Kategorie-Archiv: Rezensionen

Bis ins Herz der Ewigkeit von Alana Falk – Wenn der Tod so nahe ist …

Auch für „Bis ins Herz der Ewigkeit“ musste ich mir etwas mehr Zeit lassen. Anders als bei Anika Beers „Wenn die Nacht in Scherben fällt„, halte ich hier die Zielgruppe für deutlich älter. Alana Falk spielt mit den Emotionen des Lesers, was ebenfalls der Grund dafür war, weswegen ich das Buch erst einmal sacken lassen musste.

Erschienen ist der Roman bei Impress. Leider gibt es ihn nur als Ebook, denn ich hätte gerne eine gedruckte Fassung für mein Buchregal, aber wer weiß, vielleicht kommt das irgendwann noch. Das Ebook kostet derzeit 3,99€.

Klappentext:

„Hamburg im Jahre 1888. Die siebzehnjährige Kaufmannstochter Sarah weiß, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Längst hat sie sich damit abgefunden und fügt sich bereitwillig den Anweisungen ihres Vaters, sich zu schonen und den Familiensitz niemals zu verlassen. Doch dann begegnet sie Jan, dem Sohn der Schneiderin, der eine geheimnisvolle magische Gabe besitzt und einen längst verloren geglaubten Wunsch in ihr weckt: den Wunsch, ihrem Schicksal zu entkommen. Mit Sarahs Gefühlen für Jan wächst auch ihr Wille, um ihr Leben zu kämpfen. Aber die Zeit drängt und schon bald beginnt Sarah zu verstehen, dass es für die Erfüllung ihres Wunsches mehr braucht als bloße Magie… „

Cover:

Wir sehen eine junge Frau vor dem Hintergrund eines rosa eingefärbten Gebäudes. Gleichfarbige Ranken rahmen den oberen Teil des Covers ein. Für mich wirkt das Cover zwar der Zeit entsprechend, aber für die Zielgruppe viel zu nichtssagend. Mir persönlich gefällt es gut. [Da ich keine Rechte am Bild habe und mir das Cover (noch) nicht zur Verfügung gestellt wurde, verzichte ich darauf, werde es aber nachpflegen, sofern die Autorin oder der Verlag mir das Bild zukommen lassen. Wer es sich ansehen will, darf gerne hier entlang gehen.]

Handlung:

Sarah ist todkrank, trotzdem rebelliert sie gegen das strenge Regiment ihres Vaters, der sie eigentlich ja nur beschützen will. Unter der Aufsicht ihrer Mutter begegnet ihr der Schneidersohn Jan, der sie vom ersten Augenblick an fasziniert. Als Jan ihr dann anbietet, ihr bei einer Schiene zu helfen, die es Sarahs Onkel ermöglichen soll, wieder zuzugreifen, sagt sie ja.

Die beiden kommen sich näher und eine zarte Liebe entwickelt sich, die jedoch keine Chance auf Bestand hat. Trotz aller Sorgen um die Zukunft weigert sich Sarah, Jan die Wahrheit zu sagen, auch aus Angst, ihn zu verlieren, ehe sie stirbt.

Als es dann doch ans Tageslicht kommt, fühlt Jan sich zugegebenermaßen verraten. Aber anstatt Sarah zu verlassen, will er seine Gabe einsetzen, um sie zu retten. Er stickt Worte auf ein Tuch, die sie für immer an ihn binden sollen.

Doch Sarah stirbt und es scheint beinahe so, als wäre dies das Ende, doch dann hört Jan am Grab seiner Geliebten ihre Stimme, nachdem er das Gedicht aufgesagt hat, das er in das Tuch gestickt hat.

Mehr möchte ich nicht verraten, denn eigentlich ist das schon viel zu viel.

Meinung:

Alana Falk ist eine Autorin, der ich eine steile Karriere voraussage. Neben „Die blutroten Schuhe“ ist „Bis ins Herz der Ewigkeit“ ein Roman, der mich tief bewegt hat. Er ist nichts für Menschen, die ihre Gefühle nicht zeigen können, denn ich habe beim Lesen in den öffentlichen Verkehrsmitteln Rotz und Wasser geheult. Dabei schreibt Falk keinesfalls kitschig oder übertrieben klischeehaft. Die Szenen sind so einfühlsam gestrickt und miteinander verwoben (obwohl es Rückblicke gibt), dass man gar nicht anders kann, als sich tragen zu lassen.

Es ist schön zu lesen, dass Fantasy nicht gleichbedeutend mit exotischen Kreaturen sein muss. Besonders begeistert war ich von dem kurzen Gedicht, das so wenig Text enthält, aber gleichzeitig so viel aussagt. Ich glaube, wenn ich dieser Tage noch einmal heiraten würde, würde es ins Ehegelübde miteinfließen.

Fazit:

Was soll ich sagen? Sechs Sterne kann ich nicht vergeben, weil es nur fünf gibt. Dennoch finde ich, der Roman ist ein wahres Glanzstück. Ich würde es mir sehr gerne in meine Sammlung an Printexemplaren stellen, aber das ist leider nicht möglich. Aber ich weiß jetzt schon, dass ich das Ebook sicher nicht nur ein einziges Mal lesen werde.

Von mir gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung an alle, die Fantasy mögen, ohne dass Vampire oder Elfen darin vorkommen. Also los, Leute, kaufen. Jetzt!

Wenn die Nacht in Scherben fällt von Anika Beer – Faszinierend verstörend

Ich habe mir lange Zeit gelassen, um diese Rezension zu schreiben, weil ich mir über einige Dinge klarwerden wollte. Denn dieses Buch hat mich ziemlich beeindruckt, um nicht zu sagen sehr bewegt. Aber dazu kommen wir später.
Erschienen ist der Roman bei cbj und kostet als Taschenbuch 12,99 €.

Klappentext:

„Schon immer waren Träume für Nele etwas ganz Besonderes, denn sie besitzt die Fähigkeit, sie zu steuern, wie es ihr gefällt. Doch als sie mit ihren Eltern von München nach Erlfeld zieht, taucht auf einmal jemand in ihrem Traum auf, den sie selbst nicht erschaffen hat: Seth, ein junger Mann, den sie unheimlich und zugleich anziehend findet. Aber was macht er in ihrem Traum? Als Nele sich in der neuen Schule mit Jari anfreundet, hofft sie, in ihm jemanden gefunden zu haben, dem sie sich anvertrauen kann. Doch dann verschwindet Jari wie vom Erdboden verschluckt. Nele macht sich auf die Suche nach ihm, und findet heraus, dass nicht nur er in Gefahr ist – sondern die gesamte Traumwelt zu zerbrechen droht …“

Cover:

Wie im Stil von „Als die Schwarzen Feen kamen“ ist das Cover haptisch ein Genuss. Die stilisiert dargestellten Scherben sind ein wenig erhabener und lassen dem Leser den Eindruck, einen Blick durch zerborstenes Glas in einen anderen Teil der Welt zu erblicken. Von mir hierfür volle Punktzahl. [Da ich keine Rechte am Bild habe und mir das Cover (noch) nicht zur Verfügung gestellt wurde, verzichte ich darauf, werde es aber nachpflegen, sofern die Autorin oder der Verlag mir das Bild zukommen lassen. Wer es sich ansehen will, darf gerne hier entlang gehen.]

Handlung:

Nele kommt in eine neue Stadt und fühlt sich vollkommen verloren. Doch sie ist eine Kämpfernatur, die sich Herausforderungen stellt. So geht sie auch direkt auf den stillen Jungen Jari zu, der sie auf eine gewisse Art und Weise fasziniert. Die beiden schließen eine scheue Art von Freundschaft, im Zuge derer Nele Jari von ihrem größten Geheimnis erzählt, nämlich, dass sie eine Klarträumerin ist und sich schon einmal in den eigenen Träumen verlaufen hat.

Zudem trifft in ihren Träumen Nele auf Seth. Ein Wesen, das ihr nicht geheuer ist, und das sie seltsamerweise an den fremden Kater erinnert, der ständig um sie herumstreunt.

Seth versucht sie, mit sich zu locken, doch Neles Instinkte warnen sie davor, sich soweit fallen zu lassen. Seth ist darüber sehr frustriert, gibt aber seine Bemühungen nicht auf.

Jari dagegen hat ganz andere Sorgen. Sein Vater ist gewalttätig, die Mutter trinkt. Jari will raus aus diesem Leben. Doch dann eines Tages geschieht etwas, das alles verändert. Er zieht sich in seinen geheimen Raum zurück, um sich selbst zu schützen, doch er findet einfach nicht wieder heraus.

Seth nutzt die Gunst der Stunde. Er will, dass sich Traum und Wirklichkeit miteinander verschmelzen, um so die faszinierende Nele für sich allein zu haben. Dass er damit das Ende der Welt, wie wir sie kennen einläutet, ist ihm vollkommen egal; und welche Rolle Jari dabei spielt – nun, das solltet ihr selbst herausfinden.

Meinung:

Ich bin kein Fan von Jugendbüchern, aber da ich die anderen Werke von Anika Beer sehr mag, habe ich mich auch an dieses gewagt und wurde keinesfalls enttäuscht.

„Wenn die Nacht in Scherben fällt“ ist ein bombastischer Roman. Ich sage diese mit allem Nachdruck, denn ich bin beeindruckt. Tagelang ließ mich die Geschichte zwischen Schlafen und Wachen, zwischen Jari, Nele und Seth nicht los.

Den ersten beklemmenden Moment hatte ich, als Jari sich zurückzog und gefangen war. Stundenlang – sogar im Büro – habe ich immer wieder darüber gegrübelt, denn die Szene ging mir wirklich nahe. Anika Beer hat feinfühlig die zersplitterte Seele eines Jugendlichen beschrieben, ohne in Kitsch oder Klischee zu verfallen. Mit Zartgefühl und bildgewaltiger Sprache hat sie mich in eine Zauberwelt entführt, wie ich sie mir nicht hätte vorstellen können. Ich habe schon einige Bücher über Traumwelten gelesen und kann nur sagen, dieser Roman zählt zu den besten seiner Art.

Der einzige Kritikpunkt, der aber durchaus im Gesamtkontext zu vernachlässigen ist, ist die Katzengöttin. Für mich kommt sie – im Vergleich zu Seth, Jari oder Nele – ein wenig blass daher. Und für eine Göttin hat sie auch recht wenig Kraft. Das ist zwar auf der einen Seite schön, weil sie dadurch keine Lichtgestalt per se ist, auf der anderen Seite dagegen hätte ich mir hier etwas mehr Verstand gewünscht, denn ohne ihr Eingreifen, wäre es niemals zu den schlimmen Vorfällen auf der Erde gekommen, die einzig und allein Seth zu verdanken waren.

Fazit:

Cover toll, Figuren authentisch und liebenswert, Inhalt spannend, fesselnd und aufwühlend. Ergo kann ich gar nicht anders als die volle Punktzahl vergeben. Anika Beer hat einen wundervollen Roman geschrieben, den ich uneingeschränkt empfehlen kann – und das nicht nur für Jugendliche. Für mich ist es der beste Roman der Autorin, den ich bisher lesen konnte, und ich hoffe, dass es bald einen weiteren gibt, in den ich eintauchen kann.

Die Spione von Edinburgh 1: Thimble House von Romy Wolf – Auftakt mit kleinen Schwächen

Es war mehr eine spontane Entscheidung die Ebook-Serie von Romy Wolf zu kaufen, die mit Thimble House beginnt. Zum einen lag es daran, dass ich gerade selbst in einem ähnlichen Setting unterwegs bin, zum anderen habe ich schon die eine oder andere Leseprobe von Romy gesehen und war neugierig.
Erschienen ist der Roman im Verlag Weltenschmiede und kostet € 0,99.

Klappentext:

„Ada Quinn ist das Mädchen ohne Vergangenheit. Von Ollie und dessen Vater liebevoll in die Familie aufgenommen, führt sie ein behütetes Leben – bis sie eines Tages auf die verschrobene Lady Fensworth trifft. Diese bietet ihr eine Anstellung als Hausmädchen an, doch was Ada in Thimble House erwartet, ist ein düsteres Geheimnis, das sie schon bald in Gefahr bringen soll …“

Cover:

Zur Verfügung gestellt von Romy Wolf

Zur Verfügung gestellt von Romy Wolf

Trotz Ebook haben sich die Verantwortlichen alle Mühe gegeben, ein zum Text passendes Cover zu erstellen. Man sieht Edinburgh durch einen etwas verklärten Blick.

Inhalt:

Gleich zu Beginn lernt der Leser Ada und Ollie kennen, die sich als Kinder begegnen und dann gemeinsam aufwachsen. Als Ada alt genug ist, arbeiten zu gehen, fängt sie in der Fabrik an, doch das ist ein Knochenjob. Eines Tages lernt sie Lady Fensworth kennen, die ihr eine Stelle anbietet. Ada hat gleich ein ungutes Gefühl, möchte jedoch einen weniger gefährlichen Job als in der Fabrik annehmen. Es kommt, wie es kommen muss, Ada fängt in Thimble House an, sehr zu Ollies Leidwesen, der – gelähmt und ans Bett gefesselt – seine einzige Zerstreuung im Lesen von Zeitungsgeschichten und –artikeln findet. Ollie verfügt über einen sehr scharfen Verstand, der ihn bald schon Zusammenhänge zwischen Morden in Edinburgh und Thimble House herstellen lässt. Tja, und dann trifft Ada das erste Mal auf den Verrückten, der in Thimble House lebt …

Meinung:

Mehr möchte ich nicht verraten, weil Romy Wolf eine Geschichte geschaffen hat, die sich mehr oder weniger erst im letzten Drittel aufklärt. Wer einen reinen historischen Krimi erwartet, wird jedoch enttäuscht sein, denn ähnlich wie Yalda Lewin mit ihrem paranomalen Berlin ein eigenes Umfeld mit diversen interessanten Fähigkeiten geschaffen hat, hat Romy Wolf ihre eigene Idee von Edinburgh umgesetzt.

Bei allem Lob gibt es aber auch Kritik. So ist der Einstieg der Geschichte für mich sehr verwirrend gewesen und ich hatte schon Sorge, dass es im weiteren Verlauf so weitergehen würde. Glücklicherweise wurde ich enttäuscht, aber dazu später mehr. Jedenfalls hat Wolf die Figuren von Ada und Ollie zu knapp eingeführt. Ich wurde vor vollendete Tatsachen gestellt, die ich anfangs nicht nachvollziehen konnte. Wobei mir Ollie dabei sogar noch intensiver vorkam als Ada, dabei spielt die Geschichte in deren Perspektive. Vielleicht hätte hier ein intensiveres Lektorat geholfen, ich weiß es nicht. Je weiter die Novelle allerdings voranschreitet, desto sicherer wird Wolf mit ihren Charakteren. Jeder für sich gesehen hat eigene Wesensmerkmale, die deutlich hervorstechen und dem Leser Sympathie entlocken.
Unangenehm fand ich allerdings die Szenensprünge. So endet eine Szene und eine neue beginnt direkt im nächsten Satz. Ich weiß nicht, ob dies nur durch das Ebook so bedingt ist oder ob beim Satz die Absätze versehentlich rausgefallen sind – oder was ich viel schlimmer fände – diese gar nicht gemacht worden sind. Durch diese Sprünge wurde ich massiv aus meinen Leserhythmus gerissen, musste zurücklesen und verlor dadurch einiges an Spannung.
Desgleichen bei den Momenten, wenn Adas Fähigkeiten, einen Zeitsprung zu machen, einsetzen. Warum hat man diese Stellen nicht einfach kursiv gesetzt? Dadurch wäre der Leser vorgewarnt gewesen, dass etwas geschieht. Spätestens nach dem ersten Zeitsprung rechnete ich sowieso damit, dass das immer wieder geschieht und es wurde ja auch direkt im Anschluss aufgeklärt, was da los war, so dass es sich mir nicht erschließt, warum dem Leser hier keine Hilfestellung geleistet wird.
Das Ende hätte für meinen Geschmack etwas dramatischer sein können, passt aber zum Rest des Buches, so dass ich das hier nicht wirklich als Kritikpunkt werten kann.

Fazit:

Thimble House ist eine leichte Lektüre für zwischendurch, hat aber auch nicht den Anspruch „höhere Literatur“ zu sein.  Es soll unterhalten und das tut es auch. Die Novelle liest sich – bis auf die bereits besprochenen Mängel – flüssig und spannend. Das Setting ist gut recherchiert, wenngleich ich an manchen Sätzen ein wenig knabbern musste, weil ich mit der Sprachmelodie nicht ganz klar kam, aber das ist eher mein Problem, als ein echtes Kriterium.

Alles in allem vergebe ich wohlmeinende 4 von 5 Punkten. Dass der erste Teil mit einem fiesen Cliffhanger endete, werte ich jetzt mal nicht negativ. 😉