinen Antworten und es hat mich außerordentlich gefreut, dich mit Fragen löchern zu dürfen. Jetzt darfst du gerne noch ein paar Worte direkt an meine Leser richten oder auch ganz schamlos Werbung machen.
CE: Dann möchte ich allen deinen Lesern sagen, dass sie spätestens im Oktober unbedingt auf unsere Webseite kommen sollen. Bis dahin werden nicht nur unsere Neuerscheinungen für dieses Jahr fast alle erschienen sein (mit Ausnahme der Märchen-Anthologie, die Anfang Dezember erscheinen soll), sondern es werden voraussichtlich auch alle unsere Fantasy-Titel komplett als Ebooks online sein, sowohl bei Amazon als auch im iBookstore, bei Thalia, Weltbild, txtr usw., also in allen wichtigen Ebook-Formaten und Shops. Die ersten Titel bieten wir jetzt schon in mehreren Shops an, alle sauber von der Verlagswebseite aus verlinkt.

Von links nach rechts: Tina Alba: Nachtjägerherz Horst Berger: Bennis Schwur D. Fries: Chroniken des LIchts 2 Angelika Diehm: Das grüne Tuch

Von links nach rechts:
Tina Alba: Nachtjägerherz
Horst Berger: Bennis Schwur
D. Fries: Chroniken des Lichts 2: Und der Spaß geht in Venedig weiter
Angelika Diehm: Vollstrecker der Königin – Das grüne Tuch

Ich wünsche allen unseren Lesern, dass sie an den Büchern, egal ob gedruckt oder elektronisch, genauso viel Spaß haben werden wie ich!

P.S.: Ebooks eignen sich perfekt für die Urlaubslektüre – und gedruckte Bücher sind nicht nur schön für das eigene Regal, sondern auch gute Geschenke!

Hinter den Kulissen: Die Helfer im Hintergrund

Wie in meinem Beitrag zu den Sidekicks schon erwähnt, funktionieren gerade im Bereich der Satire Figuren oft besser, wenn man ihnen einen Helfer zur Seite stellt, der sie größer, besser, strahlender oder unter Umständen auch dümmer dastehen lässt.
Dieses System lässt sich auch auf das reale Leben übertragen. Insbesondere auf die Tätigkeit als Autor. Wir sind sensible Seelchen, die leicht aus der Fassung gebracht werden können. Ein hängender Plot kann uns dermaßen aus der Bahn werfen, dass wir in Depressionen verfallen, unser Projekt hassen und alles hinschmeißen wollen.
Im Idealfall helfen Freunde und Familie, Ablenkung oder auch ein Spaziergang. Aber oft genug reicht nicht einmal das aus. Wir brauchen Antreiber. Ich meine das nicht im negativen Sinne. Wir brauchen einfach jemand, der uns hilft, aus unserem Schreibtief herauszukommen. Das kann durch Ermutigung, verbale Streicheleinheiten, Komplimente, aber auch durch Tritte, Schreie und verbale Schläge erfolgen.
Mir gefällt die Vorstellung, dass Autoren wie Boxer sind. Sie kämpfen, schlagen sich wacker, aber irgendwann kommt der Moment, in dem sie über das Aufgeben nachdenken. Die Augen sind zugeschwollen, die Nerven liegen blank und die Kräfte lassen nach. In der Ecke steht jedoch der Trainer. Er hat das Handtuch in der Hand. Er könnte es werfen, tut es aber nicht. Stattdessen brüllt er den Boxer an, motiviert ihn – je nachdem, was er denkt, das hilft, schreit oder lobt er. Ein Projektpate ist der Autorentrainer. Er ist da. Am Ende einer schwierigen Szene sagt er: Gut gemacht. Oder das Gegenteil. Je nachdem.
Aber was das Wichtigste ist: Er fängt den Autor auf, wenn er zu straucheln droht. Projektpaten sind etwas Wunderbares und ich möchte sie nicht mehr missen. Ohne Projektpaten wären einige meiner Ideen niemals geschrieben worden.
Ich habe derzeit eine wunderbar, kritische Projektpatin, die einen gekonnten rechten Haken schwingt und ohne die ich überhaupt nicht weiterkäme. Daher einfach mal: Danke!