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Hinter den Kulissen: Abstand gewinnen

Dieses Jahr war anstrengend. Nicht, weil ich wie im vergangenen Jahr viel gereist bin, sondern weil mein Schreibpensum extrem hoch war: Fertigstellen eines Romans, Umbauarbeiten an einem anderen, Neuschreiben eines dritten. Dazwischen immer wieder neue Ideen, die gesammelt werden wollten, Kurzgeschichten und und und.
Schon im Juni merkte ich, dass der Akku langsamer lädt als zu Beginn des Jahres und nahm mir fest vor, im Urlaub nichts zu tun, was mit Schreiben zu tun hat. Nun ja, die Renovierungsarbeiten hielten mich tatsächlich ab, aber an zwei Tagen habe ich doch geschrieben und meinen Vorsatz in den Wind geschossen. Dieses „nur noch eine Seite“, „nur noch eine Szene“, „nur noch ein Kapitel“ wurde irgendwann fast zur fixen Idee. Wie eine Süchtige hechtete ich in jeder freien Minute an mein Dokument, um ja weiterzukommen. Zum Schluss ließ ich mir nicht einmal mehr Zeit für Zweifel. Hauptsache, der Roman wird beendet. Darüber habe ich Freundschaften vernachlässigt und den Haushalt schweifen lassen. Typisches Suchtverhalten also. Eindeutig. Gleichzeitig merkte ich aber, dass die Qualität dessen, was ich fabrizierte nicht mehr ganz mir entsprach.
Deshalb zog ich die Reißleine. Außer Bloggen, Lesen und Ideen sammeln ist mir nur Chatten mit weit weg sitzenden Freunden und Telefonieren mit denselben erlaubt.
Zwei Wochen lang.
Ich darf mit Plots jonglieren, sie aber nicht schreiben. Ein total Reset ist der Plan. Zum einen soll er dabei helfen, wieder mit vernünftigem Blick an die Schreibarbeit zu gehen, zum anderen soll es der Erholung dienen, denn meine Schulter hat arg unter dem selbsterzeugten Druck gelitten.
Die Auszeit läuft bereits und endet kommenden Montag. Ich gestehe, ich gehe auf dem Zahnfleisch. Meine Finger jucken, wollen die Ideen, die sich jetzt fast gegenseitig umrempeln, unbedingt aufschreiben. Ich beiße die Zähne zusammen und bleibe eisern. Nur bloggen, chatten und Ideen sammeln.
Das sollte doch zu schaffen sein.
Bloggen, chatten, Ideen sammeln.
Ich muss es mir nur lange genug selbst sagen, irgendwann werde ich schon ruhiger. Gleichzeitig bemerke ich aber auch die positiven Nebeneffekte. Ich bin ausgeglichener. Die Figuren, die mir durch den Kopf gehen, sind konturierter, nicht mehr verwaschen, der Humor, der zu meiner Schreibe gehört, kehrt langsam zurück.
Es ist schon seltsam, wie ein wenig Abstand das Gehirn anregt. Und auch wenn mir die Zeit des Abstands sehr lange geworden ist, Körper und Geist sagen danke.
Zwei Wochen sind nicht die Welt, aber meine haben sie zum Besseren verändert – und genau deshalb plane ich, solche restriktiv-freien Zeiten in Zukunft regelmäßig ein.