Kategorie-Archiv: Freud und Leid

Hinter den Kulissen: Autorin schockiert Leserin

 

Es könnte lustig sein, wenn es nicht eigentlich traurig wäre.

Vor zwei Wochen bekam ich via Facebook eine Nachricht, in der eine Leserin sich vielmals bei mir entschuldigte, dass sie mich störe, aber sie wolle noch einige Fragen zu meinem Roman beantwortet wissen. Da für mich die Leser das Wichtigste an der Schreiberei sind, habe ich mir natürlich die Zeit genommen, die Fragen zu beantworten. Allerdings wunderte ich mich über die verzagte Anfrage, sagte aber dazu nichts. Die Leserin war zufrieden, aber sichtlich überrascht über meine so freundliche Reaktion.
Letzte Woche erhielt ich eine ähnliche Anfrage. Wieder nahm ich mir die Zeit, die Fragen der Leserin zu beantworten – unabhängig davon, dass sie Bloggerin ist. In erster Linie ist sie Leserin und wenn sie etwas nicht verstanden oder vermeintlich überlesen hat, bin ich natürlich gewillt, zu helfen. Mit dieser Leserin blieb ich ein bisschen länger in Kontakt und wir unterhielten uns über genau jenes Thema: Autoren, die gerne überall beworben werden wollen, aber wenn es um ein oder zwei Fragen geht, sofort abblocken und ihre nicht vorhandene Zeit vorschieben.

Das Gespräch hat mich nachdenklich gemacht. Ich mag vielleicht als Kleinverlagsautorin nicht ganz so sehr viel Druck haben wie ein Bestseller-Autor, aber trotzdem gehören für mich Fanbriefe, Fragen etc. doch zum „Job“ mit dazu. Und ja, ich leide auch unter chronischem Zeitmangel, trotzdem nehme ich mir die Minuten, um für potenzielle oder vorhandene Fans da zu sein. Für mich bedeutet das, höflich zu sein. In anderen Branchen nennt man das Kundenbindung.

Ich erinnere mich noch daran, als junges Mädchen meinem Schauspielerschwarm einen Brief geschrieben und um ein Autogramm gebeten zu haben. Klar, kam das von der Pressestelle, aber ich bekam eine Antwort. Ich wurde nicht abgebügelt aufgrund von Zeitmangel. Logisch, dass ich diesem Star weiter die Stange hielt. Genauso geht es doch den Lesern, die ein wenig Aufmerksamkeit von uns erfahren. Man kommt ins Gespräch, hört vielleicht sogar raus, was sich der besagte Leser vom nächsten Projekt erhofft, kann ein bisschen neugierig machen und im besten Fall einen Fan für die noch kommenden Bücher gewinnen.

Breche ich mir dadurch einen Zacken aus der Krone? Nein! Denn ohne solche Leser, die später vielleicht ihrem besten Freund/ihrer besten Freundin erzählen: „Du, ich hab mich da neulich mit der Autorin xyz über Gott und die Welt unterhalten – die war sooo nett!“ hätte ich gar kein Krönchen, aus dem ein Zacken fallen kann.
Ein weiterer – für mich sehr persönlicher Aspekt – ist, dass ich mich geschmeichelt fühle. Es gibt so viele Menschen auf dieser Welt, die sich nicht einmal zu telefonieren trauen. Wenn sich also der eine oder andere dazu durchringt, mich anzuschreiben, bedeutet mir das sehr, sehr viel. Es zeigt mir, dass ich als Autor auch eine gewisse Wertschätzung erfahre, die sich nicht nur in Tantiemen messen lässt.

Schon höre ich die Lästerer. „Die schreiben dich nur an, weil sie hoffen, was kostenlos zu bekommen!“
Das stimmt nicht. Jede dieser Leserinnen besaß meine Bücher bereits. Nicht eine davon hat mich gefragt, ob sie für ein Freiexemplar oder sonstiges geschenkt bekommen könnte. Ich würde da auch nein sagen. Sie wollten sich einfach nur mit mir unterhalten. Dem Menschen hinter dem Buch.

Und wisst ihr was: Es macht großen Spaß. Ich bin eine ganz Schlimme, ich werde es wieder tun. Warum? Weil ich nicht beiße. Weil ich meine Leser mag und stolz darauf bin, die Nähe mit ihnen halten zu können.
Von daher, schreibt mir, fragt mich etwas, lasst mir einen Gruß da. Ihr bekommt immer eine Antwort. Versprochen!

Hinter den Kulissen: Wenn man sich selbst den Weg verrammelt

MauerEs gibt fast nichts Schöneres, als sich an den PC oder Laptop zu setzen, sein Dokument zu öffnen und es flutscht einfach. Ohne nachzudenken, taucht man ein in den Tunnel der Ideen und schreibt, bist die Finger qualmen. Wenn am Ende dann auch ein hervorragender (und vor dem inneren Lektor bestehender) Text herauskommt, umso besser.
Was jedoch, wenn man nach zehn geschriebenen Seiten, einer wunderbar ausgearbeiteten Szene mit tollen Effekten plötzlich feststellt, dass man Murks gebaut hat? Dass man sich selbst in eine Ecke manövriert hat, aus der es ohne fremde Hilfe kein Entkommen gibt?
So geschehen gestern bzw. vorgestern. Ich schrieb ein Kapitel zuende und startete ein neues. Um es zu überarbeiten, nahm ich mir einen Ausdruck mit in den Zug. Der Text war nicht schlecht, eigentlich sogar ganz gut, aber dann traf es mich. Ich hatte einen Weg beschritten, der in einer Sackgasse endete! Meine Figuren haben einen fulminanten Start hingelegt. Es gab viel Blut, eine Tote, einen Schwerverletzten und reichlich Emotionen. Dummerweise ignorierte ich völlig, dass die Tote dadurch zu einem Schlüsselelement werden könnte. Ihr Tod würde unausweichlich einen Krieg nach sich ziehen. Fatal, denn der Roman ist ein Prequel, die eigentliche Geschichte schon erzählt – und darin lebten die Angehörigen der Toten mit den übrigen Figuren in Eintracht … bis zu einem gewissen Punkt, aber das ist ein anderes Thema.
Was tun? sprach Zeus und furzte Blitze. Fragezeichen
Ich bat sogleich meine beiden Freundinnen Tanja Rast und Sarah König um Rat, die mir schon manches Mal den Poppes gerettet haben. Ihre Ideen klangen zwar toll, ließen sich aber entweder nicht mit dem Setting in Einklang bringen, weil die Vorraussetzungen falsch waren, oder es fehlte auch hierfür eine logische Erklärung.
Schweren Herzen wollte ich mich schon abfinden, diese grandiose Szene zu löschen, als mich einer von Zeus Blitzen traf. Ich änderte einfach die Voraussetzungen. Indem ich den Handlungsort verlegte, gelang es mir, jene Optionen zu umgehen, die den Krieg ausgelöst hätten. Eigentlich simpel, aber der Weg dorthin war nicht gerade einfach.

Jetzt bin ich erleichtert. Das Schreckensmonster ist gebannt, aber dennoch fürchte ich, habe ich jetzt das eine oder andere graue Haar mehr.

Freud und Leid: Ich bin keine Agentur!

Erfolg schafft Neider. Das stimmt. Aber Erfolg, egal wie minimal er sein mag, schafft noch mehr. Er lockt jene aus ihren Löchern, die gerne einen kleinen Happen abhaben möchten, und sei es nur, indem man ihnen ein Vorstellungsgespräch verschafft. Vitamin B sozusagen. Wobei Vorstellungsgespräch trifft es da noch nicht einmal. Aber der Reihe nach, ich will euch ja nicht verwirren, sondern all jenen da draußen, die meinen, ich müsse unbedingt ihr Buch lesen und einem der Verlage, für die ich schreibe, weiterempfehlen, sagen: Ich bin keine Agentur!
Ich bin Autorin. Ob nun erfolgreich oder nicht, sei dahingestellt. Mein Name ist momentan noch nicht so bekannt, wie ich es mir wünschen würde, aber offenbar kennen ihn all diejenigen, die ich nicht unbedingt kennen möchte.
Es fing eigentlich ganz harmlos an. Eine alte Bekannte besuchte mich und fragte: Hey, du hast doch früher so viel geschrieben, machst du das heute noch? Ich bejahte und teilte ihr mit, dass inzwischen zwei Bücher und eine Anthologie sowie ein paar einzelne Kurzgeschichten veröffentlicht wurden. Die Bekannte war sofort Feuer und Flamme, sie wolle das Buch unbedingt haben. Okay, dachte ich mir, bei so viel Enthusiasmus von jemandem, der eigentlich dafür bekannt war, lesen zu hassen, werde ich einfach hellhörig. Dennoch nahm ich eines der letzten Exemplare des ersten Bandes und reichte es ihr, damit sie den Klappentext lesen konnte. Ich will ja niemandem mein Buch aufdrängen, noch herrscht in unserem Land ja Meinungs- und Entscheidungsfreiheit.
Wie erwartet landete das Buch unbesehen auf dem Tisch und meine Bekannte starrte mich entzückt an. Lange bevor sie den Mund öffnete, ahnte ich schon, was folgen würde, wartete aber geduldig mit der vagen Hoffnung, dass sie vielleicht einfach von mir persönlich hören wollte, worum es im Roman ging. (Jaja, ich weiß, Hoffnung ist so ein lästiges Ding, es lässt sich irgendwie nicht ausmerzen.)
Nur einen Schluck Kaffee später starb die Hoffnung einen ihrer vielen Heldentode: Meine Bekannte habe einen Freund der so toll schriebe, ob ich nicht …
Ich verneinte, zugegeben, ohne sie aussprechen zu lassen. Trotzdem blieb ich ruhig. Ehrlich! Ich ließ mir nicht anmerken, dass mich das Verhalten störte. Für den Moment schien es auch, als akzeptiere sie die Antwort. Doch im weiteren Verlauf unserer Unterhaltung fielen dann immer wieder seltsame Kommentare, die ich nicht zuordnen konnte. Also fragte ich nach. (Kleiner Tipp: Fragt niemals nach, ihr bereut es. Versprochen!)
Ein wenig schnippischer im Tonfall bekam ich zur Antwort, sie dürfe nicht darüber sprechen. Immerhin ginge es dabei um Urheberrechte. (Öh, ja klar, hätte ich ja selbst drauf kommen können.)
Schließlich rückte sie mit der Sprache raus, der Roman sei ja schließlich von ihrem Freund und der möchte nicht, dass Details bekannt würden, ehe das Buch erschienen ist. Ihr Gesicht wurde ein wenig länger, als ich daraufhin zuckersüß fragte, ob es denn schon einen Vertrag gäbe, dann könne ich mir das Buch ja vormerken und ggf. später kaufen und selbst nachlesen.
Ihr könnt euch die Antwort sicher denken. Es gab keinen Verlag, nur ein ominöses Manuskript, dass ich doch bitte lesen möge, um dann eine glühende Empfehlung an den Verlag, bei dem ich unter Vertrag bin, zu schicken.
Behutsam, ich wollte ihre Gefühle nicht noch mehr verletzen, versuchte ich ihr zu erklären, dass es dazu nie kommen würde, weil ich keine Zeit habe, anderer Leute Manuskripte zu lesen, schon gar nicht, wenn ich diese „Autoren“ nicht einmal persönlich kenne oder überhaupt weiß, worum es im Manuskript geht.
Ja, ich bin Betaleser für befreundete Autoren. Ja, ich lese auch auf Korrekturen und wenn mir die Bücher gefallen, schlage ich den besagten Personen vor, sie sollen sich mal bei einem Verlag bewerben. Aber: Ich vermittele keine Manuskripte. Ich bin keine Agentur.
Keine Chance. Das Buch sei ein Beststeller. Die großen Verlage würden sich darum reißen. Warum, so ich, es dann noch keinen Verlag hätte? Tja, es mangele halt an Vitamin B und nur deshalb hätte ja auch ich überhaupt einen Vertrag bekommen.
Zugegeben, bei solchen Behauptungen knirschte meine Hutschnur ganz gewaltig. Ich erklärte meiner Bekannten, dass ich selbst „nur“ Kleinstverlagsautorin bin und mir meinen vermeintlichen Erfolg mühsam erarbeitet habe. Niemand half mir dabei. Die Klinken, die ich putzen musste, waren zahlreich. Außerdem teilte ich ihr mit, dass bei Kleinverlagen keine Millionenbeträge zu erwarten seien. Da müsse man schon realistisch bleiben. Auch, dass es generell schwierig sei, als Neuling bei großen Verlagen unterzukommen ohne Verlagsagentur, die sich den Vermittlungsservice im Übrigen bezahlen lassen.  (Okay, ich gebe es zu: Ich ließ durchblicken, dass ich ebenfalls etwas vom Kuchen abhaben will, sollte sie nicht langsam Ruhe geben.)
Bis dahin knirschte die Bekannte zwar mit den Zähnen, versuchte es aber stetig weiter. (Ihr kennt doch Mücken, die ständig um einen herumfliegen? Das Gefühl ist ähnlich!)
Also beschloss ich härtere Bandagen aufzuziehen und beschwor den Moment meines  Untergangs herbei, indem ich sagte, dass nicht jeder, der schreiben kann, auch schreiben kann.
Die Raumtemperatur sank bei dieser Aussage gen Gefrierpunkt, und während ich mich schon nach einem wärmenden Pullover umblickte, bechloss die Bekannte, das es Zeit wäre zu gehen. Ein paar Floskeln, ein lockeres Versprächen das Gnaze „irgendwann wieder zu wiederholen“, während gleichzeitig im Tonfall mitschwang: Du hast es geschafft und gönnst niemand anderem einen Erfolg. (Ja, klar. Ich bin ein Egomane auf zwei Beinen.)
Obschon ich die Bekannte so schnell nicht mehr wiedersehen werde, fand ich ihr Verhalten so unmöglich, dass ich beschloss ihr künftig weitestgehend aus dem Weg zu gehen. Mit Erfolg.
Bis mich kürzlich der Nächste ansprach: Du, ich habe da einen Nachbarn, der schreibt. Könntest du nicht mal …?
Auf der einen Seite schmeichelt es meinem Ego natürlich, dass diese Leute denken, ich hätte tatsächlich so viel Einfluss und Erfolg, wenngleich ich „nur“ Kleinstverlagsautorin bin. Auf der anderen Seite fühle ich mich belästigt. Ich habe mich doch auch selbst um alles gekümmert. Habe mir die Finger blutig geschrieben mit Bewerbungen an Agenturen und Verlage. Ich musste mir mit Schnaps und guten Zureden selbst begreiflich machen, dass ich keine J.K. Rowlings bin, sonst würden sich die Verlage ja um mich reißen und nicht umgekehrt. Doch das wollen diese wohlmeinenden Helfer anderer Autoren nicht hören.
Für sie bin ich eine Verräterin an der Sache. Ich müsse kooperieren, damit junge aufstrebende Autoren einen Weg nach ganz oben fänden. Ja, nun, da will ich ja selbst gerne hin.
Mal ehrlich:
Ich vermittele auch keine Freunde in meine Firma, weil ich dann an deren Leistung gemessen werde. Was gleichbedeutend damit ist, dass ich den Kopf hinhalte, baut derjenige Mist. Dazu sage ich: Nein, danke!
Vielen dieser aufstrebenden Autoren ist gar nicht klar, dass man nicht einfach ein Buch schreibt und es wird einem aus der Hand gerissen. Da steckt viel Arbeit dahinter. Und Eigenmarketing! Was, wenn ich eine Leseprobe erhalte, sie gut finde und eine Empfehlung an den Verlag abgebe und dann ist das Buch nicht fertig und wird es auch nie? Oder es floppt? In beiden Fällen wird es immer auf mich zurückfallen und soweit lehne ich mich nicht aus dem Fenster – ganz abgesehen davon, dass ich gar keinen solchen Einfluss auf die Verlage habe, bei denen ich schreibe.
Ich gebe gerne Tipps zu Bewerbungen, Exposés und Anschreiben. Ich sage auch, sofern ich das Genre des Manuskripts kenne, bei welchen Verlagen man es versuchen könnte oder wo es gar nicht passt. All das, solange sich diese Art der Beratung im Rahmen hält und ich keinen stundenlangen Unterricht dafür halten muss.
Aber ich gebe keine Empfehlung an einen Verlag weiter. Punkt. Aus. Ende.
Nicht einmal, wenn mich das Manuskript aus den Socken hauen würde. Ich bin keine Agentur und wäre ich es, tja, Leute, ich sag nur 20-25% Provision. 😛

Nix als Arbeit – vom Nicken und Blicken

DSC_0048Ich habe es geschafft!
Sechs Wochen nach meinem wohlverdienten Urlaub ist der Rohentwurf meines jüngsten Projektes beendet. Sechs Wochen, in denen ich ehrlich kaum geflucht habe. Okay, zugegeben, am Anfang lief es etwas holprig, aber dann machte es klick und ich schaffte ein Tagespensum von 5.000 Wörtern am Tag, und am Ende habe ich nun so viel Text, dass ich einiges wieder kürzen muss.
Es fehlen zudem noch ein paar atmosphärische Kleinigkeiten, einige Platzhalter [Gurkensalat] wollen ersetzt werden und das viele Nicken und Blicken muss noch ausgemerzt werden, damit der Text rund wird. Aber das Hauptgerüst steht, mit 399 Seiten und  96.762 Wörtern.
Ich würde gern mehr darüber erzählen, darf es aber nicht, weil es bereits einen Vertrag für das Projekt gibt. Nur eines möchte ich noch loswerden: Dank der Verlegerin, die mir einen ordentlichen Vertrauensbonus gewährt hat, darf ich einen weiteren Roman in dieser Reihe schreiben, auch wenn ich mir damit noch ein wenig Zeit lassen kann.
Jetzt überarbeite ich erst einmal das Projekt, danach gönn ich mir eine kleine Schreibpause, nur um dann mit dem nächsten Projekt weiterzumachen. Eine Novelle – falls ich mich kurzfassen kann.
Aber hey, nach dem Roman ist vor dem Roman, oder?

Hinter den Kulissen: Gedanken einer Autorin zum Krieg

Um ehrlich zu sein, ich ertrage es kaum noch. Tagtäglich sehe ich Bilder, die ich nicht sehen will und die ich nicht verstehen kann: Mord, Gewalt und Krieg. Gerade gestern erst sagte ich zu meinem Mann, dass ich von einem Sommerloch in den Nachrichten gar nichts mitbekomme, denn die Themen, die da über die Mattscheibe flackern sind brisant und sie tun mir weh. All das Elend und Leid …
Ich habe keinerlei Bezug zu den Ländern, die sich derzeit im Krieg befinden. Ich bin Pazifistin, obwohl ich mich gedanklich und schriftlich schon oft genug mit Mord und Krieg auseinandergesetzt habe. Aber auch dem Dümmsten sollte bei diesem Anblick klar werden, dass etwas grundsätzlich schief läuft in unserer Welt.
Wenn ich diese Dramen aus Autorensicht betrachte, wird mir jedoch auf erschreckende Weise klar, dass einige von uns, deren Helden ebenfalls Kriege und Gewalt erleben, auf einem schmalen Grat wandern.
Krieg und Gewalt sind nicht romantisch, auch wenn das oft genug der Tenor ist. Der Held kämpft immer fair, während der Bösewicht tief in die Trickkiste greift. Trotzdem sind am Ende alle glücklich, weil das Gute triumphiert. Im wahren Leben jedoch sind da Hinterbliebene, die mit der Trauer fertig werden müssen, deren Gedanken bei jenen sind, denen Gewalt angetan, die getötet wurden. Und beide Seiten halten sich für die jeweils Guten und den anderen für das Böse. Wer trifft diese Entscheidung, wer fragt die Bevölkerung, die in Angst und Not ertragen muss, was ein paar Machthungrige hinter verschlossenen Türen beschließen?
So gerne ich Bücher lese, in denen um das Recht auf Freiheit oder um die Liebe oder was auch immer gekämpft wird, so bewusst sehe ich die Schattenseite davon im wahren Leben.
Mir wurde als Autorin fantastischer Romane oft genug vorgeworfen, meine Geschichten haben nichts mit der Realität zu tun. Gleichwohl möchte ich dem entgegnen, dass ich durchaus gesellschaftskritisch darin sein kann. Ob der Leser die versteckten Hinweise nun findet und erkennt, liegt wohl auch daran, inwieweit sich der- oder diejenige für sein Umfeld und Details interessiert.
Natürlich versuche ich den erhobenen Zeigefinger zu vermeiden. Aber wenn ich über Krieg schreibe, dann auch, dass es Tote gibt – sogar unter den Sympathieträgern und auch, dass die Hinterbliebenen diese nicht nach zwei Seiten vergessen. Ich kann mitnichten begreifen oder wiedergeben, wie sich die Bevölkerung eines Landes nach einem Angriff tatsächlich fühlt. Dazu sehe ich mich außerstande, denn ich genieße den Luxus in einem Land zu leben, in der Krieg keine große Rolle mehr spielt. Die Orte, an denen gebombt wird, erscheinen mir zu weit weg. Ein Blick auf die Weltkarte würde genügen, um zu sehen, dass sooo weit dann doch nicht stimmt. Deshalb kann ich nur das wiedergeben, was ich vielleicht fühlen würde, wenn mir so etwas zustieße und dennoch bleibt es ein leidlich winziger Tropfen dessen, was möglich ist.
Eines jedoch kann ich nach allem, was ich insbesondere in jüngster Zeit sehen musste, ob nun übertrieben dargestellt und gar nicht wahr (wie Kritiker behaupten) oder real, für mich sagen: Ich werde jetzt noch sensibler mit diesem Thema umgehen, auch im Hinblick darauf, dass nicht nur Bilder im Fernsehen abstumpfen, Gewalt in Romanen kann ebenso dazu führen.

Nach all diesen Gedanken bleibt immer noch die Frage, warum es die Menschheit nicht einfach schafft, endlich Frieden zu halten? Und die Erkenntnis, dass Hoffnung nicht so leicht auszumerzen ist, wie mancher Krieg vielleicht glauben macht … Meine Gedanken sind bei all jenen Familien, denen zur Zeit Schlimmes widerfährt.

Helen B. Kraft

27. Juni 2014

Dieses Mal hat Kaffeekochen tatsächlich mal eine positive Wirkung gehabt.
Während der Kaffee durch die Maschine tröpfelte, stand er plötzlich vor mir. Oder besser, er lag. Mein Antagonist. Er war einfach da, starrte mich mit verhangenen Augen an. In seinem Blick lag etwas Flehendes, als ob ich ihm helfen könnte. Tja, als Autorin muss ich daneben stehen und zusehen, abwarten, was weiter passiert.
Zugegeben, es war nicht angenehm, das zu sehen.  Aber es hat mir insofern geholfen, dass es mir jetzt genug Spannung gebracht hat, um das Buchprojekt voranzutreiben.
So darf es gerne weitergehen. Ach ja, ich bin dann mal kurz Kaffeekochen.

Helen B. Kraft

23. Juni 2014

Manchmal ist es furchtbar. Da hat man ein Projekt, weiß genau, wie es laufen soll und kaum sitzt man vor dem Rechner, will es nicht mehr.
So auch heute. Ich bin extra früh aufgestanden, um einen ordentlichen Vorsprung des Projektes herauszuschreiben. Anfangs lief es auch ganz gut. Dann verlangte mein Körper nach Kaffee. Ist ja per se nichts Schlimmes, aber bis ich wieder am Rechner saß, hatte ich die vielen kleinen Ungenauigkeiten erkannt, die ich versehentlich in das bisher Geschriebene eingebaut hatte.  Gut, dachte ich mir, verbesserst du das erst, vorher kannst du ja ohnehin nicht weiterschreiben. Gesagt, getan. Nachdem ich fertig war, sprang ich wieder zu der Stelle, an der ich aufgehört hatte. Ein kurzer Blick auf die Uhr. Ach ja, der Massage-Termin, auf den ich schon seit Wochen hin fiebere. Also gut: speichern und Laptop runterfahren.
Der Termin war super, ich kam ganz entspannt nach Hause, voller Tatendrang weiterzuschreiben. Also schnell eine Flasche Wasser auf den Tisch gestellt und los geht’s …
Ähm nun ja, es sollte losgehen.
Ich kam nur sehr langsam in Fahrt. Hier ein paar Ortbeschreibungen, da eine Gefühlsregung, wieder nur kleine Verbesserungen. In den Text kam ich dagegen nicht. Drei Anläufe später hab ich aufgegeben. Erzwingen geht nicht. Ich gönne mir jetzt einfach ein paar You Tube-Videos und gehe ein bisschen spazieren. Wenn es danach nicht läuft – morgen ist auch noch ein Tag.

Schwere Entscheidung …

Keine Sorge, ich hänge das Schreiben nicht an den Nagel. Allerdings habe ich eine schreibtechnisch schwere Entscheidung getroffen, die nur teilweise auf akuten Zeitmangel zurückzuführen ist.
Die meisten interessiert es vermutlich nicht, aber ich werde die nächste Fortsetzung von Höllenjob für einen Dämon und Höllenjob für einen Seraph auf Eis legen.
bigicon-shati-titel10014652_601077329985704_1826040911_nEs gibt zwar inzwischen einen fertigen Plot, den ich nur runterschreiben müsste, aber eine innere Stimme sagt mir, lass es erst einmal bleiben. Und wenn ich eines gelernt habe, auf diese innere Stimme zu hören.
Aber ich habe die Idee als Kurzexposé auf meiner Festplatte und falls ich wirklich große Lust verspüre, sie zu schreiben, wäre sie nicht verloren. Doch im Augenblick erscheint es mir, als würde ich den Figuren keinen Gefallen damit tun. Wer bin ich schon, mich mit Dämonen anzulegen?shati-plus-coverhoellenspiele5

Den Fans der Höllenjob-Reihe möchte ich einfach sagen:
Danke, dass es euch gibt. Ohne euch hätte ich nie eine Fortsetzung geschrieben. Ihr seid toll und so viel mehr, als ich erwartet hatte. Aber im Augenblick sehe ich nicht, dass ein weiterer Teil notwendig ist.
Bitte habt Verständnis.

Hinter den Kulissen: Plot, du fieser kleiner Mistkerl!

Aus gegebenem Anlass möchte ich meiner Frustration Ausdruck verleihen. Es geht um das Thema Plots. Einige nennen sie liebevoll Plutbunnys, andere finden gar keine Namen für sie, wieder andere verfluchen den Tag, an dem sie beschlossen, überhaupt mit dem Schreiben zu beginnen. So wie ich. Heute Morgen. Aber zum eigentlichen Thema: Plots sind wie Teenager in der Pubertät: unkontrollierbar, unberechenbar und noch so Vieles mehr.

Zum einen wäre da der Halbstarke. Er kommt angerauscht, verlangt umgehende Aufmerksamkeit und wenn man ihn in seine Schranken weist, motzt er oder stellt sich auf stur. Jeder Autor kennt ihn, er ist wirklich ein schwieriger Zeitgenosse, den man am liebsten erwürgen oder einsperren würde. Beides funktioniert in den seltensten Fällen. Passt man nicht auf, überrollt der Halbstarke den schutzbedürftigen und schwächeren Schüchternen.

Der Schüchterne Plot ~ bitte nicht erschrecken ~

Der Schüchterne Plot
~ bitte nicht erschrecken ~

Dieser hat die Angewohnheit, um den Autoren herum zu schleichen. Er streichelt die Synapsen des Schreibers, suggeriert einen Wohlfühlfaktor, der uns Autoren schnell schwach werden lässt. Wir wollen diesen Plot, denn er scheint besonders wertvoll. Doch der Schüchterne will geködert werden. Er verlangt kaum so viel Aufmerksamkeit wie der Halbstarke, weil er über deutlich mehr Geduld verfügt, gleichzeitig lässt er sich aber bitten. Wird man ihm zu forsch, kauert er sich in eine Ecke und macht zu. Dann benötigt es noch mehr Geduld, ihn da wieder herauszulocken. Am Ende belohnt er den Autor aber damit, dass er sich in voller Schönheit präsentiert und ihm das Gefühl vermittelt, etwas Besonderes geschaffen zu haben.

Anders als die Diva. Dieser Plot ist eng verwandt mit dem Halbstarken. Doch wo der mault und notfalls aggressiv. Diva ist da und will geschrieben werden. Aber zu ihren Bedingungen bitte schön. Früh am Morgen? Hey, da schlafen wir noch, also lass das Autor. Wie, du brauchst erst einen Kaffee, um in die Gänge zu kommen, Finger weg, jetzt komme ich. Die Diva weiß um ihre Stärken. Sie will zwar ebenso betüddelt werden wir der Schüchterne, aber sie weiß auch, was sie will. Bekommt sie es nicht, rammt sie ihre spitzgefeilten Fingernägel in die Autorenseele, bis diese nachgibt.

Die Plot-Diva ~ keine Autogrammanfragen bitte ~

Die Plot-Diva
~ keine Autogrammanfragen bitte ~

Dann hätten wir da noch den Widerspenstigen. Er will einfach nicht. Einmal erdacht könnte der Autor ja loslegen und schreiben. Nicht so mit dem Widerspenstigen. Der stemmt erstmal die Hacken in den Boden, verschränkt die Arme vor der Brust und schieb das Kinn vor. Mit mir nicht, Alter!, hören wir die unausgesprochenen Worte, die der Widerspenstige uns entgegenwirft. Jeder Satz ist eine Qual und verlangt dem Autoren alles ab.

Ihm gegenüber steht der Sonnenschein. Ein Plot, wie ihn sich jeder Autor wünschen mag. Unkompliziert, wohlstrukturiert, die feine Dame des Hauses. Sie hat keine Marotten, sie macht, was man ihr sagt, tugendhaft, sittsam und ehrlich. Leider ist die gute Dame heiß begehrt und findet nur in den seltensten Fällen Zeit. Da sie nicht nein sagen kann, gewinnt der Autor, der als erstes „Hier!“ schreit. (Und ich bin das ganz offensichtlich nie.)

Vermutlich gibt es noch viele weitere Formen des Plots, eine jedoch will ich nicht vergessen haben: Der Sprunghafte. Was Anfangs nach einem toll strukturierten Plot aussieht, verfliegt schon nach kürzester Zeit. Seiten füllen sich, der Plot verändert sich. Die Richtung, in die man ihn drängen möchte, mag er nicht, also ändert er sie kurzerhand. Stellt sich der Autor allzu quer, nimmt sich der Sprunghafte einfach ein paar Tage, Wochen oder schlimmstenfalls Monate oder Jahre Urlaub. Er lässt sich selten durch gutes Zureden zurück an seinen Platz gewinnen, denn er weiß um seine Stärken und vor allem die Schwächen des Autors.

Und, welche Plots laufen euch so über den Weg?

 

Die kleinen Dinge im Leben

Tatsächlich sind es diese berühmten kleinen Dinge im Leben, die zählen. Dabei meine ich noch nicht einmal das Lächeln eines Kindes oder ein Sonnenstrahl nach einer Regenzeit, wobei beides sicher glücklich macht. Vielmehr beziehe ich mich auf Situationen, die mich als Autor inspirieren.
Geräusche, Gerüche, Symbole und Farben können bei jedem Assoziationen wecken. Mir helfen sie dabei, festgefahrene Situationen zu meistern.
Oftmals kann ich gar nicht sagen, was der Auslöser ist, weswegen mich plötzlich ein Gedanke anspringt, sich eine Idee ausformt oder gar zu einem ganzen Plot wird. Es kommt einfach über mich.
Besonders wertvoll sind mir diese Augenblicke, wenn ich mich in einem Projekt festgefahren habe. Dies kommt bisweilen oft in zweiten Teilen vor, weswegen ich mich in Zukunft von Mehrteilern versuche fernzuhalten. Die Betonung liegt auf „versuchen“. Ob es klappt, sei mal dahingestellt.
Im konkreten Fall hatte ich mich bis vor zwei Tagen an einem dritten Band festgebissen. Ich wusste zwar, wohin die Reise gehen sollte, aber ich bekam einfach den geplotteten Inhalt nicht zu Papier. Egal welche Techniken ich versuchte, nichts wollte funktionieren. Da ich den Großteil meiner Schreibarbeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln verrichte, nervte mich dies kolossal, denn die Zeit in Bus oder Bahn nur damit zuzubringen, stupide aus dem Fenster zu starren, gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Es ist verschwendete Zeit, die ich sinnbringender nutzen kann. So stand ich schon kurz davor, die Reihe einzudampfen bzw. im Nirwana meiner Romanideen wegzusperren, als mich plötzlich eine Idee aus heiterem Himmel ansprang.
Es mag etwas sein, das ich gelesen hatte, ein Geruch oder ein Geschmack auf der Zunge, der mich inspiriert hat. Wie auch immer. Plötzlich stellte ich fest, dass meine Ursprungsidee so nicht funktionieren kann und ich deshalb blockierte. Also schrieb ich den Plot um, änderte Szenen, drängte Charaktere in neue Situationen und siehe da, es läuft.
Sogar sehr leicht, wie ich meinen will. Wo ich anfangs um jeden Brocken einer Szene habe kämpfen müssen, fügen sich jetzt die einzelnen Stationen nahtlos ineinander, bilden ein Gesamtkonzept, als wäre es von Anfang an so geplant gewesen. Es ist erschreckend und faszinierend zugleich, wie ein Verstand funktionieren kann.
Wie dem auch sei, ich bin dankbar für die kleinen Dinge im Leben, die mir dabei geholfen haben, wieder meine Linie zu finden.
Heute sehe ich zuversichtlich den nächsten 250 Seiten entgegen, die noch fehlen, um diesen Roman abzuschließen.