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Interview: Stefanie Mühlsteph

Stefanie Mühlsteph ©Lichtbildatelier Eva Speith, Darmstadt

Stefanie Mühlsteph
©Lichtbildatelier Eva Speith, Darmstadt

Obwohl es den Anschein haben könnte, schreiben nicht alle Autoren, die ich kenne nur Fantasy. Eine besonders liebe Ausnahme von dieser Regel ist Stefanie Mühlsteph. Ihr „NERDIKON – Die fabelhafte Welt der Nerds und Geeks“ und sein Nachfolger „TECHNIKGIRL – Wenn Mädchen Technik lieben“ sind der Beweis dafür. Wer jetzt jedoch erwartet, dass ich Stefanie zu diesen Romanen befrage, irrt sich, ich will ganz andere Dinge wissen.

HBK: Hallo, Stefanie. Es ist schön, dass du hier bist. Nimm Platz und lehn dich zurück.
SM: Hallo Helen! Sehr gerne! *mümmelt sich in den Sessel*

HBK: Auch wir kennen uns ursprünglich aus dem Tintenzirkel und haben uns in der Zwischenzeit angefreundet. Ich habe viele Hochs und Tiefs deiner Schreibkarriere mitbekommen. Wie schaffst du es, nach alledem trotzdem deine gute Laune zu behalten? Denn mal ehrlich, wenn wir uns sehen, strahlst du immer – und ich wage mal zu bezweifeln, dass das nur an mir liegt.
SM: Um ehrlich zu sein, ich habe schon oft ins Kissen geheult und mir gewünscht, dass ich es sein lassen kann, diese Schreiberei. Es ist aber wie es ist mit allen Drogen, man kommt nicht davon los und will es schlussendlich auch nicht. Ich kann nicht ohne leben, auch wenn meine Pausen bei tiefen Tälern lang sind. Aber schlussendlich findet mich meine Muse immer, zerrt mich unsanft am Bein unter der Bettdecke hervor, wäscht mir die Tränen aus dem Gesicht und macht mir Mut, dass es weiter geht, schließlich kann ich nicht ohne sie und sie nicht ohne mich.
Lachen ist dabei die beste Medizin, und natürlich so gute Freunde wie dich zu haben.
Oder um es mit dem Humor einer lieben Freundin auszudrücken: „Deine Drogen knallen einfach besser als meine“.

HBK: Du hast jüngst deinen Fantasy-Roman „Blutschwur“ beim Verlag Torsten Low veröffentlicht. Ich erinnere mich daran, dass du einen kleinen Auszug daraus vor Urzeiten in Darmstadt vorgelesen hast. Seit damals ist viel Wasser den Main entlang gelaufen. Wie froh bist du, dass der Roman endlich draußen ist.
SM: Am glücklichsten war ich an dem Tag, als ich um kurz nach Mitternacht die E-Mail von meinem lieben Verleger bekommen habe mit so wundervollen Worten, dass ich weinen musste vor Glück. Da wusste ich, ich habe nicht nur alles richtig gemacht, sondern auch einen tollen Verleger gefunden, für den es kein Buch ist, sondern Herzblut.
Als das Buch dann erschien (genau zur Leipziger Buchmesse 2014), habe ich es an mich gedrückt und wollte es nicht mehr los lassen. Nicht nur, weil es „endlich draußen ist“, sondern weil es ein Stück meines Herzens und ein Tropfen Herzblut eines super tollen Verlegers auf Papier ist, das nun alle Welt lesen kann. Ich liebe diesen Roman, seine Geschichte und Helden jetzt noch so innig wie vor drei Jahren. Er ist und bleibt meine erste große, wahre Liebe. Deswegen ist alles besonders und selbst die drei Jahre, die ich auf ihn gewartet habe, habe ich mit stiller Freude verbracht, weil ich wusste, dass es ein besonderer Moment sein wird, wenn ich das Buch das erste Mal in der Hand halte.

HBK: Und wohin wird die nächste Buchrichtung gehen? Technik, Fantasy – die Genres sind abgearbeitet. Was nun?
SM: Ich möchte so viel und ich habe noch massig Zeit, um mich auszuprobieren. Ich liebe das große Genre der Phantastik heiß und innig seit Teenagerzeit und da hat sich nie etwas daran geändert (die erste Liebe vergisst man nie). Ich schwärme aber auch für realistische Jugendbücher, außerdem will ich irgendwann in meinem Leben einen richtig geilen Erotikroman schreiben.
Ich hake zwar nichts auf einer Liste ab, aber ich möchte auch nichts ausschließen. Das habe ich besonders 2012 gelernt, als mir meine Agentur vorgeschlagen hat, ich solle doch mal das Genre „Populäres Sachbuch“ ausprobieren. Ich war erst sehr skeptisch … aber es hat mir ziemlichen Spaß gemacht – was ich niemals gedacht hätte.
Deswegen will ich nie wieder etwas ausschließen … außer vielleicht Horror, weil gruselig kann ich nicht … schräg ja, aber gruselig bin ich nicht … denke ich.

HBK: Viele Autoren ziehen ihre Inspirationen aus Reisen. Wie ist es mit dir? Hat dich eine Reise zu einem bestimmten Projekt inspiriert? Wenn ja, wohin ging es und was kam dabei raus?
SM:Blutschwur“ entstand tatsächlich aus einer Reise heraus, nämlich nach England/London. Dort wohnte ich für zwei Wochen in einem Studenten-Wohnhaus der Imperium London University. Ich habe sogar noch ein grünes Shirt mit dem Wappen des Uni! Jedenfalls war eines Abends in London unterwegs, stand in der Tube-Station, beobachtete die Leute, die an- und abfahrenden Züge und fragte mich … was könnte wohl passieren wenn man hier einschläft. Denn in London werden diese Haltestellen um ca. 23Uhr mit einem Rollgitter abgeschlossen.
Da standen sie dann plötzlich vor mir: Matthew und Richard.
Die Geschichte ergab sich dann schier von alleine, schließlich ist meine Heldin Geschichtsstudentin 😉
Was mich inspiriert sind – wie man sieht – auch typischerweise Reisen, bzw. das was ich tue (wie Baseball spielen und mich dabei verletzen wie ein Weltmeister) oder die Menschen, denen ich begegne. Alles baut sich in meinem Kopf zu Dialogen, Szenen und ganzen Geschichten zusammen.

HBK: Was steht 2014/2015 bei dir auf dem Programm?
SM: Eine Kurzgeschichte schreiben, Leseproben für willige Lektoren anfertigen, meinen ersten NaNo nach drei Jahren Pause vorbereiten, einen Ausbilderschein machen (ich quäle gerne junge Menschen *muhahahaha!*) … und meine Hochzeit planen.

HBK: Wenn du einen einzigen Wunsch frei hättest, was wäre das?
SM: Am Ende meines Lebens nichts bereuen zu müssen – keine verpassten Chancen hinterherweinen zu müssen.

HBK: Diesem Wunsch schließe ich mich natürlich gerne an. Aber sag, du bist auf Facebook sehr aktiv, du schreibst Bücher, hast einen Brotjob. Herrje, bleibt da überhaupt Zeit für die Familie?
SM: Ich twittere auch noch sehr fleißig und häkele gerne. 😉 Sicher bleibt Zeit für die Familie und Freunde. Ich habe mittlerweile gelernt mich gut zu terminieren und nur bewusst Zeit zu verschlunzen. Früher versumpfte ich gerne vor dem TV, heute bin ich konsequenter geworden und tippe zumindest Mails, während ich eine Wiederholung von Star Trek Voyager schaue.

HBK: Jetzt sag mir, was du mit dem Wort „Zitronenfalter“ verbindest.
SM: Tee und Kuchen – ja, ich bin verfressen.

HBK: Was man dir aber keinesfalls ansieht. 😉  Vielen Dank, Stefanie, dass du mitgemacht hast. Möchtest du deinen Lesern und Fans noch ein paar persönliche Worte mit auf den Weg geben?
SM: Ich möchte jedem sagen, der das hier liest, dass es wichtig ist, seine Träume nicht bei Seite zu schieben oder zu sagen „Das ist utopisch, das schaffe ich eh nie“. Man muss immer an sich und seine Träume glauben, selbst wenn die Zeiten hart sind.

HBK: Danke, Stefanie, dass du mir all diese Dinge verraten hast. Jetzt darfst du noch etwas sagen, ohne dass jemand die Richtung dirigiert.
SM: Falls ihr jemals von einem rosa einhornfressenden Zauberpony namens Gunther lest … denkt an mich. 😉

HBK: Und damit ihr wisst, wie Gunther aussieht, hat Stefanie mir ein Bild zur Verfügung gestellt:
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Interview: Charlotte Erpenbeck (Machandel Verlag)

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Als Autorin des Machandel Verlages möchte ich euch auch einen kleinen Einblick hinter die Kulissen gewähren. Die Verlegerin Charlotte Erpenbeck war so nett, mir dabei zu helfen.

HBK: Hallo, Charlotte. Noch einmal herzlichen Dank, dass du dir Zeit genommen hast. Bitte stell dich doch kurz vor.
CE: Bücher verlege ich im Nebenberuf, wie vermutlich die meisten Inhaber von Kleinverlagen. Im Hauptberuf bin ich Apothekerin, in der sechsten Apotheker-Generation meiner Familie, und habe eine Tochter, die Pharmazie studiert, vermutlich als siebte Generation nach mir die Apotheke weiterführen wird und auf die ich fürchterlich stolz bin.

Ansonsten – ich bin bekennende Büchernärrin, Katzenfreundin und Giftpflanzensammlerin. Am lebenden Beispiel lassen sich diese gefährlichen Schönheiten nun mal am besten identifizieren, wenn Eltern mit unbekannten Blüten und Früchten zu mir in die Apotheke kommen und wissen wollen, ob ihre Kinder das gefahrlos verfrühstücken dürfen.

HBK: Eine Frage, die du sicher häufiger gestellt bekommst: Woher kommt der Name Machandel und wieso hast du dich ausgerechnet dafür entschieden?
CE: Ursprünglich sollte der Verlag Wacholder-Verlag heißen, nach dem großen Wacholderhain nahe meiner Heimatstadt Haselünne. Eine kurze Recherche im Internet ergab leider, dass es bereits einen Wacholder-Verlag gab. Da bin ich auf die plattdeutsche Variante ausgewichen, frei nach dem Märchen von dem Machandelboom der Brüder Grimm, das mich schon als Kind fasziniert hat. Es ist ein sehr grausames Märchen, überhaupt nichts für Kinder. Vermutlich aber fand ich es genau deswegen so faszinierend. Ich spreche übrigens kein Plattdeutsch, aber verstehen kann ich es ausreichend.

HBK: Machandel ist wie der Verlag Torsten Low ein Kleinverlag. Doch anders als bei Low hast du ein deutlich gemischteres Programm. Wie kam das zustande und wird das so weitergehen?

Teil III der Krimireihe von Rita Janaczek

Teil III der Krimireihe von Rita Janaczek

CE: Das Programm ist wirklich ein ziemlicher Gemischtwarenladen. Das hat seinen Grund im Ursprung des Verlages. Bevor es den Verlag gab, habe ich Bücher repariert und gebunden. Aus dieser Zeit stammt mein Faible für Künstlerbücher und Miniaturbücher. Dann habe ich anlässlich einer Ausstellung mit alten Fotos in meiner Heimatstadt mein erstes Buch verlegt,  „Haselünner Frauen“, und dazu zwecks sauberer Abgrenzung von der Apotheke den Verlag gegründet. Daraus wuchs die zweite Sparte, Lokalhistorie. Aus meiner Vereinsarbeit im örtlichen Mütterzentrum entstand danach das erste Kinderbuch. Und dort traf ich auch auf  Rita Janaczek, die ihren ersten Krimi von mir verlegen lassen wollte.

Die Fantasy kam anlässlich der Pleite des Intrag-Verlages dazu, wo ich eine Geschichte veröffentlichen wollte und plötzlich eine Autorin ohne Verlag war. Auf der Suche nach Leidensgenossen stieß ich auf den Tintenzirkel. Und bereits nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass Fantasyromane meine Lieblings-Verlagsbücher werden würden. Kunststück, bei so vielen fähigen Autoren, auf die ich da gestoßen war!

In der Zukunft wird der Schwerpunkt des Verlages daher sehr viel eindeutiger bei der Fantasy liegen.

HBK: Wie andere Kleinverleger auch hast du einen Brotjob und Familie. Gleichzeitig weiß ich, dass du auch noch selbst schreibst und im Tintenzirkel aktiv bist. Wie schaffst du es, das alles unter einen Hut zu bringen? Denn soweit ich weiß, ist Machandel bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Korrektorat) ein Ein-Frau-Betrieb.
CE: Hm, ja, Multitasking? Sollen wir Frauen ja können. Ich vermute aber, es liegt eher daran, dass ich unheimlich schnell lesen kann, eine blühende Fantasie habe und abends sehr lange auf bin. Nachteule von Beruf, sozusagen. Zudem sind da noch die bei uns relativ ruhigen Nachtdienste, die sich ideal für Lektoratsarbeit eignen.

HBK: Du machst – vermutlich aus Kostengründen –  den Großteil der Cover selbst. Was sagst du zu den Kritiken, die hier und da hochkommen, dass diese hässlich wären bzw. unprofessionell?
CE: Was soll ich dazu sagen? Kostengründe stimmt natürlich – klar, ich bin keine Künstlerin im klassischen Sinn, es gibt sicher dutzende von Leuten, die das viel, viel besser können als ich. Nur dass ich sie als Kleinverlag einfach nicht bezahlen kann. Und diejenigen, die ich bezahlen kann, da möchte ich mal behaupten, dass ich in vielen Fällen genauso gut bin wie die. Immerhin verkaufe ich (meist unter anderem Namen) bei mehreren internationalen Stockphoto-Agenturen Fotos und Vektorgrafiken. Ganz so unprofessionell sind meine Bilder dann wahrscheinlich doch nicht.

Hässlich – nun ja, Geschmäcker sind verschieden. Ich kann mit den Bildern leben, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Abgesehen davon sieht ein Verlag nicht unbedingt primär auf Schönheit des Titelbildes, sondern darauf, dass es eine bestimmte Stimmung verkauft, relativ Genre-typisch ist und möglichst bei Amazon als Thumbnail noch etwas erkennen lässt.

Wenn die Leser das geändert haben möchten, gibt es eine ganz einfache Lösung: Kauft ganz viele Bücher aus meinem Verlag! Dann kann ich mir auch professionelle Künstler leisten!

HBK: Sehr gute Einstellung! 😉 Seit einigen Jahren erscheint einmal jährlich eine Märchen Anthologie bei dir. Wie bist du darauf gekommen? Und warum ausgerechnet Märchen? Wie lange soll die Reihe noch gehen? Grimm, Andersen und in diesem Jahr Möbius sind abgedeckt. Nächstes Jahr sollen russische Märchen erscheinen. Was kommt als nächstes?

Anthologie Andersens Märchen Update 1.1

Anthologie Andersens Märchen Update 1.1

CE: Die Märchen-Reihe wird mindestens ein Dutzend Bücher umfassen. Sie ist so konzipiert, dass immer abwechselnd eine deutsche bzw. eine Märchensammlung anderer Nationen als Vorlage dient. Aus dieser Vorlage werden dann von verschiedenen Autoren moderne Kurzgeschichten geschrieben. Märchen als Krimis, Märchen als Fantasy, Märchen als reale Lebensgeschichten, Fortsetzungen bekannter Märchen, Märchen mit alternativen Enden usw. Bislang haben wir Grimm – deutsch, Andersen – dänisch, Musäus – deutsch, in Arbeit sind russische Volksmärchen, danach kommt wieder eine deutsche Märchensammlung, außerdem liebäugele ich noch mit lateinamerikanischen Märchen, japanischen Märchen, irischen Märchen … Ich hoffe auf eine bunte, interessante Märchenreihe.

HBK: Du bekommst sicher sehr viele Manuskripte unaufgefordert eingereicht; und ich weiß, dass du (abgesehen von Bestandsautoren) derzeit einen Annahmestopp hast. Aber womit könnte dich dennoch ein Autor überzeugen, dass du eine Ausnahme machst?
CE: Ein bisschen Magie reicht schon. :-)

Um genau zu sein, besagter Autor sollte Fantasy oder Krimis schreiben, die gut genug sind, um mich auf Anhieb zu fesseln. Wenn ich ein Manuskript in zwei oder drei Abenden durchlese (manchmal auch an einem Abend), weil ich einfach wissen will, wie es weitergeht, dann hat der Autor mich geködert, dann möchte ich es unbedingt verlegen. Es ist also ein rein persönliches Kriterium. Die Geschichte muss mir nur wirklich gut gefallen.

HBK: Verrate mir doch mal, ohne Namen zu nennen, wie die schlimmste Bewerbung aussah. Du hast da sicher schon so einiges erlebt, oder?
CE: Allerdings. Die schlimmste Bewerbung war ein heftig erotischer Text in beinahe Gossenniveau auf einem Papier, dass so intensiv nach Qualm roch, dass ich das Gefühl hatte, in einer verräucherten Kneipe zu sitzen.

HBK: Urgs, wirklich eine unappetitliche Vorstellung. :S Wenn du könntest, welchen Autor würdest du gerne unter Vertrag nehmen und warum?
CE: Kim Harrison. Ihre „The Hollows“-Serie (Urban Fantasy) mit Hexen, Vampiren, Werwölfen, Dämonen und bösartigen Elfen finde ich überaus reizvoll und sehr gut im Weltenbau. Zudem ist sie spannend und hat ständig neue Entwicklungen zu bieten, also genau das, was ich mag.

HBK: Der Machandel Verlag feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum. Teil doch deine schönsten und deine schlimmsten Momente in ein paar Sätzen mit uns.
CE: Schlimmste Momente gibt es viele. Und zwar meist, wenn ich merke, dass ich aus irgendwelchen Gründen meinen Zeitplan nicht schaffe. Ich habe dann immer das Gefühl, meine Autoren schwer zu enttäuschen.

Meine schönsten Momente: Das sind klar die zwei Male, die ich bereits einen Verlagsstand auf der Leipziger Messe hatte – Buchmessen sind zwar ordentlich Arbeit, machen aber total Spaß –, und natürlich jener erste Monat mit „Höllenjob für einen Dämon“, als das Buch sich verkaufte und verkaufte und verkaufte und ich genauso fassungslos wie du, Helen, auf die Verkaufszahlen starrte. [Anm. der Redaktion: Ich habe Charlotte nicht für diese Aussage bezahlt. Ehrlich nicht! :) ]

HBK: Und weil ich ganz schrecklich neugierig bin: Welches Buch kommt als nächstes bei Machandel heraus?
CE: Welche Sparte? :-)

In der Abteilung Geschichte beispielsweise wartet ein Tagebuch aus dem ersten Weltkrieg auf sein Erscheinen, und auch ein Krimi und ein Sachbuch sind kurz vor der Fertigstellung.

Aber deine Leser interessieren sich sicher mehr dafür, welches Fantasy-Buch als nächstes herauskommt. Der Silberwolf, ein Jugend-Fantasybuch oder All-Ager, ist mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit das nächste Buch.

HBK: Liebe Charlotte, auch für mich waren da ein paar neue Erkenntnisse unter deinen Antworten und es hat mich außerordentlich gefreut, dich mit Fragen löchern zu dürfen. Jetzt darfst du gerne noch ein paar Worte direkt an meine Leser richten oder auch ganz schamlos Werbung machen.
CE: Dann möchte ich allen deinen Lesern sagen, dass sie spätestens im Oktober unbedingt auf unsere Webseite kommen sollen. Bis dahin werden nicht nur unsere Neuerscheinungen für dieses Jahr fast alle erschienen sein (mit Ausnahme der Märchen-Anthologie, die Anfang Dezember erscheinen soll), sondern es werden voraussichtlich auch alle unsere Fantasy-Titel komplett als Ebooks online sein, sowohl bei Amazon als auch im iBookstore, bei Thalia, Weltbild, txtr usw., also in allen wichtigen Ebook-Formaten und Shops. Die ersten Titel bieten wir jetzt schon in mehreren Shops an, alle sauber von der Verlagswebseite aus verlinkt.

Von links nach rechts: Tina Alba: Nachtjägerherz Horst Berger: Bennis Schwur D. Fries: Chroniken des LIchts 2 Angelika Diehm: Das grüne Tuch

Von links nach rechts:
Tina Alba: Nachtjägerherz
Horst Berger: Bennis Schwur
D. Fries: Chroniken des Lichts 2: Und der Spaß geht in Venedig weiter
Angelika Diehm: Vollstrecker der Königin – Das grüne Tuch

Ich wünsche allen unseren Lesern, dass sie an den Büchern, egal ob gedruckt oder elektronisch, genauso viel Spaß haben werden wie ich!

P.S.: Ebooks eignen sich perfekt für die Urlaubslektüre – und gedruckte Bücher sind nicht nur schön für das eigene Regal, sondern auch gute Geschenke!

Interview: Torsten Low (Verlag Torsten Low)

Logo des Verlages Torsten LowEinseitige Berichterstattung ist langweilig. Das gilt natürlich auch für Interviews. Deshalb werde ich hin und wieder auch mal einen Verleger zu Wort kommen lassen. Den Anfang macht Torsten Low, dessen gleichnamiger Verlag u.a. die Krieger-Anthologie (ISBN-13: 978-3940036216) herausgebracht hat, in der ich ebenfalls vertreten bin.

HBK: Hallo, Torsten. Vielen Dank, dass du Zeit hierfür gefunden hast. Magst du dich vielleicht kurz vorstellen? Und: Ein Schlückchen Port gefällig? :)
TL: Ich sollte das Verhältnis zwischen meinen Autoren und mir nochmal überdenken. Irgendwie spielt in letzter Zeit jeder auf den Messe-Port an. Das klingt irgendwie nach »Der Verlag, der seine Autoren abhängig und willig macht.«

Ich bin Baujahr 75, wurde also noch im letzten Jahrtausend geboren. Ich hoffe, man sieht mich deswegen nicht als Ewiggestrigen an. Das Schreiben und Geschichtenerzählen gehört zu mir, seit ich denken kann. Meine erste Geschichte schrieb ich mit 5 Jahren – angeblich habe ich sie (wie Napoleon auf- und abschreitend) meiner Schwester diktiert, die sie dann in die alte Schreibmaschine einhämmerte. Ich bin verheiratet, Frau, Kind, Haus mit kleinen Garten, einen Job in der IT-Branche. Ein ganz normaler Mensch halt.

Wenn da nicht der Verlag wäre …

Seit 2005 betreiben wir den Verlag Torsten Low. Anfangs war er als reiner Selbstverlag konzipiert, wobei … konzipiert klingt so hochtrabend. Ich hatte damals vieles nicht – und zu den Dingen, die ich nicht hatte, gehörte ein Verlagskonzept. Aber ich hatte den Willen, was Neues auszuprobieren und viel dazuzulernen.

Die Phase bis 2008 betrachte ich als Lehre. Wir haben damals vieles gemacht, was uns heute vielleicht als Umweg oder vielleicht auch als Zeitverschwendung erscheint. Beispielsweise die Buchbindeshows bei klirrender Kälte im Fantasy-Park Weltentor. Oder allgemein die Idee, den Romanzyklus »Dunkel über Daingistan« als handgebundene Hardcover herauszugeben. Aber ich habe in der Zeit viel übers Bücher machen gelernt. Bin dabei öfters auch gestolpert oder auf die Nase gefallen. Aber vor allem immer wieder aufgestanden und weitergegangen.

September 2007 war dann der erste Scheideweg. Ich saß mit meiner Frau in einer Bar in Tübingen – ich hatte gerade meine erste Lesung hinter mich gebracht – und wir notierten auf Bierdeckeln Geschäftsmodelle für den Verlag. Da befand sich alles mögliche drunter, auch Druckkostenzuschuss-Modelle. Am nächsten Morgen im Auto auf der Heimfahrt ging ich nochmal alle Bierdeckel durch und schmiss kurzerhand die weg, die sich nicht aufgrund echter Leser tragen würden. Ich wollte keinen DKZV aufmachen – es rasiert sich so schlecht, wenn man Spiegel meiden muss.

Bei der ersten Antho-Ausschreibung war es noch schwer. Keine Sau kannte uns, viele Autoren wollten mit uns (noch) nichts zu tun haben, wollten erstmal abwarten, wie lange wir durchhalten. Das hat uns damals tüchtig genervt. Heut weiß ich, dass es mehr Verlage gibt, die gehen, als Verlage, die kommen.
Mittlerweile haben wir unseren Platz in der Szene gefunden, sind angekommen.

HBK: Torsten, dein Verlag gilt ja als so genannter Kleinverlag, trotzdem hast du schon ein ordentliches Programm vorzuweisen. Wie kam es dazu, dass du einen eigenen Verlag gegründet hast?
TL: Zwischen 1999 und 2003 entstanden im Rahmen eines Play-by-Email-Rollenspieles gut 600 Seiten an Kurzgeschichten. Abgabezyklus für die spielinterne Online-Zeitung war alle 2 Wochen – und ich war in der Zeit fast bei jeder Ausgabe irgendwie mit dabei.

Irgendwann fragte eine gute Freundin, ob ich nicht irgendwann mal die komplette Geschichte niederschreiben wollte. Als ich dann eine ganze Weile ein Projekt in Salzgitter hatte und nur am Wochenende zu meiner Frau nach München konnte, schrieb ich den ersten Roman nieder. 2004 war er fertig. Und dann begann ich mich umzuhören, wie man bei einem Verlag unterkommt.

Das war 2004 noch schwerer als heute – heute gibt’s im Internet an jeder Ecke ein Autorenforum, in dem Autoren Tipps geben und Neulinge Fragen stellen. Damals waren diese Foren erst im Entstehen.

Tatsächlich suchte ich mir Hilfe im Büchermeer. Hauptinformationsquelle war ein Pseudo-Autorenratgeber mit seinen Hetzartikeln gegen seriöse Verlage (Ja, ich gebe zu, auch ich habe den ständig kolportierten Mist, man müsse als Anfänger immer was zahlen und das sei auch ganz normal so, mal geglaubt – und ich bin nicht stolz drauf. Aber es stand in einem gedruckten Buch, da musste es doch wahr sein, oder?).

Dieses Buch war auch der Grund, warum ich die Verlagssuche aufgab, noch ehe ich es versucht hatte.

Geld wollte ich für mein Buch auch nicht groß ausgeben, damit fielen BoD (die damals noch 400 Euro verlangten), Dienstleister und DKZV‘s raus.
Am Ende entschied ich mich, 2 Exemplare für den Hausgebrauch zu machen. Eins für die heimische Schrankwand, eins für die gute Freundin. Dann kam der Größenwahnsinn dazu (bei meiner Recherche hatte ich entdeckt, dass, wenn man ein Druckwerk mit ISBN herausgibt, man die Möglichkeit bzw. Pflicht hat, Bibliotheksexemplare abzuliefern. Das gefiel mir: so ein bisschen Unsterblichkeit hat schon was) und wir machten eine Erstauflage von 6 Stück in Handarbeit. Dummerweise fing die Freundin an, nun dafür Werbung zu machen – und plötzlich hatte ich zwar weder einen Verlag, noch ein Konzept, noch eine Vorstellung über den Preis – aber erste Bestellungen.

Nun will man ja nichts falsch machen, wenn man das erste Mal neben seinem normalen Brotjob noch 16,90 Euro einnimmt. Also zum Gewerbeamt gedackelt und einen Verlag gegründet.

Seitdem habe ich sehr viel dazugelernt.

Unter anderen, dass dieser »Ratgeber«, dieser Lobgesang auf Selbstverlag, BoD, Dienstleister und DKZV’s nichts weiter als eine Werbebroschüre eines bekannten Frankfurter Druckkostenzuschussverlages war.

Ich vermute, hätte ich mir und meinem Roman noch Zeit gegönnt, hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß – ich wäre bestimmt bei einem Verlag untergekommen. Es wäre alles nur eine Frage der Zeit und eine Frage der Disziplin gewesen.

Auf der anderen Seite bin ich dankbar, dass ich diesen Weg so gegangen bin. Dadurch, dass wir Dinge unternommen haben, die andere nicht unternommen haben, wir auch mal Sachen ausprobiert haben, vor denen andere Angst hatten oder das Risiko scheuten, haben wir Dinge erlebt, die andere nie erleben werden.
Und das ist etwas, was uns niemand nehmen kann.

Torsten Low: Kettensägenlesung

Torsten Low: Kettensägenlesung

HBK: Mir ist aufgefallen, dass einige der Titel im Programm sehr düster sind oder mehr in den Bereich Dark oder Horror gehen. Gibt es dafür einen Grund?
TL: Nur den einen: Ich grusel mich gerne – aber hab keinen Bock, so was in real zu erleben. Ein Buch oder ein Film ist eine Fahrkarte ins Grauen ohne großes Risiko. Es war absehbar, dass ich einen Teil meines Programmes mit Horror belege.

HBK: Ganz besonders gefallen mir ja die Cover. Ich weiß, dass u.a. Timo Kümmel dafür verantwortlich zeichnet. Aber sag mal, nach welchen Kriterien suchst du ein Cover bzw. den Coverkünstler aus?
TL: Nun, dazu habe ich vor einiger Zeit ein längeres Verlagsgeplauder geschrieben, auf das ich hier einfach verweisen möchte (Verlagsgeplauder: Wie ein Cover entsteht – von der Idee zum fertigen Bucheinband).
Ich denke, das ist sicher auch eine gute Möglichkeit, allgemein auf das Verlagsgeplauder hinzuweisen. Hier berichte ich in sehr unregelmäßigen Abständen aus dem Verlag. [Anm. HBK: Ich habe die Seite auch hier verlinkt, damit ihr nicht jedes Mal nach dem Artikel suche müsst.]

HBK: Und wie ist es mit dir selbst? Schreibst du (noch) oder hast du dafür keine Zeit mehr?
TL: Ich schreibe noch. Aber anders.

Ab und zu schreibe ich mal eine Kurzgeschichte. Oder einen neuen Beitrag für das Verlagsgeplauder. Oder einen Kommentar für ein Autorenforum.

Ansonsten eher Rechnungen und Verträge.
Aber das ist ok so. Ich habe erkannt, dass meine Bestimmung nicht im Schreiben liegt.

Jemand hat mal gesagt: »Wenn du ein Bauer bist, dann muss du nicht selber Milch geben können. Das ist nicht deine Bestimmung. Aber du musst kompetente Kühe haben, die gute Milch geben. Du musst dich darum kümmern, dass es deinen Kühen gut geht und ihnen nichts fehlt – dann klappt es auch mit der Milch.«
Ich habe festgestellt, dass ich viele Autoren in meinem Verlag habe, die besser schreiben als ich. Und ich meine zu wissen, dass ich besser Bücher produzieren und vermarkten kann als sie. Ich muss mich nur darum kümmern, dass es meinen Autoren und Herausgeber bei mir und mit mir als Verleger gut geht – dann bekomme ich auch die Art von Geschichten, die ich selbst gerne lesen möchte.

HBK: Na da bin ich aber froh, nicht doch noch als Kuh gebranntmarkt zu sein. 😉 Deine Familie hilft aktiv beim Verlag mit. Deine Frau organisiert ja alles hinter den Kulissen, deine niedliche Tochter ist schon fast eine Werbeikone. Wie schaffst du es, dir trotzdem Zeit für die Familie zu nehmen, ohne dass es dabei um Bücher geht?
TL: Also erst einmal muss ich sagen, dass das »Imperium Low« weitaus größer ist, als es von außen den Anschein hat.

Neben meiner Frau und meiner Tochter gibt es noch weitere Familienmitglieder, die uns tatkräftig unterstützen. Da wären mein Vater (78) und meine Mutter (73), die uns immer noch bei manchen Titeln beim Lektorat und Korrektorat helfen und außerdem für die Ebookerstellung zuständig sind. Sie haben unsere Arbeit vom ersten Tag an begeleitet. Anfangs mit einer gewissen Skepsis bezüglich des Investitionsrisikos und der Arbeitslast, später dann mit Stolz und Begeisterung.

Dann wäre da noch eine Nichte und ein Neffe, die meine 3 Romane aus dem »Daingistan«-Zyklus illustriert haben. Und meine Schwester, die für meine Eltern der EMailkontakt zum Verlag zum Transportieren von Daten darstellt.
Angesichts dessen, dass der Verlag für uns »nur ein Nebenjob« ist, ist die Arbeitslast natürlich recht hoch. Und ja – wir sind beide regelrecht besessen vom Verlag. Ich von den Aktivitäten, die mit dem Verlegen zu tun haben, Tina mit den Organisieren der Lesungen.

Trotzdem, ab und an ziehen Tina und ich uns in unsere Nostalgie-Kellerbar zurück. Da mixe ich uns ein paar Cocktails und wir hören Musik. Oder wir setzen uns in den Garten vor die Feuerschale, schauen in die Flammen und träumen zusammen (wobei der Verlag in diesen Träumen immer eine recht große Rolle spielt).

HBK: Soweit ich mich erinnere, nimmst du derzeit keine neuen Manuskripte an, korrigier mich, falls ich damit falsch liege. Aber wenn dich jemand mit einem Roman überzeugen soll, wie genau muss er/sie das anstellen?
TL: Im Prinzip sind das alles keine unbekannten Sachen, sondern eigentlich alles Punkte, die einem der ganz normale Menschenverstand raten sollte.

Er sollte sich in erster Linie mal informieren, was wir eigentlich machen. Daran hakt es nämlich bei den meisten Bewerbungen, die ich bekomme. Wer uns meint, mit Reiseerzählungen, einen Krimi oder einen Katzenratgeber zu beglücken, bekommt schneller eine Absage aus Standardtextbausteinen, wie er schauen kann. Und auch wenn Hartz IV für jene, die unverschuldet da hineingeraten sind, durchaus der blanke Horror sein kann, so ist das doch nicht die Art von Horror, die wir für unseren Verlag suchen.

Dann wäre es gut, wenn er das Medium Email nicht benutzt, wie ein SMS-Schreiber, der seine Freunde anstupst. Er sollte es eher benutzen, wie einer, der sich irgendwo bewirbt.

Halte mich meinetwegen für altmodisch – aber wenn jemand es nicht fertigbringt, mir eine Email oder einen Brief zu schicken, der ein Anschreiben enthält (bestehend aus Anrede und einer kurzen Erläuterung, was er eigentlich von mir will, wieso er mich ausgesucht hat und was er mir anzubieten hat), dann schau ich noch nicht mal ins Attachment. Ich bin kein Mülleimer, den man einfach zugüllen kann.

Mein nächster Blick gilt dann dem Infoblatt meiner Testleser. Wenn ein Autor nämlich schon mal die Hürde geschafft hat, den richtigen Verlag für sein Projekt zu finden und sein Anliegen halbwegs vernünftig zu formulieren, reiche ich die Einsendung sofort an meine Testleser weiter. Meine Testleser lesen und bewerten das Expose und die Leseprobe. Von allen dreien Daumen runter heißt, dass es definitiv nicht für uns geeignet ist. Drei Daumen hoch – das pack ich relativ weit oben in meinen „Zu bearbeiten“-Stapel.

Mich müssen die ersten 20 Seiten überzeugen. Deswegen verlange ich auch eine Leseprobe vom Anfang weg. In den meisten Fällen kann ich jedoch nach den ersten 3 Seiten sagen, ob ich mehr lesen möchte oder nicht. Ich lese zwar trotzdem die kompletten 20 Seiten – aber bisher hat es sich fast immer bestätigt: Wer mich auf den ersten 3 Seiten nicht hatte, der bekam mich auch auf den nächsten 17 nicht. Das soll jetzt nicht heißen, dass auf den ersten Seiten gleich eine Mega-Action-Sequenz stehen soll. Action und spannend zu lesen sind zwei komplett verschiedene Dinge. Aber ich muss auf den ersten 3 Seiten gepackt werden, dass ich das Gefühl habe, ich verpasse was, wenn ich nicht den kompletten Roman anfordere.

HBK: Es gibt von deinem Verlag viele Anthologien. Von denen, soweit ich weiß, alles sehr erfolgreich laufen, was für Kurzgeschichtensammlungen doch eher ungewöhnlich ist. Wie erklärst du dir das?
TL: Ich gebe zu, ich weiß es nicht. Aber ich habe eine Vermutung.

Ich betreibe den Verlag in meiner Freizeit und habe in den nächsten Jahren auch nicht vor, davon leben zu wollen. Zwar glaube ich, dass 2019 der Verlag genug abwirft, dass entweder ich oder Tina zu Hause bleiben könnten. Aber wir sind grundsätzlich nicht darauf angewiesen.

Es bringt eine wahnsinnige Entspanntheit rein, wenn man etwas machen kann, weil man es machen WILL, nicht weil man es machen MUSS. Unsere Bücher – jedes einzelne davon – sind nicht einfach ein Produkt, sondern Herzensprojekte.

Und ich glaube, das ist schon das ganze Geheimnis.

Die Menschen merken, wenn jemand für etwas brennt. Und manchmal – das bemerken wir bei unseren Autoren und Herausgebern – beginnen sie ebenfalls zu brennen.

Torsten Low brennt nicht nur für seine Arbeit, er hinterfragt auch ... zur Not mit Hilfe von Totenschädeln

Torsten Low brennt nicht nur für seine Arbeit, er hinterfragt auch … zur Not mit Hilfe von Totenschädeln

Und das ist auch das Schöne daran. Ich möchte Sachen machen, die nicht nur mich begeistern, sondern auch andere. Die andere dazu bringen, selbst zu blühen und Sachen mit uns gemeinsam auf die Beine zu stellen, die sie vorher vielleicht nicht gewagt hätten. Auch an die Grenzen gehen oder vielleicht sogar drüber hinaus.

Wenn unsere Autoren und Herausgeber uns nicht nur als Verleger betrachten, sondern in erster Linie als Partner und Wegbereiter, dann haben wir viel erreicht. Denn dann haben wir mit unseren Autoren und Herausgebern die besten Spezialisten für Empfehlungsmarketing, die man sich wünschen kann.

HBK: Mal Hand aufs Herz: Gibt es unter den Büchern deines Verlages ein Lieblingsbuch?
TL: Ich habe es vorher schon gesagt: Jedes Buch ist ein Herzensprojekt. Jedes einzelne hat es mal geschafft, mich zu überzeugen. Ein dauerhaftes Lieblingsbuch gibt es nicht.

Ich habe festgestellt, dass ich für die aktuellen Bücher am meisten brenne. Die Projekte, mit denen ich am meisten Zeit verbringe. Und dann habe ich auch manchmal dieses Anwandlung, dass ich voller Begeisterung sage: »Wow, diese Antho wird die beste Antho, die wir jemals herausgebracht haben.«
Aber ich glaube, das ist nur Schwärmerei. In Wahrheit sind alle unsere Erscheinungen meine Lieblinge.

HBK: Wo siehst du deinen Verlag in den nächsten zehn Jahren?
TL: In zehn Jahren?
In zehn Jahren habe ich ein Lesecafe hier in meiner Heimatstadt. Quasi ein Büro mit Ladengeschäft.

Einen Ort, wo Menschen hinkommen können, in unsere Bücher reinstöbern können, dabei eine Tasse Kaffee genießen können und vielleicht ein oder zwei Bücher kaufen können.

Einen Ort, an dem ich für den Verlag arbeiten kann, wenn keine Kundschaft da ist.
Einen Ort, an dem ich Lesungen hier in der Gemeinde machen kann.
Einen Ort, der zum Anlaufpunkt für meine Autoren werden kann.

Ich weiß, es gibt viele, die mich für einen Spinner halten. Aber wenn es keine Spinner gäbe, hätten wir heute noch Trommeln anstatt Handys und würden nach wie vor Rollen unter schwere Lasten legen, anstatt Räder zu benutzen. Von Menschenkraft statt Motorenkraft ganz zu schweigen.

HBK: Lieber Torsten, danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview freigeschaufelt hast. Es hat Spaß gemacht. Zum Abschluss darfst du noch ein paar Worte an die Leser richten und gerne auch schamlos Werbung machen. Ich bin mal nicht so. 😉
TL: Ok, dann mach ich mal.

Nachdem erwiesen ist, dass Lesen nicht einfach nur die Lesekompetenz allgemein stärkt, sondern auch das Erfassen von komplexen Zusammenhängen und die Kreativität schult, kann ich euch nur eines auf dem Weg geben: Lest mehr Bücher!
Beispielsweise die von diesem Kleinverlag hier: Verlag Torsten Low.

Ich danke für die interessanten Fragen.

[Sämtliche Bilder im Artikel wurden mir mit freundlicher Genehmigung von Torsten Low überlassen, alle Rechte daran verbleiben bei ihm.]

Interview: Eileen Raven Scott

Sämtliche Rechte am Bild liegen bei Eileen Raven Scott

Eileen Raven Scott

Meine erste Interviewpartnerin ist meine Verlagskollegin Eileen Raven Scott, deren Debütroman „Feuerküsse“ ebenfalls bei Machandel erschienen ist (ISBN 978-3-939727-38-5, 130 Seiten, Preis 5,90 Euro).Ich freue mich sehr, dass Eileen sich bereit erklärt hat, hier ein paar Fragen zu beantworten.

HBK: Hallo, Eileen. Vielen Dank, dass du gekommen bist. Magst du dich vielleicht kurz vorstellen?
ERS: Also, geboren wurde ich 1980 in Norddeutschland, wohne mittlerweile aber mit meiner Familie im bergischen Land. Mit dem Schreiben habe ich so richtig vor ungefähr 4 Jahren angefangen. In der Schule habe ich schon ein paar Romane angefangen, aber nie beendet und leider sind diese auch noch auf der Festplatte eines ganz alten Computers, wo ich nicht mehr drankomme. Weil ich lange in England gewohnt habe, spielen ganz viele meiner Romane und Geschichten auf den britischen Inseln, mittlerweile aber auch einige in Köln, wo ich oft bin.

HBK: Dein Roman „Feuerküsse“ ist im Januar 2014 bei Machandel erschienen. Erzähl mal, wie bist du auf Machandel aufmerksam geworden? cover_Feuerkuesse

ERS: Meine Verlegerin Charlotte ist im gleichen Autorenforum für Fantasy-Autoren unterwegs wie ich. Dort habe ich sie sozusagen entdeckt und weil sie gerade nach Novellen gesucht hat, habe ich ihr meine Feuerküsse geschickt. Der Machandel Verlag ist ein liebevoll geführter Kleinverlag, der aber mittlerweile schon einen ganzen Stand auf der Leipziger Buchmesse mit seinem Programm füllen kann und viele tolle Romane im Angebot hat.

HBK: Wir haben uns ja dieses Jahr in Leipzig das erste Mal persönlich getroffen – was ich übrigens sehr schön fand. Wie hat dir die Messe gefallen? Wirst du nächstes Jahr wiederkommen?
ERS: Das fand ich auch sehr schön! Und die Messe an sich hat mir auch richtig gut gefallen. Ich habe mir ein paar Lesungen und Vorträge angehört, mich über die vielen Cosplayer gefreut und natürlich ganz lange am Verlagsstand von Machandel mit meinen Kolleginnen geplaudert. Eine gemütlichere Atmosphäre als auf der Frankfurter Buchmesse, zu der ich aber auch gerne mochte. Vermutlich würde ich aber eher wieder nach Leipzig kommen nächstes Jahr. Wenn das terminlich hinhaut, werde ich da sein.

HBK: Du schreibst wie ich im fantastischen Genre. Ich schätze daher, es geht dir wie mir, dass dich jeder fragt: Warum ausgerechnet Fantasy? Vielleicht magst du uns die Frage auch noch beantworten?
ERS: Warum Fantasy, hmm. Ich würde sagen, weil ich es selbst gerne lese, vor allem Paranormal Romance. Zu der Zeit, als ich mein erstes Manuskript begonnen habe, habe ich gerade einige Vampirreihen verschlungen und dachte ich probiere das auch mal aus. Alle Romananfänge die aus der Zeit davor existieren waren realistische Geschichten und das hat mich nie wirklich so gepackt. Ich mag einfach diese ganzen Fantasywesen wie Gestaltwandler und Dämonen natürlich.

HBK: Welches andere Genre würde dich reizen?
ERS: Ich versuche mich gerade an einem Krimi, der keine fantastischen Elemente hat. Das hat mir auch großen Spaß gemacht beim schreiben. Ansonsten könnte ich mir auch vorstellen, mal etwas lustiges zu schreiben, Chick Lit vielleicht und Jugendbücher oder Kinderbücher ab 10. Wobei man da natürlich auch Fantasy schreiben kann.

HBK: Und wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?
ERS: Die ersten Romananfänge habe ich vielleicht so mit 12 angefangen, warum weiß ich gar nicht mehr so genau. Bücher habe ich schon immer geliebt. Sobald ich schreiben konnte, habe ich kleine Gedichte verfasst, die ich allerdings keinem mehr zeigen würde. Als Teenie dann Songtexte und meine erste Kurzgeschichte (außerhalb der Schule).

HBK: Leider konnte ich „Feuerküsse“ bisher nicht lesen, obwohl ich ihn bereits gekauft habe. Ich hörte aber, dass demnächst eine Leserunde stattfinden wird, an der ich teilnehmen werde. Aber verrate mir doch vorab, gab es optische Vorbilder für deine Figuren?
ERS: Hmm, nein, Schauspieler oder dergleichen als Vorbilder hatte ich nicht. Natürlich hatte ich meine Figuren von Anfang an im Kopf, aber eine Zeichnung von ihnen gibt es nicht. Vielleicht probiere ich das irgendwann mal, reizen würde es mich schon meine Figuren mal zu zeichnen. Vermutlich ist es aber schwer sie genau so hinzubekommen, wie ich sie haben möchte.

HBK: Gibt es Autoren, die du als deine Lieblingsautoren bezeichnen würdest? Vielleicht sogar als Vorbilder? Wenn ja, wer ist es denn und vor allem: warum?
ERS: Vorbilder sind es nicht so richtig, aber ich habe eine Reihe von Lieblingsautoren, Neil Gaiman zum Beispiel und im Bereich der Kinder- und Jugendbücher Antonia Michaelis. Beide schreiben Fantasy und ich finde ihre Ideen wirklich großartig. Bei Antonia Michaelis reizt mich auch sehr der Schreibstil, da freue ich mich ständig über die Formulierungen und die ganzen Bilder die beim lesen entstehen. Ich mag aber auch eine Reihe anderer Autoren und Autorinnen von denen ich mehrere Bücher im Regal stehen habe, auch aus anderen Genres.

HBK: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Schreiben seine Zeit braucht. Wie sieht es bei dir aus? Wie teilst du dir deine Schreibzeit ein? Hast du bestimmte Rituale?
ERS: Rituale habe ich eigentlich keine, ich schreibe entweder am Schreibtisch oder an meinem Laptop, wenn ich unterwegs bin, gerne in der Bahn oder im Urlaub da, wo ich gut und gemütlich sitzen kann. Zuhause versuche ich abends zu schreiben und an freien Tagen am liebsten Vormittags. Mein Ziel ist es schon täglich zu schreiben, aber das klappt leider nicht immer.

HBK: Wenn du gerade nicht schreibst, gibt es noch ein anderes Hobby, das dir sehr am Herzen liegt?
ERS: Lesen natürlich, ansonsten mache ich gerne Yoga, Bollywood Tanz und gehe auch sehr gerne stundenlang spazieren. Zählt reisen auch als Hobby? Das mache ich auch gerne, vor allem nach England. Oh und Malen, aber dazu komme ich so gut wie gar nicht momentan.

HBK: Es wird gemunkelt, dass es eine Fortsetzung von „Feuerküsse“ geben soll. Stimmt das? Oder hast du derzeit andere Projekte am Laufen, die deine Zeit beanspruchen?
ERS: Ja, das stimmt. Ich schreibe gerade am zweiten Teil zu Feuerküsse. Parallel arbeite ich noch an einem Krimi und einem Kinderbuch ab 10. Es gibt noch ein paar andere angefangene Projekte, aber die müssen jetzt erst mal warten.

HBK: Liebe Eileen, ich danke dir sehr für dieses interessante Gespräch. Zum Abschluss hast du jetzt noch die Gelegenheit, ein paar Worte an die Leser zu richten.
ERS: Vielen Dank auch an dich, Helen, für das nette Interview. Wer noch ein bisschen über mich erfahren möchte, kann mich auf Facebook finden unter meinem zweiten Pseudonym Lia Haycraft oder meine Webseite besuchen. Mein zweiter Roman wird im November 2014 bei Bookshouse erscheinen und zu den Feuerküssen soll es auf Lovelybooks Anfang Juni eine Leserunde geben.