Kategorie-Archiv: Hinter den Kulissen

Hinter den Kulissen: Rezensionen – Ein Spiel zwischen Liebe und Hass

Da ich geplant habe, auch auf diesem Blog Rezensionen zu veröffentlichen, wollte ich einfach mal kurz dalassen, was es mir als Autorin bedeutet, eine Rezension zu erhalten.

Grundsätzlich betrachte ich Rezensionen als positiv – ungeachtet des Inhalts. Denn wie es schon seit langem heißt, auch schlechte Werbung ist gute Werbung. Es hält das Produkt, in meinem Fall das Buch, im Gespräch. Trotzdem wissen einige Rezensenten vielleicht nicht, dass die Meinungen und Bewertungen eines Buches für uns Autoren gleichzeitig Fluch und Segen zugleich sind.

Es ist nämlich nicht immer einfach über eine Bemerkung hinwegzugehen, sofern sie unterhalb der Gürtellinie trifft. Doch um das zu veranschaulichen, hier meine persönliche Einschätzung welche Arten von Rezensenten es gibt:

1. Der Profi
2. Der Gelegenheitsrezensent
3. Der Wohlwollende
4. Der Neider

Der Profi:
Der Profi besitzt meist eine eigene Homepage und betreibt das Rezensieren von Büchern beruflich oder zumindest als intensives Hobby oder aber er ist selbst Autor oder Lektor. Die Rezensionen fallen detailliert aus, sind in 99% der Fälle objektiv gehalten und beschäftigen sich auch mit Grundlegendem wie Rechtschreibung, Grammatik und Logik.
Den Prof liebe und hasse ich als Autor gleichermaßen. Gnadenlos deckt er meine Schwachstellen auf, stellt sie zur Schau und lässt mich genau wissen, woran ich noch arbeiten muss. Genau das ist es, was ihn mich gleichzeitig lieben lässt. Von einem solchen Rezensenten lerne ich, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Der Gelegenheitsrezensent:
Wohl der meist verbreitete Rezensent. Er schreibt auf, was ihm gerade auffällt, die Bewertung ist meist kurz gehalten und nicht unbedingt rechtschreibfehlerfrei. Besonders oft findet sich dieser Rezensent, wenn ihm etwas nicht gefällt, wobei dann leider in vielen (nicht allen!) Fällen die Begründung fehlt. Lobt er jedoch, fühlt es sich für mich als Autor an wie ein kleines Schulterklopfen, denn mit diesem Rezensenten habe ich offensichtlich meine Zielgruppe erreicht.

Der Wohlwollende:
Er schreibt, weil er sich dazu verpflichtet fühlt. Der Wohlwollende kann gleichzeitig auch ein Gelegenheitsschreiber sein, würde aber niemals eine negative Kritik dalassen. Für ihn ist immer alles rosarot und er lobt über den grünen Klee. Wohlwollende helfen mir als Autor leider nicht dabei, mich zu verbessern, aber es ist dennoch gut, dass es sie gibt, sie fördern die Sichtbarkeit des Buches. Und – mal ehrlich – wir Autorenseelchen lieben es einfach gelobt zu werden. Oder?

Der Neider:
Auch ihn gibt es. Leider. Nur, wenn ich sage, dass schlechte Kritiken auch gute Kritiken sind, muss ich gestehen, hört mein Verständnis beim Neider auf. Inzwischen sind einige Neid-Rezensenten bekannt. Es sind zumeist Autoren, die jedes Buch verteufeln, das im selben Genre erscheint, in dem auch sie schreiben. Sie dulden einfach keine „anderen Götter“ neben sich. Ihre Kritiken entbehren jeder Grundlage, sind inhaltslos und in einigen Fällen verleumderisch oder schlichtweg falsch. Spricht man den Rezensenten an und bittet um konkrete Details bekommt man vermutlich niemals eine Antwort. Mir zumindest ist es bisher so gegangen. Hier hilft leider nur Beruhigungstee und viel Geduld – wenn man nicht den Klageweg beschreiten will. Solche Meinungen verschwinden in den meisten Fällen von selbst ans Ende einer langen Liste von Profi-, Gelegenheits- und wohlwollende Rezensenten.

Ihr seht also, eine Rezension kann neben hohen Verkaufszahlen noch viel mehr bewirken. In den schlimmsten Fällen stürzt sie einen Autor in eine Depression, im besten Fall motiviert es dazu noch besser zu werden.

Und bei eurer nächsten Rezension wisst ihr dann auch, in welche Kategorie ihr eventuell bei mir fallen könnt. 😉

Hinter den Kulissen: Sidekick – nötig oder nervig?

Barrique und eine Bestie (gezeichnet von Maria Schramm)

Barrique und eine Bestie (gezeichnet von Maria Stamm)

Batman hat Robin, Kermit Miss Peggy (oder umgekehrt, da streiten sich die Geister) Sherlock Holmes hat Watson. Sidekicks. Autoren arbeiten gerne mit ihnen. Aber warum ist das so? Und wie kommen sie zustande?
Natürlich habe ich keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage, aber ich will mal aus dem Nähkästchen plaudern.

Zunächst einmal, was ist ein Sidekick?
Der Begriff kommt aus dem Englischen und steht für Handlanger oder Kumpan. Das allein würde schon genug erklären, aber in Romanen oder Filmen kommt dem Sidekick eine besondere Rolle zu.
Im einfachsten Fall dient der Sidekick dazu, bestimmte Erkenntnisse zu diskutieren, in anderen Fällen hilft er der Hauptfigur, an zwei Stellen gleichzeitig zu sein. Ein schönes Beispiel ist hierbei Batman und Robin oder wie in der Fernsehserie „Arrow“ der ehemalige Leibwächter John Diggle, der sich hin und wieder als Held verkleidet, damit dessen Tarnung nicht auffällt.

Verwende ich Sidekicks?
Ja.
Bei den Höllenjob-Romanen z.B. die Stimme Gottes, namentlich bekannt auch als Metatron ist die Linas „innere Stimme“, mit der sie diskutiert und die ihr mit einer ordentlichen Portion Weisheit zu helfen versucht.
Als ich Metatron erschuf, diente er mir als Möglichkeit, die Protagonistin einen inneren Dialog führen zu lassen, ohne dass es langweilig wurde. Es war nie mein Ziel, ihn zum Sympathieträger auszubauen, das hat er ganz von alleine geschafft. Denn seine Aufgabe war es einfach, in den unmöglichsten Situationen da zu sein. Ein Satz, ein Wort, ein Lacher sozusagen.
Bei meinem aktuellen Projekt ist ein Butler der Sidekick, der meinen Protagonisten absichtlich falsch versteht, ihn dadurch zum Nachdenken zwingt und die Tragik und Spannung abmildert.
Man sieht also, ich benutze meine Sidkicks ihrem eigentlichen Zweck entsprechend. Sie sind da, weil ich sie benötige, um die Handlung aufzulockern oder voranzutreiben.

Wie kommen sie zustande?
 Diese Frage ist deutlich schwerer zu beantworten, denn auch wenn ich gerne behaupten würde, die von mir verwendeten Nebenfiguren wären alle so erdacht, muss ich zugeben, dass sie in 99% der Fälle einfach auftauchen. Wie Barrique zum Beispiel, der Koboldkanzler meiner Bestien.

Calliou (gezeichnet von Maria Schramm)
Calliou (gezeichnet von Maria Stamm)

Er stand urplötzlich mitten im Text. Klein, grün und unsagbar besserwisserisch. Ich konnte ihm nicht widerstehen und habe ihn eingebaut. So sehr sogar, dass er im Laufe der Romanentwicklung derart eigenständig wurde, dass er fast schon als Hauptfigurcharakter hatte.

Einfach mal einbauen?
Nun ja, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Auch eine Nebenfigur benötigt eine Legende. Ich kann nicht eine eindimensionale Figur schaffen, sie im Text agieren lassen, ohne dass etwas dahinter steht. Jeder meiner Sidekicks hat eine Vergangenheit. Diese kann sterbenslangweilig oder hochgradig anspruchsvoll sein wie meine eigentlichen Figuren auch, darauf kommt es nicht an. Sondern darauf, dass sie authentisch bleiben. Ich bin der Meinung, dass gerade Sidekicks je nach Roman mehr Format benötigen als die Figuren, die sie begleiten. So ist mir beispielsweise die Figur des Watsen geläufiger und tiefergehender bekannt, als Sherlock selbst. Wenn ich also einen Sidekick agieren lasse, muss ich mir sicher sein, dass seine Figur dieses Verhalten einen ganzen Roman lang durchhält. Eine Entwicklung oder 180-Grad-Drehung ist nicht erwünscht.

Kein Sidekick, kein guter Unterhaltungsroman?
Soweit würde ich jetzt nicht gehen. Es gibt genug Romane, die ohne auskommen. Aber gerade im Bereich der Satire oder der humorvollen Unterhaltung tauchen sie doch vermehrt auf. Mich stören sie nicht, es sei denn, der Sidekick ist als nervig angelegt, Killi aus der Schattentänzer-Saga zum Beispiel schrammt da in meinen Augen hart an der Grenze vorbei. Sidekicks sollen eben den Leser dazu animieren, am Ball zu bleiben und nicht dazu, das Buch wegzulegen.

So, das waren meine Gedanken zum Thema. Ich finde nicht, dass Sidekick unbedingt nötig sind. Richtig eingesetzt jedoch, bereichern sie einen Roman und sind alles andere als nervig.
Vielleicht möchtet Ihr noch etwas dazu beitragen? Dann nur zu, meine Sidekicks beißen nicht … die spielen nur.

Hinter den Kulissen: Transformation

Wir alle kennen das Märchen vom hässlichen Entlein, dass sich schlussendlich in einen wunderschönen Schwan verwandelt, und sicher wissen die meisten von uns, dass dies auch eine aufs Leben übertragbare Metapher ist, die inzwischen zwar sehr klischeehaft klingt, aber immer noch etwas Wahres in sich birgt.
Ich habe diese Erfahrung am eigenen Leib erlebt. Nein, nicht wirklich, aber mein Projekt. Begonnen hat alles als Thriller. Ein bösartiger Mörder, der sein Unwesen treibt. Ein Held, mit heldenhaften Kräften, der unter Verdacht gerät. Eine Frau, die zeigt, dass Haare auf den Zähnen besser sind als Haare auf den Beinen. Alles zusammen in einen Topf geworfen mit fantastischen Elementen schien es mir das perfekte Zusammenspiel. Nur leider sahen es andere anders. Wie saures Bier bot ich das Manuskript an. Entweder war es „gerade nicht am Zahn der Zeit“, zu „fantasylastig“ oder „mein Gott, Steampunk will heutzutage ja nun wirklich niemand lesen“. Kurzum, ich war gefrustet. Mein Herz hing an diesem Projekt und so stand ich vor der Wahl: einmotten oder selbst veröffentlichen. Für letzteres, das stand relativ schnell fest, habe ich weder die Zeit noch die Mittel und für ersteres tat es mir besonders weh. Aber gut, dachte ich mir, in einer warmen Schublade kann dem Manuskript nichts passieren und irgendwann kommt der Tag, an dem es ein Zuhause findet.
Über eine Freundin bekam ich die Empfehlung zu einem Verlag, der sich auf Romantik spezialisiert hatte. Ich besah mir die Seite, fand, dass der Verlag sich sehr viel Mühe gegeben hat mit Gestaltung und Auswahl des Programms, zudem war ich von den Covern mehr als begeistert. Nach einem kurzen Disput mit einer befreundeten Autorin darüber, ob ich mich bewerben soll oder nicht, tat ich es kurzerhand mit eben jenem Projekt, das mehr Thrill als Love war.
Glaubt mir, das Herz sackte mir in die Hose und tiefer, als schon am nächsten Tag die Bitte kam, doch das Gesamtmanuskript einzureichen. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Die Verlegerin entpuppte sich als liebenswerte Persönlichkeit, die sich auch darauf verstand ein missverstandenes Ego wie das meine zu streicheln und wir versuchten es miteinander.
Zugegeben, einen Thriller in einen Liebesroman zu verwandeln, ist in etwa so einfach wie Atome mit der bloßen Hand zu spalten (he, ich bin nicht Chuck Norris!), aber wir gingen es an. Erst die Lektorin, die mir alles, was nicht in einen Liebesroman gehört, rigoros gestrichen hat, dann ich, die all diese Kommentare, Änderungen und Streichungen erst einmal verdauen musste.
Da waren sie, meine schlimmsten Befürchtungen. Mein geliebtes Manuskript, zerschnippelt, geschunden und am Boden. (Okay, ich bin melodramatisch, aber so hat es sich angefühlt. Isch schwör, ey!) Doch es half ja nichts. Vertrag ist Vertrag, und Helen musste ran.
Ich merkte schnell, dass es nicht ging, erst einmal die „leichten“ Änderungen herauszupicken. Zu viel baute aufeinander auf und bei einigen Dingen hatte ich echt Bauchschmerzen. Trotzdem biss ich mich durch. Meine Freunde und die Betas, die das Urprojekt kannten, mussten sich mein Gejammer anhören, mein Mann durfte die eine oder andere Tränen trocknen. Gut, es kamen noch berufliche Stolpersteine und andere Buchquerelen dazwischen, die mich weiter runterzogen. Aber ich wollte – auch mir selbst – beweisen, dass ich professionell sein kann.
Mit Geduld, sehr viel Geduld, Überzeugungskraft – und noch mehr Geduld schubste mich die Lektorin, wann immer ich mich wie ein bockiges Kleinkind verhielt. Mit Erfolg. Ich kam voran. Schritt für Schritt und meinem Ziel immer näher.
Nach dieser Etappe dann kam der Moment zu prüfen, was ich da jetzt aus den Anmerkungen gemacht hatte. Bereinigt und auf den Ebookreader geschoben, fing ich an zu lesen und … wurde überrascht.
Mein hässliches Entlein war zu einem wunderschönen Schwan geworden. Nicht mehr ganz das, was ich ursprünglich für ihn geplant hatte, aber immer noch ein sehr guter Roman.
Allein dafür muss ich schon der Lektorin dankbar sein, wenn ich es für die Chance nicht ohnehin schon wäre.
Es folgt jetzt noch ein kurzer Beta-Durchgang und ein weiteres Lektorat, das hoffentlich nicht mehr ganz so umfangreich sein wird und der Rest ist danach Lesersache.
Bis Dezember ist es noch eine Weile hin, aber ich hoffe, das Buch kommt an – als so schwere Geburt hat es das auf jeden Fall verdient.