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Hinter den Kulissen: Wenn man sich selbst den Weg verrammelt

MauerEs gibt fast nichts Schöneres, als sich an den PC oder Laptop zu setzen, sein Dokument zu öffnen und es flutscht einfach. Ohne nachzudenken, taucht man ein in den Tunnel der Ideen und schreibt, bist die Finger qualmen. Wenn am Ende dann auch ein hervorragender (und vor dem inneren Lektor bestehender) Text herauskommt, umso besser.
Was jedoch, wenn man nach zehn geschriebenen Seiten, einer wunderbar ausgearbeiteten Szene mit tollen Effekten plötzlich feststellt, dass man Murks gebaut hat? Dass man sich selbst in eine Ecke manövriert hat, aus der es ohne fremde Hilfe kein Entkommen gibt?
So geschehen gestern bzw. vorgestern. Ich schrieb ein Kapitel zuende und startete ein neues. Um es zu überarbeiten, nahm ich mir einen Ausdruck mit in den Zug. Der Text war nicht schlecht, eigentlich sogar ganz gut, aber dann traf es mich. Ich hatte einen Weg beschritten, der in einer Sackgasse endete! Meine Figuren haben einen fulminanten Start hingelegt. Es gab viel Blut, eine Tote, einen Schwerverletzten und reichlich Emotionen. Dummerweise ignorierte ich völlig, dass die Tote dadurch zu einem Schlüsselelement werden könnte. Ihr Tod würde unausweichlich einen Krieg nach sich ziehen. Fatal, denn der Roman ist ein Prequel, die eigentliche Geschichte schon erzählt – und darin lebten die Angehörigen der Toten mit den übrigen Figuren in Eintracht … bis zu einem gewissen Punkt, aber das ist ein anderes Thema.
Was tun? sprach Zeus und furzte Blitze. Fragezeichen
Ich bat sogleich meine beiden Freundinnen Tanja Rast und Sarah König um Rat, die mir schon manches Mal den Poppes gerettet haben. Ihre Ideen klangen zwar toll, ließen sich aber entweder nicht mit dem Setting in Einklang bringen, weil die Vorraussetzungen falsch waren, oder es fehlte auch hierfür eine logische Erklärung.
Schweren Herzen wollte ich mich schon abfinden, diese grandiose Szene zu löschen, als mich einer von Zeus Blitzen traf. Ich änderte einfach die Voraussetzungen. Indem ich den Handlungsort verlegte, gelang es mir, jene Optionen zu umgehen, die den Krieg ausgelöst hätten. Eigentlich simpel, aber der Weg dorthin war nicht gerade einfach.

Jetzt bin ich erleichtert. Das Schreckensmonster ist gebannt, aber dennoch fürchte ich, habe ich jetzt das eine oder andere graue Haar mehr.

Hinter den Kulissen: Die Helfer im Hintergrund

Wie in meinem Beitrag zu den Sidekicks schon erwähnt, funktionieren gerade im Bereich der Satire Figuren oft besser, wenn man ihnen einen Helfer zur Seite stellt, der sie größer, besser, strahlender oder unter Umständen auch dümmer dastehen lässt.
Dieses System lässt sich auch auf das reale Leben übertragen. Insbesondere auf die Tätigkeit als Autor. Wir sind sensible Seelchen, die leicht aus der Fassung gebracht werden können. Ein hängender Plot kann uns dermaßen aus der Bahn werfen, dass wir in Depressionen verfallen, unser Projekt hassen und alles hinschmeißen wollen.
Im Idealfall helfen Freunde und Familie, Ablenkung oder auch ein Spaziergang. Aber oft genug reicht nicht einmal das aus. Wir brauchen Antreiber. Ich meine das nicht im negativen Sinne. Wir brauchen einfach jemand, der uns hilft, aus unserem Schreibtief herauszukommen. Das kann durch Ermutigung, verbale Streicheleinheiten, Komplimente, aber auch durch Tritte, Schreie und verbale Schläge erfolgen.
Mir gefällt die Vorstellung, dass Autoren wie Boxer sind. Sie kämpfen, schlagen sich wacker, aber irgendwann kommt der Moment, in dem sie über das Aufgeben nachdenken. Die Augen sind zugeschwollen, die Nerven liegen blank und die Kräfte lassen nach. In der Ecke steht jedoch der Trainer. Er hat das Handtuch in der Hand. Er könnte es werfen, tut es aber nicht. Stattdessen brüllt er den Boxer an, motiviert ihn – je nachdem, was er denkt, das hilft, schreit oder lobt er. Ein Projektpate ist der Autorentrainer. Er ist da. Am Ende einer schwierigen Szene sagt er: Gut gemacht. Oder das Gegenteil. Je nachdem.
Aber was das Wichtigste ist: Er fängt den Autor auf, wenn er zu straucheln droht. Projektpaten sind etwas Wunderbares und ich möchte sie nicht mehr missen. Ohne Projektpaten wären einige meiner Ideen niemals geschrieben worden.
Ich habe derzeit eine wunderbar, kritische Projektpatin, die einen gekonnten rechten Haken schwingt und ohne die ich überhaupt nicht weiterkäme. Daher einfach mal: Danke!