Archiv für den Monat: Juli 2015

Hinter den Kulissen: Autorin schockiert Leserin

 

Es könnte lustig sein, wenn es nicht eigentlich traurig wäre.

Vor zwei Wochen bekam ich via Facebook eine Nachricht, in der eine Leserin sich vielmals bei mir entschuldigte, dass sie mich störe, aber sie wolle noch einige Fragen zu meinem Roman beantwortet wissen. Da für mich die Leser das Wichtigste an der Schreiberei sind, habe ich mir natürlich die Zeit genommen, die Fragen zu beantworten. Allerdings wunderte ich mich über die verzagte Anfrage, sagte aber dazu nichts. Die Leserin war zufrieden, aber sichtlich überrascht über meine so freundliche Reaktion.
Letzte Woche erhielt ich eine ähnliche Anfrage. Wieder nahm ich mir die Zeit, die Fragen der Leserin zu beantworten – unabhängig davon, dass sie Bloggerin ist. In erster Linie ist sie Leserin und wenn sie etwas nicht verstanden oder vermeintlich überlesen hat, bin ich natürlich gewillt, zu helfen. Mit dieser Leserin blieb ich ein bisschen länger in Kontakt und wir unterhielten uns über genau jenes Thema: Autoren, die gerne überall beworben werden wollen, aber wenn es um ein oder zwei Fragen geht, sofort abblocken und ihre nicht vorhandene Zeit vorschieben.

Das Gespräch hat mich nachdenklich gemacht. Ich mag vielleicht als Kleinverlagsautorin nicht ganz so sehr viel Druck haben wie ein Bestseller-Autor, aber trotzdem gehören für mich Fanbriefe, Fragen etc. doch zum „Job“ mit dazu. Und ja, ich leide auch unter chronischem Zeitmangel, trotzdem nehme ich mir die Minuten, um für potenzielle oder vorhandene Fans da zu sein. Für mich bedeutet das, höflich zu sein. In anderen Branchen nennt man das Kundenbindung.

Ich erinnere mich noch daran, als junges Mädchen meinem Schauspielerschwarm einen Brief geschrieben und um ein Autogramm gebeten zu haben. Klar, kam das von der Pressestelle, aber ich bekam eine Antwort. Ich wurde nicht abgebügelt aufgrund von Zeitmangel. Logisch, dass ich diesem Star weiter die Stange hielt. Genauso geht es doch den Lesern, die ein wenig Aufmerksamkeit von uns erfahren. Man kommt ins Gespräch, hört vielleicht sogar raus, was sich der besagte Leser vom nächsten Projekt erhofft, kann ein bisschen neugierig machen und im besten Fall einen Fan für die noch kommenden Bücher gewinnen.

Breche ich mir dadurch einen Zacken aus der Krone? Nein! Denn ohne solche Leser, die später vielleicht ihrem besten Freund/ihrer besten Freundin erzählen: „Du, ich hab mich da neulich mit der Autorin xyz über Gott und die Welt unterhalten – die war sooo nett!“ hätte ich gar kein Krönchen, aus dem ein Zacken fallen kann.
Ein weiterer – für mich sehr persönlicher Aspekt – ist, dass ich mich geschmeichelt fühle. Es gibt so viele Menschen auf dieser Welt, die sich nicht einmal zu telefonieren trauen. Wenn sich also der eine oder andere dazu durchringt, mich anzuschreiben, bedeutet mir das sehr, sehr viel. Es zeigt mir, dass ich als Autor auch eine gewisse Wertschätzung erfahre, die sich nicht nur in Tantiemen messen lässt.

Schon höre ich die Lästerer. „Die schreiben dich nur an, weil sie hoffen, was kostenlos zu bekommen!“
Das stimmt nicht. Jede dieser Leserinnen besaß meine Bücher bereits. Nicht eine davon hat mich gefragt, ob sie für ein Freiexemplar oder sonstiges geschenkt bekommen könnte. Ich würde da auch nein sagen. Sie wollten sich einfach nur mit mir unterhalten. Dem Menschen hinter dem Buch.

Und wisst ihr was: Es macht großen Spaß. Ich bin eine ganz Schlimme, ich werde es wieder tun. Warum? Weil ich nicht beiße. Weil ich meine Leser mag und stolz darauf bin, die Nähe mit ihnen halten zu können.
Von daher, schreibt mir, fragt mich etwas, lasst mir einen Gruß da. Ihr bekommt immer eine Antwort. Versprochen!