Kategorie-Archiv: Hinter den Kulissen

Hinter den Kulissen: Autorin schockiert Leserin

 

Es könnte lustig sein, wenn es nicht eigentlich traurig wäre.

Vor zwei Wochen bekam ich via Facebook eine Nachricht, in der eine Leserin sich vielmals bei mir entschuldigte, dass sie mich störe, aber sie wolle noch einige Fragen zu meinem Roman beantwortet wissen. Da für mich die Leser das Wichtigste an der Schreiberei sind, habe ich mir natürlich die Zeit genommen, die Fragen zu beantworten. Allerdings wunderte ich mich über die verzagte Anfrage, sagte aber dazu nichts. Die Leserin war zufrieden, aber sichtlich überrascht über meine so freundliche Reaktion.
Letzte Woche erhielt ich eine ähnliche Anfrage. Wieder nahm ich mir die Zeit, die Fragen der Leserin zu beantworten – unabhängig davon, dass sie Bloggerin ist. In erster Linie ist sie Leserin und wenn sie etwas nicht verstanden oder vermeintlich überlesen hat, bin ich natürlich gewillt, zu helfen. Mit dieser Leserin blieb ich ein bisschen länger in Kontakt und wir unterhielten uns über genau jenes Thema: Autoren, die gerne überall beworben werden wollen, aber wenn es um ein oder zwei Fragen geht, sofort abblocken und ihre nicht vorhandene Zeit vorschieben.

Das Gespräch hat mich nachdenklich gemacht. Ich mag vielleicht als Kleinverlagsautorin nicht ganz so sehr viel Druck haben wie ein Bestseller-Autor, aber trotzdem gehören für mich Fanbriefe, Fragen etc. doch zum „Job“ mit dazu. Und ja, ich leide auch unter chronischem Zeitmangel, trotzdem nehme ich mir die Minuten, um für potenzielle oder vorhandene Fans da zu sein. Für mich bedeutet das, höflich zu sein. In anderen Branchen nennt man das Kundenbindung.

Ich erinnere mich noch daran, als junges Mädchen meinem Schauspielerschwarm einen Brief geschrieben und um ein Autogramm gebeten zu haben. Klar, kam das von der Pressestelle, aber ich bekam eine Antwort. Ich wurde nicht abgebügelt aufgrund von Zeitmangel. Logisch, dass ich diesem Star weiter die Stange hielt. Genauso geht es doch den Lesern, die ein wenig Aufmerksamkeit von uns erfahren. Man kommt ins Gespräch, hört vielleicht sogar raus, was sich der besagte Leser vom nächsten Projekt erhofft, kann ein bisschen neugierig machen und im besten Fall einen Fan für die noch kommenden Bücher gewinnen.

Breche ich mir dadurch einen Zacken aus der Krone? Nein! Denn ohne solche Leser, die später vielleicht ihrem besten Freund/ihrer besten Freundin erzählen: „Du, ich hab mich da neulich mit der Autorin xyz über Gott und die Welt unterhalten – die war sooo nett!“ hätte ich gar kein Krönchen, aus dem ein Zacken fallen kann.
Ein weiterer – für mich sehr persönlicher Aspekt – ist, dass ich mich geschmeichelt fühle. Es gibt so viele Menschen auf dieser Welt, die sich nicht einmal zu telefonieren trauen. Wenn sich also der eine oder andere dazu durchringt, mich anzuschreiben, bedeutet mir das sehr, sehr viel. Es zeigt mir, dass ich als Autor auch eine gewisse Wertschätzung erfahre, die sich nicht nur in Tantiemen messen lässt.

Schon höre ich die Lästerer. „Die schreiben dich nur an, weil sie hoffen, was kostenlos zu bekommen!“
Das stimmt nicht. Jede dieser Leserinnen besaß meine Bücher bereits. Nicht eine davon hat mich gefragt, ob sie für ein Freiexemplar oder sonstiges geschenkt bekommen könnte. Ich würde da auch nein sagen. Sie wollten sich einfach nur mit mir unterhalten. Dem Menschen hinter dem Buch.

Und wisst ihr was: Es macht großen Spaß. Ich bin eine ganz Schlimme, ich werde es wieder tun. Warum? Weil ich nicht beiße. Weil ich meine Leser mag und stolz darauf bin, die Nähe mit ihnen halten zu können.
Von daher, schreibt mir, fragt mich etwas, lasst mir einen Gruß da. Ihr bekommt immer eine Antwort. Versprochen!

Hinter den Kulissen: Nach dem Projekt ist vor dem Projekt

In der vergangenen Woche habe ich es geschafft – trotz der Widrigkeiten um Krankheit, Job und Familie – den nächsten Bestien Teil abzuschließen.

Mit 271 Seiten und aktuell 68.167 Wörtern mein wohl bisher kürzester Roman. Gleichwohl war das Projekt nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mein Protagonist stellte sich stellenweise sehr stur an, meinen Vorgaben zu folgen. Muss wohl etwas mit seiner Blutlinie zu tun haben, sein Vater ist auch ein … nennen wir es verharmlosend mal … sturer Bock.

Jedenfalls habe ich es nach viel gutem Zureden, einigen schlaflosen Nächten, weil mir mein Plot drohte flöten zu gehen, und diversen Litern Kaffee doch noch geschafft.

„Cruth“ ist fertig. Damit ist die Reihe der Bestienromane nun endlich insoweit vollständig, dass die Reihenfolge einen Sinn ergibt. Schön blöd von mir, das Pferd von hinten aufzuzäumen, denn dieser Roman stellt ja eigentlich die Einleitung der Reihe dar.

Jedenfalls dürfen sich im Augenblick die Betaleser mit dem künftigen Bestiengott herumärgern, während ich die Gelegenheit nutze, an einer Kurzgeschichte zu arbeiten, in der Cruth ebenfalls eine Rolle spielt. Außerdem wird der Nachfolger, liebevoll genannt „S+K“ nachbearbeitet. Kurz, ich werde die von den Betalesern gemachten Änderungsvorschläge prüfen und ggf. einarbeiten. Danach wandert alles an den Machandel-Verlag, damit die endlich mit der eigentlichen Arbeit beginnen können.

Zwischendurch wird am fünften und letzten Bestien-Band geplottet. Held und Heldin stehen fest, aber ich brauch noch ein paar böse Kniffe und vor allem Steine, die ich den beiden in den Weg werfen kann, aber ich bin zuversichtlich, dass das werden wird. Jedenfalls sollen am Schluss dieses Teils alle offenen Enden verknüpft sein. Schauen wir doch mal, ob mir das gelingt.

Abgesehen von diesem Programm steht endlich die Fertigstellung meiner Dhraden-Reihe auf dem Programm. Auch hier sollen es vier Teile werden, auch hier sind bereits zwei davon fertig. Teil 3, der sich für mich ebenfalls nicht gerade leicht gestaltet hat bisher, steht zu 80% und soll bis Ende März/Mitte April abgeschlossen sein. Danach folgt – sofern nicht noch ein gewisses anders Projekt dazwischen grätscht – der vierte und letzte Dhraden-Teil.

Das alles soll dieses Jahr passieren, neben Leipziger Buchmesse, Loveletter Convention und BuCon. Ach ja, am NaNoWriMo möchte ich auch teilnehmen und … und … mir scheint, ich werde von Jahr zu Jahr größenwahnsinniger. Aber es macht auch Spaß und jetzt, da ich scheinbar endlich meinen Schreibrhythmus gefunden habe, erscheint mir diese Sache auch durchaus machbar. Mal sehen, ob es mir gelingt.

Hinter den Kulissen: Wenn man sich selbst den Weg verrammelt

MauerEs gibt fast nichts Schöneres, als sich an den PC oder Laptop zu setzen, sein Dokument zu öffnen und es flutscht einfach. Ohne nachzudenken, taucht man ein in den Tunnel der Ideen und schreibt, bist die Finger qualmen. Wenn am Ende dann auch ein hervorragender (und vor dem inneren Lektor bestehender) Text herauskommt, umso besser.
Was jedoch, wenn man nach zehn geschriebenen Seiten, einer wunderbar ausgearbeiteten Szene mit tollen Effekten plötzlich feststellt, dass man Murks gebaut hat? Dass man sich selbst in eine Ecke manövriert hat, aus der es ohne fremde Hilfe kein Entkommen gibt?
So geschehen gestern bzw. vorgestern. Ich schrieb ein Kapitel zuende und startete ein neues. Um es zu überarbeiten, nahm ich mir einen Ausdruck mit in den Zug. Der Text war nicht schlecht, eigentlich sogar ganz gut, aber dann traf es mich. Ich hatte einen Weg beschritten, der in einer Sackgasse endete! Meine Figuren haben einen fulminanten Start hingelegt. Es gab viel Blut, eine Tote, einen Schwerverletzten und reichlich Emotionen. Dummerweise ignorierte ich völlig, dass die Tote dadurch zu einem Schlüsselelement werden könnte. Ihr Tod würde unausweichlich einen Krieg nach sich ziehen. Fatal, denn der Roman ist ein Prequel, die eigentliche Geschichte schon erzählt – und darin lebten die Angehörigen der Toten mit den übrigen Figuren in Eintracht … bis zu einem gewissen Punkt, aber das ist ein anderes Thema.
Was tun? sprach Zeus und furzte Blitze. Fragezeichen
Ich bat sogleich meine beiden Freundinnen Tanja Rast und Sarah König um Rat, die mir schon manches Mal den Poppes gerettet haben. Ihre Ideen klangen zwar toll, ließen sich aber entweder nicht mit dem Setting in Einklang bringen, weil die Vorraussetzungen falsch waren, oder es fehlte auch hierfür eine logische Erklärung.
Schweren Herzen wollte ich mich schon abfinden, diese grandiose Szene zu löschen, als mich einer von Zeus Blitzen traf. Ich änderte einfach die Voraussetzungen. Indem ich den Handlungsort verlegte, gelang es mir, jene Optionen zu umgehen, die den Krieg ausgelöst hätten. Eigentlich simpel, aber der Weg dorthin war nicht gerade einfach.

Jetzt bin ich erleichtert. Das Schreckensmonster ist gebannt, aber dennoch fürchte ich, habe ich jetzt das eine oder andere graue Haar mehr.

Hinter den Kulissen: Frischer Wind unter den Flügeln

Autor sein heißt, nicht nur Spaß zu haben. Autor sein heißt auch an sich zu arbeiten. Autor sein heißt, hin und wieder auch die Zähne zusammenzubeißen, sich allen Widrigkeiten zum Trotz durch seinen Plot zu kämpfen, um am Ende ein Buch abzuliefern, dass nicht nur dem Autor selbst, sondern vor allem auch den Lesern gefällt.
Mit dieser Einstellung habe ich fast das gesamte letzte Jahr zugebracht. Es war viel zu tun. Ein Roman musste umgeschrieben werden, ein anderer korrigiert und ein dritter neu geplottet werden. Dazu kamen die noch einem gewissen Verlag versprochenen Novellen, die ich bis spätestens Januar unter Dach und Fach haben wollte.
Schon weit nach Beendigung der zweiten Pflichtarbeit war bei mir die Luft raus. Ich hatte keine Lust mehr auf das, was eigentlich mein liebstes Hobby war: das Schreiben.
Dennoch musste ich mich an die Verträge halten, denn aufschieben ist etwas, das ich nur ungern tue, denn ich weiß, je länger ich zögere, desto schneller läuft die Zeit und am Ende bin ich es, die den Stress hat.
Ironischerweise ist es ausgerechnet ein Fortsetzungsprojekt (meine beiden Bestien-Novellen), dass schon in der letzten Woche geschafft hat, dass ich mit einem breiten Grinsen durch die Gegend renne. Es ist alles wieder da. Die Lust zu schreiben, der Ideenreichtum, die Spannung, die mich erfasst, wenn ich von irgendwoher erfahre, was meine Figuren tun werden. Ich fühle das langvermisste Kribbeln in den Fingerspitzen, das mich nachts im Bett dazu bringt, mit den Fingern zu zucken, als würde ich schreiben. Ich fühle die Gänsehaut, wenn ich mir im Kopf ausmale, was meinen Figuren noch wiederfahren muss, damit die Geschichte rund wird. Eine Idee jagt die nächste und ich weiß, auch wenn es mich wieder Anstrengung kosten wird, die Geschichte aufzuschreiben, sie wird rund.
PunktlandungUnser Gehirn spielt manchmal schon seltsame Streiche, wenn es mir genau jetzt, da ich diesen Motivationsschub benötige, exakt das an die Hand gibt, was ich brauche. So stehe ich jetzt bei einem Skript, das am Ende 44.000 Wörter haben soll, schon weit über 17.000 Wörtern. Als ich gestern eine Pause machte, stoppte ich genau bei diesen 17.000 Wörtern. Ich habe noch zwei Wochen, bis ich die zweite Novelle in Angriff nehmen möchte. Ist das machbar? Absolut. Werde ich Spaß dabei haben? Auf jeden Fall, denn wenn ich jetzt schon in den öffentlichen Verkehrsmitteln grenzdebil vor mich hin grinse, weil ich genau weiß, was mit meinen Figuren passieren soll, dann kann es nur gut enden.
Trotzdem – oder gerade weil – es gerade so gut läuft, werde ich mich dezent zurückhalten. Wenn ich bis Jahresende nicht fertig werde, ist das auch egal. Ich will mir mein momentanes Hochgefühl nicht durch Eigendruck zunichtemachen. Ich werde das Schreiben dieser Novellen genießen. Ich werde meine Bestien quälen. Ich werde wunderbare Sexszenen schreiben und ich werde zufrieden sein, wenn am Ende jeweils genau das da steht: Ende.

Hinter den Kulissen: Herausforderung Prequel

Für eine neue Reihe, die demnächst erscheint, soll ich aus überlangem Prolog ein Prequel schreiben. Da ich inzwischen wirklich ungern Fortsetzungen schreibe, weil ich mir damit einfach schwertue, habe ich zunächst gezögert. Inzwischen jedoch hat sich die Idee verselbständigt, und es bilden sich wahllose Möglichkeiten, wie alles angefangen haben könnte.
Im ersten Schritt habe ich die Fakten zusammengetragen. Klingt witzig, sprechen wir doch von einer rein fiktiven Welt bzw. einer realen Welt mit fiktiven Figuren. Obwohl ich schon während des Schreibens des ursprünglichen Projektes eine umfangreiche Datenbank erstellt habe, sind mir beim Lesen der fertigen Geschichten aufgefallen, dass ich Unstimmigkeiten eingebaut habe, die mir, wenn ich wirklich einen „wie alles begann“-Roman schreiben will, spätestens da auf die Füße gefallen wären.
Also begann ich, eine Timeline zu erstellen. Eine grobe Auflistung aller Daten, die ich kenne. Schon bald wurde klar, ich habe zeitliche Abweichungen, die gewisse Szenen unglaubwürdig erscheinen lassen könnten.
TimelineDaher habe ich jeden Fitzel an Information herausgesucht und untereinander in eine Tabelle eingetragen. Anschließend habe ich die Abstände verglichen, die Fehler ausgemerzt und entsprechende Punkte, an denen wichtiges geschieht, markiert.
Als nächstes musste ein Stammbaum her, da viele der Figuren in Verbindung/Verwandtschaft zueinander stehen.

absichtlich unkenntlich gemachte Version

absichtlich unkenntlich gemachte Version

Der nächste Schritt ist eine „Besetzungscouch“, in der alle Figuren unter Verweis auf die Timeline noch einmal aufgeführt werden, wie sie miteinander in Verbindung stehen, ob und wann sie sterben, Kinder bekommen oder weiterexistieren dürfen.
Anschließend habe ich eine Liste der einzelnen Gattungen erstellt, von denen ich zwar genau wusste, was sie sind und tun, aber auch hier gibt es Besonderheiten und Ausnahmen, die sich auf die gesamte Reihe auswirken können.
Jede meiner Figuren ist auf die eine oder andere Art besonders, jede hat Stärken und Schwächen, Makel und Dinge, die nur ihnen eigen sind. Für einen einzelnen Roman gesehen, kann das stringent weitergeführt werden. Bei einem Prequel dagegen, muss die Figur, die sich im Verlauf des eigentlichen Roman entwickelt hat, wieder ihre ursprüngliche Handlungsweise parat halten – und darin konsequent zu bleiben, besteht die Herausforderung.
Für diesen Zweck habe ich eigens eine Kladde erstellt. Das mag umständlich sein, weil man darin blättern muss, aber die einzelnen Punkte noch einmal gesondert ansehen zu können, hat einiges für sich. Ich merke es vor allem daran, dass ich – jetzt, da die Kladde fast fertig ist – kaum noch erwarten kann, die Pre-NaNoVelle zu schreiben.

Hinter den Kulissen: Abstand gewinnen

Dieses Jahr war anstrengend. Nicht, weil ich wie im vergangenen Jahr viel gereist bin, sondern weil mein Schreibpensum extrem hoch war: Fertigstellen eines Romans, Umbauarbeiten an einem anderen, Neuschreiben eines dritten. Dazwischen immer wieder neue Ideen, die gesammelt werden wollten, Kurzgeschichten und und und.
Schon im Juni merkte ich, dass der Akku langsamer lädt als zu Beginn des Jahres und nahm mir fest vor, im Urlaub nichts zu tun, was mit Schreiben zu tun hat. Nun ja, die Renovierungsarbeiten hielten mich tatsächlich ab, aber an zwei Tagen habe ich doch geschrieben und meinen Vorsatz in den Wind geschossen. Dieses „nur noch eine Seite“, „nur noch eine Szene“, „nur noch ein Kapitel“ wurde irgendwann fast zur fixen Idee. Wie eine Süchtige hechtete ich in jeder freien Minute an mein Dokument, um ja weiterzukommen. Zum Schluss ließ ich mir nicht einmal mehr Zeit für Zweifel. Hauptsache, der Roman wird beendet. Darüber habe ich Freundschaften vernachlässigt und den Haushalt schweifen lassen. Typisches Suchtverhalten also. Eindeutig. Gleichzeitig merkte ich aber, dass die Qualität dessen, was ich fabrizierte nicht mehr ganz mir entsprach.
Deshalb zog ich die Reißleine. Außer Bloggen, Lesen und Ideen sammeln ist mir nur Chatten mit weit weg sitzenden Freunden und Telefonieren mit denselben erlaubt.
Zwei Wochen lang.
Ich darf mit Plots jonglieren, sie aber nicht schreiben. Ein total Reset ist der Plan. Zum einen soll er dabei helfen, wieder mit vernünftigem Blick an die Schreibarbeit zu gehen, zum anderen soll es der Erholung dienen, denn meine Schulter hat arg unter dem selbsterzeugten Druck gelitten.
Die Auszeit läuft bereits und endet kommenden Montag. Ich gestehe, ich gehe auf dem Zahnfleisch. Meine Finger jucken, wollen die Ideen, die sich jetzt fast gegenseitig umrempeln, unbedingt aufschreiben. Ich beiße die Zähne zusammen und bleibe eisern. Nur bloggen, chatten und Ideen sammeln.
Das sollte doch zu schaffen sein.
Bloggen, chatten, Ideen sammeln.
Ich muss es mir nur lange genug selbst sagen, irgendwann werde ich schon ruhiger. Gleichzeitig bemerke ich aber auch die positiven Nebeneffekte. Ich bin ausgeglichener. Die Figuren, die mir durch den Kopf gehen, sind konturierter, nicht mehr verwaschen, der Humor, der zu meiner Schreibe gehört, kehrt langsam zurück.
Es ist schon seltsam, wie ein wenig Abstand das Gehirn anregt. Und auch wenn mir die Zeit des Abstands sehr lange geworden ist, Körper und Geist sagen danke.
Zwei Wochen sind nicht die Welt, aber meine haben sie zum Besseren verändert – und genau deshalb plane ich, solche restriktiv-freien Zeiten in Zukunft regelmäßig ein.

Hinter den Kulissen: Gedanken einer Autorin zum Krieg

Um ehrlich zu sein, ich ertrage es kaum noch. Tagtäglich sehe ich Bilder, die ich nicht sehen will und die ich nicht verstehen kann: Mord, Gewalt und Krieg. Gerade gestern erst sagte ich zu meinem Mann, dass ich von einem Sommerloch in den Nachrichten gar nichts mitbekomme, denn die Themen, die da über die Mattscheibe flackern sind brisant und sie tun mir weh. All das Elend und Leid …
Ich habe keinerlei Bezug zu den Ländern, die sich derzeit im Krieg befinden. Ich bin Pazifistin, obwohl ich mich gedanklich und schriftlich schon oft genug mit Mord und Krieg auseinandergesetzt habe. Aber auch dem Dümmsten sollte bei diesem Anblick klar werden, dass etwas grundsätzlich schief läuft in unserer Welt.
Wenn ich diese Dramen aus Autorensicht betrachte, wird mir jedoch auf erschreckende Weise klar, dass einige von uns, deren Helden ebenfalls Kriege und Gewalt erleben, auf einem schmalen Grat wandern.
Krieg und Gewalt sind nicht romantisch, auch wenn das oft genug der Tenor ist. Der Held kämpft immer fair, während der Bösewicht tief in die Trickkiste greift. Trotzdem sind am Ende alle glücklich, weil das Gute triumphiert. Im wahren Leben jedoch sind da Hinterbliebene, die mit der Trauer fertig werden müssen, deren Gedanken bei jenen sind, denen Gewalt angetan, die getötet wurden. Und beide Seiten halten sich für die jeweils Guten und den anderen für das Böse. Wer trifft diese Entscheidung, wer fragt die Bevölkerung, die in Angst und Not ertragen muss, was ein paar Machthungrige hinter verschlossenen Türen beschließen?
So gerne ich Bücher lese, in denen um das Recht auf Freiheit oder um die Liebe oder was auch immer gekämpft wird, so bewusst sehe ich die Schattenseite davon im wahren Leben.
Mir wurde als Autorin fantastischer Romane oft genug vorgeworfen, meine Geschichten haben nichts mit der Realität zu tun. Gleichwohl möchte ich dem entgegnen, dass ich durchaus gesellschaftskritisch darin sein kann. Ob der Leser die versteckten Hinweise nun findet und erkennt, liegt wohl auch daran, inwieweit sich der- oder diejenige für sein Umfeld und Details interessiert.
Natürlich versuche ich den erhobenen Zeigefinger zu vermeiden. Aber wenn ich über Krieg schreibe, dann auch, dass es Tote gibt – sogar unter den Sympathieträgern und auch, dass die Hinterbliebenen diese nicht nach zwei Seiten vergessen. Ich kann mitnichten begreifen oder wiedergeben, wie sich die Bevölkerung eines Landes nach einem Angriff tatsächlich fühlt. Dazu sehe ich mich außerstande, denn ich genieße den Luxus in einem Land zu leben, in der Krieg keine große Rolle mehr spielt. Die Orte, an denen gebombt wird, erscheinen mir zu weit weg. Ein Blick auf die Weltkarte würde genügen, um zu sehen, dass sooo weit dann doch nicht stimmt. Deshalb kann ich nur das wiedergeben, was ich vielleicht fühlen würde, wenn mir so etwas zustieße und dennoch bleibt es ein leidlich winziger Tropfen dessen, was möglich ist.
Eines jedoch kann ich nach allem, was ich insbesondere in jüngster Zeit sehen musste, ob nun übertrieben dargestellt und gar nicht wahr (wie Kritiker behaupten) oder real, für mich sagen: Ich werde jetzt noch sensibler mit diesem Thema umgehen, auch im Hinblick darauf, dass nicht nur Bilder im Fernsehen abstumpfen, Gewalt in Romanen kann ebenso dazu führen.

Nach all diesen Gedanken bleibt immer noch die Frage, warum es die Menschheit nicht einfach schafft, endlich Frieden zu halten? Und die Erkenntnis, dass Hoffnung nicht so leicht auszumerzen ist, wie mancher Krieg vielleicht glauben macht … Meine Gedanken sind bei all jenen Familien, denen zur Zeit Schlimmes widerfährt.

Interview: Charlotte Erpenbeck (Machandel Verlag)

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Als Autorin des Machandel Verlages möchte ich euch auch einen kleinen Einblick hinter die Kulissen gewähren. Die Verlegerin Charlotte Erpenbeck war so nett, mir dabei zu helfen.

HBK: Hallo, Charlotte. Noch einmal herzlichen Dank, dass du dir Zeit genommen hast. Bitte stell dich doch kurz vor.
CE: Bücher verlege ich im Nebenberuf, wie vermutlich die meisten Inhaber von Kleinverlagen. Im Hauptberuf bin ich Apothekerin, in der sechsten Apotheker-Generation meiner Familie, und habe eine Tochter, die Pharmazie studiert, vermutlich als siebte Generation nach mir die Apotheke weiterführen wird und auf die ich fürchterlich stolz bin.

Ansonsten – ich bin bekennende Büchernärrin, Katzenfreundin und Giftpflanzensammlerin. Am lebenden Beispiel lassen sich diese gefährlichen Schönheiten nun mal am besten identifizieren, wenn Eltern mit unbekannten Blüten und Früchten zu mir in die Apotheke kommen und wissen wollen, ob ihre Kinder das gefahrlos verfrühstücken dürfen.

HBK: Eine Frage, die du sicher häufiger gestellt bekommst: Woher kommt der Name Machandel und wieso hast du dich ausgerechnet dafür entschieden?
CE: Ursprünglich sollte der Verlag Wacholder-Verlag heißen, nach dem großen Wacholderhain nahe meiner Heimatstadt Haselünne. Eine kurze Recherche im Internet ergab leider, dass es bereits einen Wacholder-Verlag gab. Da bin ich auf die plattdeutsche Variante ausgewichen, frei nach dem Märchen von dem Machandelboom der Brüder Grimm, das mich schon als Kind fasziniert hat. Es ist ein sehr grausames Märchen, überhaupt nichts für Kinder. Vermutlich aber fand ich es genau deswegen so faszinierend. Ich spreche übrigens kein Plattdeutsch, aber verstehen kann ich es ausreichend.

HBK: Machandel ist wie der Verlag Torsten Low ein Kleinverlag. Doch anders als bei Low hast du ein deutlich gemischteres Programm. Wie kam das zustande und wird das so weitergehen?

Teil III der Krimireihe von Rita Janaczek

Teil III der Krimireihe von Rita Janaczek

CE: Das Programm ist wirklich ein ziemlicher Gemischtwarenladen. Das hat seinen Grund im Ursprung des Verlages. Bevor es den Verlag gab, habe ich Bücher repariert und gebunden. Aus dieser Zeit stammt mein Faible für Künstlerbücher und Miniaturbücher. Dann habe ich anlässlich einer Ausstellung mit alten Fotos in meiner Heimatstadt mein erstes Buch verlegt,  „Haselünner Frauen“, und dazu zwecks sauberer Abgrenzung von der Apotheke den Verlag gegründet. Daraus wuchs die zweite Sparte, Lokalhistorie. Aus meiner Vereinsarbeit im örtlichen Mütterzentrum entstand danach das erste Kinderbuch. Und dort traf ich auch auf  Rita Janaczek, die ihren ersten Krimi von mir verlegen lassen wollte.

Die Fantasy kam anlässlich der Pleite des Intrag-Verlages dazu, wo ich eine Geschichte veröffentlichen wollte und plötzlich eine Autorin ohne Verlag war. Auf der Suche nach Leidensgenossen stieß ich auf den Tintenzirkel. Und bereits nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass Fantasyromane meine Lieblings-Verlagsbücher werden würden. Kunststück, bei so vielen fähigen Autoren, auf die ich da gestoßen war!

In der Zukunft wird der Schwerpunkt des Verlages daher sehr viel eindeutiger bei der Fantasy liegen.

HBK: Wie andere Kleinverleger auch hast du einen Brotjob und Familie. Gleichzeitig weiß ich, dass du auch noch selbst schreibst und im Tintenzirkel aktiv bist. Wie schaffst du es, das alles unter einen Hut zu bringen? Denn soweit ich weiß, ist Machandel bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Korrektorat) ein Ein-Frau-Betrieb.
CE: Hm, ja, Multitasking? Sollen wir Frauen ja können. Ich vermute aber, es liegt eher daran, dass ich unheimlich schnell lesen kann, eine blühende Fantasie habe und abends sehr lange auf bin. Nachteule von Beruf, sozusagen. Zudem sind da noch die bei uns relativ ruhigen Nachtdienste, die sich ideal für Lektoratsarbeit eignen.

HBK: Du machst – vermutlich aus Kostengründen –  den Großteil der Cover selbst. Was sagst du zu den Kritiken, die hier und da hochkommen, dass diese hässlich wären bzw. unprofessionell?
CE: Was soll ich dazu sagen? Kostengründe stimmt natürlich – klar, ich bin keine Künstlerin im klassischen Sinn, es gibt sicher dutzende von Leuten, die das viel, viel besser können als ich. Nur dass ich sie als Kleinverlag einfach nicht bezahlen kann. Und diejenigen, die ich bezahlen kann, da möchte ich mal behaupten, dass ich in vielen Fällen genauso gut bin wie die. Immerhin verkaufe ich (meist unter anderem Namen) bei mehreren internationalen Stockphoto-Agenturen Fotos und Vektorgrafiken. Ganz so unprofessionell sind meine Bilder dann wahrscheinlich doch nicht.

Hässlich – nun ja, Geschmäcker sind verschieden. Ich kann mit den Bildern leben, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Abgesehen davon sieht ein Verlag nicht unbedingt primär auf Schönheit des Titelbildes, sondern darauf, dass es eine bestimmte Stimmung verkauft, relativ Genre-typisch ist und möglichst bei Amazon als Thumbnail noch etwas erkennen lässt.

Wenn die Leser das geändert haben möchten, gibt es eine ganz einfache Lösung: Kauft ganz viele Bücher aus meinem Verlag! Dann kann ich mir auch professionelle Künstler leisten!

HBK: Sehr gute Einstellung! 😉 Seit einigen Jahren erscheint einmal jährlich eine Märchen Anthologie bei dir. Wie bist du darauf gekommen? Und warum ausgerechnet Märchen? Wie lange soll die Reihe noch gehen? Grimm, Andersen und in diesem Jahr Möbius sind abgedeckt. Nächstes Jahr sollen russische Märchen erscheinen. Was kommt als nächstes?

Anthologie Andersens Märchen Update 1.1

Anthologie Andersens Märchen Update 1.1

CE: Die Märchen-Reihe wird mindestens ein Dutzend Bücher umfassen. Sie ist so konzipiert, dass immer abwechselnd eine deutsche bzw. eine Märchensammlung anderer Nationen als Vorlage dient. Aus dieser Vorlage werden dann von verschiedenen Autoren moderne Kurzgeschichten geschrieben. Märchen als Krimis, Märchen als Fantasy, Märchen als reale Lebensgeschichten, Fortsetzungen bekannter Märchen, Märchen mit alternativen Enden usw. Bislang haben wir Grimm – deutsch, Andersen – dänisch, Musäus – deutsch, in Arbeit sind russische Volksmärchen, danach kommt wieder eine deutsche Märchensammlung, außerdem liebäugele ich noch mit lateinamerikanischen Märchen, japanischen Märchen, irischen Märchen … Ich hoffe auf eine bunte, interessante Märchenreihe.

HBK: Du bekommst sicher sehr viele Manuskripte unaufgefordert eingereicht; und ich weiß, dass du (abgesehen von Bestandsautoren) derzeit einen Annahmestopp hast. Aber womit könnte dich dennoch ein Autor überzeugen, dass du eine Ausnahme machst?
CE: Ein bisschen Magie reicht schon. :-)

Um genau zu sein, besagter Autor sollte Fantasy oder Krimis schreiben, die gut genug sind, um mich auf Anhieb zu fesseln. Wenn ich ein Manuskript in zwei oder drei Abenden durchlese (manchmal auch an einem Abend), weil ich einfach wissen will, wie es weitergeht, dann hat der Autor mich geködert, dann möchte ich es unbedingt verlegen. Es ist also ein rein persönliches Kriterium. Die Geschichte muss mir nur wirklich gut gefallen.

HBK: Verrate mir doch mal, ohne Namen zu nennen, wie die schlimmste Bewerbung aussah. Du hast da sicher schon so einiges erlebt, oder?
CE: Allerdings. Die schlimmste Bewerbung war ein heftig erotischer Text in beinahe Gossenniveau auf einem Papier, dass so intensiv nach Qualm roch, dass ich das Gefühl hatte, in einer verräucherten Kneipe zu sitzen.

HBK: Urgs, wirklich eine unappetitliche Vorstellung. :S Wenn du könntest, welchen Autor würdest du gerne unter Vertrag nehmen und warum?
CE: Kim Harrison. Ihre „The Hollows“-Serie (Urban Fantasy) mit Hexen, Vampiren, Werwölfen, Dämonen und bösartigen Elfen finde ich überaus reizvoll und sehr gut im Weltenbau. Zudem ist sie spannend und hat ständig neue Entwicklungen zu bieten, also genau das, was ich mag.

HBK: Der Machandel Verlag feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum. Teil doch deine schönsten und deine schlimmsten Momente in ein paar Sätzen mit uns.
CE: Schlimmste Momente gibt es viele. Und zwar meist, wenn ich merke, dass ich aus irgendwelchen Gründen meinen Zeitplan nicht schaffe. Ich habe dann immer das Gefühl, meine Autoren schwer zu enttäuschen.

Meine schönsten Momente: Das sind klar die zwei Male, die ich bereits einen Verlagsstand auf der Leipziger Messe hatte – Buchmessen sind zwar ordentlich Arbeit, machen aber total Spaß –, und natürlich jener erste Monat mit „Höllenjob für einen Dämon“, als das Buch sich verkaufte und verkaufte und verkaufte und ich genauso fassungslos wie du, Helen, auf die Verkaufszahlen starrte. [Anm. der Redaktion: Ich habe Charlotte nicht für diese Aussage bezahlt. Ehrlich nicht! :) ]

HBK: Und weil ich ganz schrecklich neugierig bin: Welches Buch kommt als nächstes bei Machandel heraus?
CE: Welche Sparte? :-)

In der Abteilung Geschichte beispielsweise wartet ein Tagebuch aus dem ersten Weltkrieg auf sein Erscheinen, und auch ein Krimi und ein Sachbuch sind kurz vor der Fertigstellung.

Aber deine Leser interessieren sich sicher mehr dafür, welches Fantasy-Buch als nächstes herauskommt. Der Silberwolf, ein Jugend-Fantasybuch oder All-Ager, ist mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit das nächste Buch.

HBK: Liebe Charlotte, auch für mich waren da ein paar neue Erkenntnisse unter deinen Antworten und es hat mich außerordentlich gefreut, dich mit Fragen löchern zu dürfen. Jetzt darfst du gerne noch ein paar Worte direkt an meine Leser richten oder auch ganz schamlos Werbung machen.
CE: Dann möchte ich allen deinen Lesern sagen, dass sie spätestens im Oktober unbedingt auf unsere Webseite kommen sollen. Bis dahin werden nicht nur unsere Neuerscheinungen für dieses Jahr fast alle erschienen sein (mit Ausnahme der Märchen-Anthologie, die Anfang Dezember erscheinen soll), sondern es werden voraussichtlich auch alle unsere Fantasy-Titel komplett als Ebooks online sein, sowohl bei Amazon als auch im iBookstore, bei Thalia, Weltbild, txtr usw., also in allen wichtigen Ebook-Formaten und Shops. Die ersten Titel bieten wir jetzt schon in mehreren Shops an, alle sauber von der Verlagswebseite aus verlinkt.

Von links nach rechts: Tina Alba: Nachtjägerherz Horst Berger: Bennis Schwur D. Fries: Chroniken des LIchts 2 Angelika Diehm: Das grüne Tuch

Von links nach rechts:
Tina Alba: Nachtjägerherz
Horst Berger: Bennis Schwur
D. Fries: Chroniken des Lichts 2: Und der Spaß geht in Venedig weiter
Angelika Diehm: Vollstrecker der Königin – Das grüne Tuch

Ich wünsche allen unseren Lesern, dass sie an den Büchern, egal ob gedruckt oder elektronisch, genauso viel Spaß haben werden wie ich!

P.S.: Ebooks eignen sich perfekt für die Urlaubslektüre – und gedruckte Bücher sind nicht nur schön für das eigene Regal, sondern auch gute Geschenke!

Hinter den Kulissen: Die Helfer im Hintergrund

Wie in meinem Beitrag zu den Sidekicks schon erwähnt, funktionieren gerade im Bereich der Satire Figuren oft besser, wenn man ihnen einen Helfer zur Seite stellt, der sie größer, besser, strahlender oder unter Umständen auch dümmer dastehen lässt.
Dieses System lässt sich auch auf das reale Leben übertragen. Insbesondere auf die Tätigkeit als Autor. Wir sind sensible Seelchen, die leicht aus der Fassung gebracht werden können. Ein hängender Plot kann uns dermaßen aus der Bahn werfen, dass wir in Depressionen verfallen, unser Projekt hassen und alles hinschmeißen wollen.
Im Idealfall helfen Freunde und Familie, Ablenkung oder auch ein Spaziergang. Aber oft genug reicht nicht einmal das aus. Wir brauchen Antreiber. Ich meine das nicht im negativen Sinne. Wir brauchen einfach jemand, der uns hilft, aus unserem Schreibtief herauszukommen. Das kann durch Ermutigung, verbale Streicheleinheiten, Komplimente, aber auch durch Tritte, Schreie und verbale Schläge erfolgen.
Mir gefällt die Vorstellung, dass Autoren wie Boxer sind. Sie kämpfen, schlagen sich wacker, aber irgendwann kommt der Moment, in dem sie über das Aufgeben nachdenken. Die Augen sind zugeschwollen, die Nerven liegen blank und die Kräfte lassen nach. In der Ecke steht jedoch der Trainer. Er hat das Handtuch in der Hand. Er könnte es werfen, tut es aber nicht. Stattdessen brüllt er den Boxer an, motiviert ihn – je nachdem, was er denkt, das hilft, schreit oder lobt er. Ein Projektpate ist der Autorentrainer. Er ist da. Am Ende einer schwierigen Szene sagt er: Gut gemacht. Oder das Gegenteil. Je nachdem.
Aber was das Wichtigste ist: Er fängt den Autor auf, wenn er zu straucheln droht. Projektpaten sind etwas Wunderbares und ich möchte sie nicht mehr missen. Ohne Projektpaten wären einige meiner Ideen niemals geschrieben worden.
Ich habe derzeit eine wunderbar, kritische Projektpatin, die einen gekonnten rechten Haken schwingt und ohne die ich überhaupt nicht weiterkäme. Daher einfach mal: Danke!

 

Hinter den Kulissen: Plot, du fieser kleiner Mistkerl!

Aus gegebenem Anlass möchte ich meiner Frustration Ausdruck verleihen. Es geht um das Thema Plots. Einige nennen sie liebevoll Plutbunnys, andere finden gar keine Namen für sie, wieder andere verfluchen den Tag, an dem sie beschlossen, überhaupt mit dem Schreiben zu beginnen. So wie ich. Heute Morgen. Aber zum eigentlichen Thema: Plots sind wie Teenager in der Pubertät: unkontrollierbar, unberechenbar und noch so Vieles mehr.

Zum einen wäre da der Halbstarke. Er kommt angerauscht, verlangt umgehende Aufmerksamkeit und wenn man ihn in seine Schranken weist, motzt er oder stellt sich auf stur. Jeder Autor kennt ihn, er ist wirklich ein schwieriger Zeitgenosse, den man am liebsten erwürgen oder einsperren würde. Beides funktioniert in den seltensten Fällen. Passt man nicht auf, überrollt der Halbstarke den schutzbedürftigen und schwächeren Schüchternen.

Der Schüchterne Plot ~ bitte nicht erschrecken ~

Der Schüchterne Plot
~ bitte nicht erschrecken ~

Dieser hat die Angewohnheit, um den Autoren herum zu schleichen. Er streichelt die Synapsen des Schreibers, suggeriert einen Wohlfühlfaktor, der uns Autoren schnell schwach werden lässt. Wir wollen diesen Plot, denn er scheint besonders wertvoll. Doch der Schüchterne will geködert werden. Er verlangt kaum so viel Aufmerksamkeit wie der Halbstarke, weil er über deutlich mehr Geduld verfügt, gleichzeitig lässt er sich aber bitten. Wird man ihm zu forsch, kauert er sich in eine Ecke und macht zu. Dann benötigt es noch mehr Geduld, ihn da wieder herauszulocken. Am Ende belohnt er den Autor aber damit, dass er sich in voller Schönheit präsentiert und ihm das Gefühl vermittelt, etwas Besonderes geschaffen zu haben.

Anders als die Diva. Dieser Plot ist eng verwandt mit dem Halbstarken. Doch wo der mault und notfalls aggressiv. Diva ist da und will geschrieben werden. Aber zu ihren Bedingungen bitte schön. Früh am Morgen? Hey, da schlafen wir noch, also lass das Autor. Wie, du brauchst erst einen Kaffee, um in die Gänge zu kommen, Finger weg, jetzt komme ich. Die Diva weiß um ihre Stärken. Sie will zwar ebenso betüddelt werden wir der Schüchterne, aber sie weiß auch, was sie will. Bekommt sie es nicht, rammt sie ihre spitzgefeilten Fingernägel in die Autorenseele, bis diese nachgibt.

Die Plot-Diva ~ keine Autogrammanfragen bitte ~

Die Plot-Diva
~ keine Autogrammanfragen bitte ~

Dann hätten wir da noch den Widerspenstigen. Er will einfach nicht. Einmal erdacht könnte der Autor ja loslegen und schreiben. Nicht so mit dem Widerspenstigen. Der stemmt erstmal die Hacken in den Boden, verschränkt die Arme vor der Brust und schieb das Kinn vor. Mit mir nicht, Alter!, hören wir die unausgesprochenen Worte, die der Widerspenstige uns entgegenwirft. Jeder Satz ist eine Qual und verlangt dem Autoren alles ab.

Ihm gegenüber steht der Sonnenschein. Ein Plot, wie ihn sich jeder Autor wünschen mag. Unkompliziert, wohlstrukturiert, die feine Dame des Hauses. Sie hat keine Marotten, sie macht, was man ihr sagt, tugendhaft, sittsam und ehrlich. Leider ist die gute Dame heiß begehrt und findet nur in den seltensten Fällen Zeit. Da sie nicht nein sagen kann, gewinnt der Autor, der als erstes „Hier!“ schreit. (Und ich bin das ganz offensichtlich nie.)

Vermutlich gibt es noch viele weitere Formen des Plots, eine jedoch will ich nicht vergessen haben: Der Sprunghafte. Was Anfangs nach einem toll strukturierten Plot aussieht, verfliegt schon nach kürzester Zeit. Seiten füllen sich, der Plot verändert sich. Die Richtung, in die man ihn drängen möchte, mag er nicht, also ändert er sie kurzerhand. Stellt sich der Autor allzu quer, nimmt sich der Sprunghafte einfach ein paar Tage, Wochen oder schlimmstenfalls Monate oder Jahre Urlaub. Er lässt sich selten durch gutes Zureden zurück an seinen Platz gewinnen, denn er weiß um seine Stärken und vor allem die Schwächen des Autors.

Und, welche Plots laufen euch so über den Weg?