Archiv für den Monat: Oktober 2014

Hinter den Kulissen: Wenn man sich selbst den Weg verrammelt

MauerEs gibt fast nichts Schöneres, als sich an den PC oder Laptop zu setzen, sein Dokument zu öffnen und es flutscht einfach. Ohne nachzudenken, taucht man ein in den Tunnel der Ideen und schreibt, bist die Finger qualmen. Wenn am Ende dann auch ein hervorragender (und vor dem inneren Lektor bestehender) Text herauskommt, umso besser.
Was jedoch, wenn man nach zehn geschriebenen Seiten, einer wunderbar ausgearbeiteten Szene mit tollen Effekten plötzlich feststellt, dass man Murks gebaut hat? Dass man sich selbst in eine Ecke manövriert hat, aus der es ohne fremde Hilfe kein Entkommen gibt?
So geschehen gestern bzw. vorgestern. Ich schrieb ein Kapitel zuende und startete ein neues. Um es zu überarbeiten, nahm ich mir einen Ausdruck mit in den Zug. Der Text war nicht schlecht, eigentlich sogar ganz gut, aber dann traf es mich. Ich hatte einen Weg beschritten, der in einer Sackgasse endete! Meine Figuren haben einen fulminanten Start hingelegt. Es gab viel Blut, eine Tote, einen Schwerverletzten und reichlich Emotionen. Dummerweise ignorierte ich völlig, dass die Tote dadurch zu einem Schlüsselelement werden könnte. Ihr Tod würde unausweichlich einen Krieg nach sich ziehen. Fatal, denn der Roman ist ein Prequel, die eigentliche Geschichte schon erzählt – und darin lebten die Angehörigen der Toten mit den übrigen Figuren in Eintracht … bis zu einem gewissen Punkt, aber das ist ein anderes Thema.
Was tun? sprach Zeus und furzte Blitze. Fragezeichen
Ich bat sogleich meine beiden Freundinnen Tanja Rast und Sarah König um Rat, die mir schon manches Mal den Poppes gerettet haben. Ihre Ideen klangen zwar toll, ließen sich aber entweder nicht mit dem Setting in Einklang bringen, weil die Vorraussetzungen falsch waren, oder es fehlte auch hierfür eine logische Erklärung.
Schweren Herzen wollte ich mich schon abfinden, diese grandiose Szene zu löschen, als mich einer von Zeus Blitzen traf. Ich änderte einfach die Voraussetzungen. Indem ich den Handlungsort verlegte, gelang es mir, jene Optionen zu umgehen, die den Krieg ausgelöst hätten. Eigentlich simpel, aber der Weg dorthin war nicht gerade einfach.

Jetzt bin ich erleichtert. Das Schreckensmonster ist gebannt, aber dennoch fürchte ich, habe ich jetzt das eine oder andere graue Haar mehr.

Hinter den Kulissen: Frischer Wind unter den Flügeln

Autor sein heißt, nicht nur Spaß zu haben. Autor sein heißt auch an sich zu arbeiten. Autor sein heißt, hin und wieder auch die Zähne zusammenzubeißen, sich allen Widrigkeiten zum Trotz durch seinen Plot zu kämpfen, um am Ende ein Buch abzuliefern, dass nicht nur dem Autor selbst, sondern vor allem auch den Lesern gefällt.
Mit dieser Einstellung habe ich fast das gesamte letzte Jahr zugebracht. Es war viel zu tun. Ein Roman musste umgeschrieben werden, ein anderer korrigiert und ein dritter neu geplottet werden. Dazu kamen die noch einem gewissen Verlag versprochenen Novellen, die ich bis spätestens Januar unter Dach und Fach haben wollte.
Schon weit nach Beendigung der zweiten Pflichtarbeit war bei mir die Luft raus. Ich hatte keine Lust mehr auf das, was eigentlich mein liebstes Hobby war: das Schreiben.
Dennoch musste ich mich an die Verträge halten, denn aufschieben ist etwas, das ich nur ungern tue, denn ich weiß, je länger ich zögere, desto schneller läuft die Zeit und am Ende bin ich es, die den Stress hat.
Ironischerweise ist es ausgerechnet ein Fortsetzungsprojekt (meine beiden Bestien-Novellen), dass schon in der letzten Woche geschafft hat, dass ich mit einem breiten Grinsen durch die Gegend renne. Es ist alles wieder da. Die Lust zu schreiben, der Ideenreichtum, die Spannung, die mich erfasst, wenn ich von irgendwoher erfahre, was meine Figuren tun werden. Ich fühle das langvermisste Kribbeln in den Fingerspitzen, das mich nachts im Bett dazu bringt, mit den Fingern zu zucken, als würde ich schreiben. Ich fühle die Gänsehaut, wenn ich mir im Kopf ausmale, was meinen Figuren noch wiederfahren muss, damit die Geschichte rund wird. Eine Idee jagt die nächste und ich weiß, auch wenn es mich wieder Anstrengung kosten wird, die Geschichte aufzuschreiben, sie wird rund.
PunktlandungUnser Gehirn spielt manchmal schon seltsame Streiche, wenn es mir genau jetzt, da ich diesen Motivationsschub benötige, exakt das an die Hand gibt, was ich brauche. So stehe ich jetzt bei einem Skript, das am Ende 44.000 Wörter haben soll, schon weit über 17.000 Wörtern. Als ich gestern eine Pause machte, stoppte ich genau bei diesen 17.000 Wörtern. Ich habe noch zwei Wochen, bis ich die zweite Novelle in Angriff nehmen möchte. Ist das machbar? Absolut. Werde ich Spaß dabei haben? Auf jeden Fall, denn wenn ich jetzt schon in den öffentlichen Verkehrsmitteln grenzdebil vor mich hin grinse, weil ich genau weiß, was mit meinen Figuren passieren soll, dann kann es nur gut enden.
Trotzdem – oder gerade weil – es gerade so gut läuft, werde ich mich dezent zurückhalten. Wenn ich bis Jahresende nicht fertig werde, ist das auch egal. Ich will mir mein momentanes Hochgefühl nicht durch Eigendruck zunichtemachen. Ich werde das Schreiben dieser Novellen genießen. Ich werde meine Bestien quälen. Ich werde wunderbare Sexszenen schreiben und ich werde zufrieden sein, wenn am Ende jeweils genau das da steht: Ende.

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BuCon Dreieich: Ein wunderbares Erlebnis

Berichte über den BuCon gibt es viele und Bilder vermutlich noch mehr. Ich werde es diesmal relativ kurz halten – wer mich kennt, weiß, dass das etwas besonderes ist.
Mein BuCon-Wochenende begann bereits am Freitag mit großem Chaos. Meine Hausgäste Tanja Rast und Sarah König standen bereits frühzeitig im Stau. Wenigstens die gute Malinche konnte fast pünktlich am Bahnhof eingesammelt werden.
Abends ging es dann in entspannter Runde zum Italiener. Eine schon dreijährige Tradition, die ich nicht missen mag. Es wurde viel gelacht, viel geredet und sich schon einmal geistig auf den BuCon-Tag eingestimmt.
Dieser begann nach einem kleinen Frühstück. Wir erreichten Dreieich rasch und fanden uns sogleich von vielen Tintenzirklern umringt. Es wurde geknuddelt, gelacht und Blödsinn geredet. Dann ging es schnell zu den ersten Lesungen.
Romy Wolf mit ihrem Debüt Roman verzauberte, obwohl es eine Premiere auch in Sachen Lesung war. Malinche aka Sabrina Zeleny erfreute uns zusammen mit ihrer Verlegerin mit den „Kondorkindern“ und danach nagte auch schon die Nervosität an mir.

Freundlicherweise von Jürgen und Petra Schmidt zur Verfügung gestellt.

Alle Bilder wurden freundlicherweise von Jürgen und Petra Schmidt zur Verfügung gestellt.

Meine eigene Lesung rückte immer näher. Die Angebote, mich mit Schnaps zu beruhigen lehnte ich zugunsten einer leichten Zunge ab. Leider wurde der Saal nicht wirklich pünktlich frei und dann schien auch noch die Sonne auf den Lesetisch, so dass wir die Jalousien herunterlassen musste, bis es schließlich zappenduster war.
Nichtsdestotrotz war die Lesung wunderbar. Der Saal war fast voll, die Zuhörer haben an den richtigen Stellen gelacht und von irgendwo hörte ich ein „Schatz, die Bücher kaufen wir aber jetzt nicht alle auf einmal“, was mir zeigte, dass sich die Nervosität doch gelohnt hat.
Ich danke allen Zuhörern, den Organisatoren des BuCon und meiner Verlegerin für diesen tollen Tag.