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Die Spione von Edinburgh 1: Thimble House von Romy Wolf – Auftakt mit kleinen Schwächen

Es war mehr eine spontane Entscheidung die Ebook-Serie von Romy Wolf zu kaufen, die mit Thimble House beginnt. Zum einen lag es daran, dass ich gerade selbst in einem ähnlichen Setting unterwegs bin, zum anderen habe ich schon die eine oder andere Leseprobe von Romy gesehen und war neugierig.
Erschienen ist der Roman im Verlag Weltenschmiede und kostet € 0,99.

Klappentext:

„Ada Quinn ist das Mädchen ohne Vergangenheit. Von Ollie und dessen Vater liebevoll in die Familie aufgenommen, führt sie ein behütetes Leben – bis sie eines Tages auf die verschrobene Lady Fensworth trifft. Diese bietet ihr eine Anstellung als Hausmädchen an, doch was Ada in Thimble House erwartet, ist ein düsteres Geheimnis, das sie schon bald in Gefahr bringen soll …“

Cover:

Zur Verfügung gestellt von Romy Wolf

Zur Verfügung gestellt von Romy Wolf

Trotz Ebook haben sich die Verantwortlichen alle Mühe gegeben, ein zum Text passendes Cover zu erstellen. Man sieht Edinburgh durch einen etwas verklärten Blick.

Inhalt:

Gleich zu Beginn lernt der Leser Ada und Ollie kennen, die sich als Kinder begegnen und dann gemeinsam aufwachsen. Als Ada alt genug ist, arbeiten zu gehen, fängt sie in der Fabrik an, doch das ist ein Knochenjob. Eines Tages lernt sie Lady Fensworth kennen, die ihr eine Stelle anbietet. Ada hat gleich ein ungutes Gefühl, möchte jedoch einen weniger gefährlichen Job als in der Fabrik annehmen. Es kommt, wie es kommen muss, Ada fängt in Thimble House an, sehr zu Ollies Leidwesen, der – gelähmt und ans Bett gefesselt – seine einzige Zerstreuung im Lesen von Zeitungsgeschichten und –artikeln findet. Ollie verfügt über einen sehr scharfen Verstand, der ihn bald schon Zusammenhänge zwischen Morden in Edinburgh und Thimble House herstellen lässt. Tja, und dann trifft Ada das erste Mal auf den Verrückten, der in Thimble House lebt …

Meinung:

Mehr möchte ich nicht verraten, weil Romy Wolf eine Geschichte geschaffen hat, die sich mehr oder weniger erst im letzten Drittel aufklärt. Wer einen reinen historischen Krimi erwartet, wird jedoch enttäuscht sein, denn ähnlich wie Yalda Lewin mit ihrem paranomalen Berlin ein eigenes Umfeld mit diversen interessanten Fähigkeiten geschaffen hat, hat Romy Wolf ihre eigene Idee von Edinburgh umgesetzt.

Bei allem Lob gibt es aber auch Kritik. So ist der Einstieg der Geschichte für mich sehr verwirrend gewesen und ich hatte schon Sorge, dass es im weiteren Verlauf so weitergehen würde. Glücklicherweise wurde ich enttäuscht, aber dazu später mehr. Jedenfalls hat Wolf die Figuren von Ada und Ollie zu knapp eingeführt. Ich wurde vor vollendete Tatsachen gestellt, die ich anfangs nicht nachvollziehen konnte. Wobei mir Ollie dabei sogar noch intensiver vorkam als Ada, dabei spielt die Geschichte in deren Perspektive. Vielleicht hätte hier ein intensiveres Lektorat geholfen, ich weiß es nicht. Je weiter die Novelle allerdings voranschreitet, desto sicherer wird Wolf mit ihren Charakteren. Jeder für sich gesehen hat eigene Wesensmerkmale, die deutlich hervorstechen und dem Leser Sympathie entlocken.
Unangenehm fand ich allerdings die Szenensprünge. So endet eine Szene und eine neue beginnt direkt im nächsten Satz. Ich weiß nicht, ob dies nur durch das Ebook so bedingt ist oder ob beim Satz die Absätze versehentlich rausgefallen sind – oder was ich viel schlimmer fände – diese gar nicht gemacht worden sind. Durch diese Sprünge wurde ich massiv aus meinen Leserhythmus gerissen, musste zurücklesen und verlor dadurch einiges an Spannung.
Desgleichen bei den Momenten, wenn Adas Fähigkeiten, einen Zeitsprung zu machen, einsetzen. Warum hat man diese Stellen nicht einfach kursiv gesetzt? Dadurch wäre der Leser vorgewarnt gewesen, dass etwas geschieht. Spätestens nach dem ersten Zeitsprung rechnete ich sowieso damit, dass das immer wieder geschieht und es wurde ja auch direkt im Anschluss aufgeklärt, was da los war, so dass es sich mir nicht erschließt, warum dem Leser hier keine Hilfestellung geleistet wird.
Das Ende hätte für meinen Geschmack etwas dramatischer sein können, passt aber zum Rest des Buches, so dass ich das hier nicht wirklich als Kritikpunkt werten kann.

Fazit:

Thimble House ist eine leichte Lektüre für zwischendurch, hat aber auch nicht den Anspruch „höhere Literatur“ zu sein.  Es soll unterhalten und das tut es auch. Die Novelle liest sich – bis auf die bereits besprochenen Mängel – flüssig und spannend. Das Setting ist gut recherchiert, wenngleich ich an manchen Sätzen ein wenig knabbern musste, weil ich mit der Sprachmelodie nicht ganz klar kam, aber das ist eher mein Problem, als ein echtes Kriterium.

Alles in allem vergebe ich wohlmeinende 4 von 5 Punkten. Dass der erste Teil mit einem fiesen Cliffhanger endete, werte ich jetzt mal nicht negativ. 😉