Kategorie-Archiv: Drabble

Drabble: Ein herrliches Exemplar

Abendrot beleuchtete seinen perfekt geformten Körper. Jede einzelne Kontur wirkte, als sei sie von einem Bildhauer geschaffen. Ein Kunstwerk aus Kraft und Energie. Er sah Hedley mit brennendem Blick an, dann schüttelte er sich ein wenig, als sei ihm kalt. Seine schwarze Mähne wogte leicht, so dass sein Duft herüber wehte.
Hedleys Herz wurde weit, als er auf sie zutrat. Jeder Schritt bedächtig, wie um die Vorfreude auszukosten. Schließlich rieb er seine Nase an ihrer Halsbeuge, so dass Hedley erschauerte. Vorsichtig schob sie ihn beiseite. Dann stellte sie einen Fuß in den Steigbügel und glitt in den Sattel.
„Los geht’s!“

Drabble: Stell dich dem Kampf!

Der Schlag traf sie hart im Gesicht.
Regina schrie erbost auf. Ihre rechte Wange brannte wie Feuer. Bestimmt würde die Stelle anschwellen und leuchtend rot jedem mitteilen, der es nicht wissen musste, dass sie gekämpft hatte.
Ein weiterer Schlag, wieder ein Schrei. Langsam reichte es. Regina packte ihre Waffe fester, hob sie über den Kopf. Zur Hölle mit ihrem Gegner! Mit den Unterarmen schützte Regina ihr Gesicht und holte gleichzeitig aus. Zielen und …
Klatsch! Von der anderen Seite traf sie etwas am Ohr.
Regina knurrte, wie blöd konnte man eigentlich sein, einen Baum bei dem Wind stutzen zu wollen?

 

 

Drabble: Elend

Diese Schreie. Diese markerschütternden Schreie! Er presste die Hände auf die Ohren, weil er es nicht länger ertrug. Dieser Lärm. Die Angst. Der Gestank.
Er war ja nicht gerade zimperlich, hatte im Leben schon viel gesehen. Aber das?
Das Kreischen schwoll an, riss an seinen Trommelfellen, nagte an seiner Seele. Tränen rannen über seine Wangen. Er musste es beenden. Jetzt! Wenn er das Schicksal nicht in die Hand nahm und diesem Elend ein Ende setzte, mussten andere ebenso darunter leiden.
Er streckte die Hände aus, wappnete sich.
Hinter ihm rief seine Frau: „Herrje, Mann, wechsel‘ dem Baby endlich die Windeln!“

Drabble: Den Tod vor Augen

Er war verloren. Er wusste es. Ebenso wie er wusste, dass diese Kreatur ihn auffressen würde, sobald sie seiner habhaft wurde. Seine Versuche zurückzuweichen scheiterten.
Da! Diese gewaltigen Zähne, die unter dem gierigen Lächeln hervorblitzten, würden sein Ende sein. Er sah das Glitzern in den Augen der Kreatur, die unbändige Gier, die wie reinste Ekstase über das Gesicht zuckte. Eine Hand näherte sich ihm. Langsam. Bedächtig. Dann hörte er das Kichern, das so viel mehr sagte als tausend Worte.
Das eigene Lächeln festgefroren, schloss er seinen Frieden mit der Welt. Lebwohl!
„Finger weg, Shatan! Der Smiley-Muffin ist nicht für dich!“