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Hinter den Kulissen: Gedanken einer Autorin zum Krieg

Um ehrlich zu sein, ich ertrage es kaum noch. Tagtäglich sehe ich Bilder, die ich nicht sehen will und die ich nicht verstehen kann: Mord, Gewalt und Krieg. Gerade gestern erst sagte ich zu meinem Mann, dass ich von einem Sommerloch in den Nachrichten gar nichts mitbekomme, denn die Themen, die da über die Mattscheibe flackern sind brisant und sie tun mir weh. All das Elend und Leid …
Ich habe keinerlei Bezug zu den Ländern, die sich derzeit im Krieg befinden. Ich bin Pazifistin, obwohl ich mich gedanklich und schriftlich schon oft genug mit Mord und Krieg auseinandergesetzt habe. Aber auch dem Dümmsten sollte bei diesem Anblick klar werden, dass etwas grundsätzlich schief läuft in unserer Welt.
Wenn ich diese Dramen aus Autorensicht betrachte, wird mir jedoch auf erschreckende Weise klar, dass einige von uns, deren Helden ebenfalls Kriege und Gewalt erleben, auf einem schmalen Grat wandern.
Krieg und Gewalt sind nicht romantisch, auch wenn das oft genug der Tenor ist. Der Held kämpft immer fair, während der Bösewicht tief in die Trickkiste greift. Trotzdem sind am Ende alle glücklich, weil das Gute triumphiert. Im wahren Leben jedoch sind da Hinterbliebene, die mit der Trauer fertig werden müssen, deren Gedanken bei jenen sind, denen Gewalt angetan, die getötet wurden. Und beide Seiten halten sich für die jeweils Guten und den anderen für das Böse. Wer trifft diese Entscheidung, wer fragt die Bevölkerung, die in Angst und Not ertragen muss, was ein paar Machthungrige hinter verschlossenen Türen beschließen?
So gerne ich Bücher lese, in denen um das Recht auf Freiheit oder um die Liebe oder was auch immer gekämpft wird, so bewusst sehe ich die Schattenseite davon im wahren Leben.
Mir wurde als Autorin fantastischer Romane oft genug vorgeworfen, meine Geschichten haben nichts mit der Realität zu tun. Gleichwohl möchte ich dem entgegnen, dass ich durchaus gesellschaftskritisch darin sein kann. Ob der Leser die versteckten Hinweise nun findet und erkennt, liegt wohl auch daran, inwieweit sich der- oder diejenige für sein Umfeld und Details interessiert.
Natürlich versuche ich den erhobenen Zeigefinger zu vermeiden. Aber wenn ich über Krieg schreibe, dann auch, dass es Tote gibt – sogar unter den Sympathieträgern und auch, dass die Hinterbliebenen diese nicht nach zwei Seiten vergessen. Ich kann mitnichten begreifen oder wiedergeben, wie sich die Bevölkerung eines Landes nach einem Angriff tatsächlich fühlt. Dazu sehe ich mich außerstande, denn ich genieße den Luxus in einem Land zu leben, in der Krieg keine große Rolle mehr spielt. Die Orte, an denen gebombt wird, erscheinen mir zu weit weg. Ein Blick auf die Weltkarte würde genügen, um zu sehen, dass sooo weit dann doch nicht stimmt. Deshalb kann ich nur das wiedergeben, was ich vielleicht fühlen würde, wenn mir so etwas zustieße und dennoch bleibt es ein leidlich winziger Tropfen dessen, was möglich ist.
Eines jedoch kann ich nach allem, was ich insbesondere in jüngster Zeit sehen musste, ob nun übertrieben dargestellt und gar nicht wahr (wie Kritiker behaupten) oder real, für mich sagen: Ich werde jetzt noch sensibler mit diesem Thema umgehen, auch im Hinblick darauf, dass nicht nur Bilder im Fernsehen abstumpfen, Gewalt in Romanen kann ebenso dazu führen.

Nach all diesen Gedanken bleibt immer noch die Frage, warum es die Menschheit nicht einfach schafft, endlich Frieden zu halten? Und die Erkenntnis, dass Hoffnung nicht so leicht auszumerzen ist, wie mancher Krieg vielleicht glauben macht … Meine Gedanken sind bei all jenen Familien, denen zur Zeit Schlimmes widerfährt.