Schlagwort-Archive: Novelle

NaNoWriMo: Die Bestien sind los!

Die letzten Wochen waren etwas ruhig hier, weil ich mit meinem aktuellen Romanprojekt vollauf beschäftigt war. Obwohl es eigentlich nicht geplant war, habe ich ja doch noch am NaNoWriMo teilgenommen und diesen am 18. November sogar schon gewonnen.

Der Roman war ursprünglich auf 15 Kapitel ausgelegt, sollte maximal 200 Seiten haben und eher Richtung Novelle tendieren. Jetzt bin ich bereits bei Seite 262 und 17 Kapiteln. Es ist nicht einmal so, dass ich ausufere, sondern jede einzelne Sequenz hat tatsächlich ihre Berechtigung, nur hat es mich ein wenig überrascht, wie umfangreich das Projekt doch zu werden scheint. Ich dachte wirklich, dass dieses Prequel nur Novellenformat erreicht und bin positiv überrascht.

Am meisten jedoch freut mich jedoch die Tatsache, dass mir das Setting und die Bestien wirklich liegen. Ich habe keine einzige Stelle, an der ich groß über Fähigkeiten, Aussehen oder Ortschaften nachdenken muss. Es ist alles da.
Sicher, wie in den Vorjahren auch, spare ich nicht an Fiesigkeiten, wenngleich ich mir diese Krone mit anderen wohlbekannten Autorinnen teile, so denke ich doch, dass der diesjährige NaNo wirklich human abläuft. Sofern man von „human“ bei Bestien sprechen kann.

Interessanterweise haben sich ein paar Nebenfiguren eingeschlichen – und das nicht nur mein Lieblingskanzler Barrique – sondern vollkommen neue, andere, die eventuell Potenzial für eigene Geschichten haben und seien diese auch nur kurz.
Eine Figur liegt mir dabei besonders am Herzen: Wister. Sohn einer Sturmbestie. Hach, ich hätte ihm gerne mehr Seiten gegönnt. Aber das geht leider nicht. Daher bekommt ihr von mir nur einen winzigen Auszug.

»Wenn du glaubst, ich stelle meine Treue über meine Gefühle, täuschst du dich, Sturmbestie.« Benna ergriff Wisters Hände und drückte sie so fest, dass er das Gesicht verzog. Seine Menschengestalt schützte ihn nicht davor, zerquetscht zu werden. »Wister, denk an das, was sein könnte, wenn du …«
»Wenn ich Verrat begehe? Nichts könnte dann sein, Benna. Wir wären auf ewig geächtet. Ich muss das tun.«
Diesmal schimmerten Tränen in den Augen der Flussbestie. »Du wirst sterben.«
»Ich werde mein Bestes tun, damit das nicht geschieht.« Er legte eine Hand an ihre Wange, streichelte die ledrige Haut, fuhr mit den Fingerspitzen über die flache Nase, die hohen Wangenknochen und schließlich über den steilen Kiefergrat. Offenbar war Benna für ihn auch in Bestiengestalt das Schönste, das er kannte. Dann trat er einen Schritt zurück und wandte sich entschlossen ab.
»Wister …« Benna streckte einen Arm nach ihm aus, ließ ihn dann allerdings fallen, weil er zu seinem Vater ging.

Kurzgeschichten ist ein anderes Thema, das mich derzeit beschäftigt:

Mitten im Nano überfiel mich – wie ja schon auf Facebook gepostet – hinterrücks eine Kurzgeschichte, die ich parallel schreibe (immer dann, wenn ich den Kopf vom Roman freibekommen muss) und auch diese wird wohl länger als meine üblichen 10-15 Normseiten. Irgendwie mögen es meine Bestien nicht kurz, aber als verständnisvolle Autorin höre ich natürlich geduldig zu und schreibe mit. Alles andere wäre ja auch langweilig. Nicht wahr?

Hinter den Kulissen: Frischer Wind unter den Flügeln

Autor sein heißt, nicht nur Spaß zu haben. Autor sein heißt auch an sich zu arbeiten. Autor sein heißt, hin und wieder auch die Zähne zusammenzubeißen, sich allen Widrigkeiten zum Trotz durch seinen Plot zu kämpfen, um am Ende ein Buch abzuliefern, dass nicht nur dem Autor selbst, sondern vor allem auch den Lesern gefällt.
Mit dieser Einstellung habe ich fast das gesamte letzte Jahr zugebracht. Es war viel zu tun. Ein Roman musste umgeschrieben werden, ein anderer korrigiert und ein dritter neu geplottet werden. Dazu kamen die noch einem gewissen Verlag versprochenen Novellen, die ich bis spätestens Januar unter Dach und Fach haben wollte.
Schon weit nach Beendigung der zweiten Pflichtarbeit war bei mir die Luft raus. Ich hatte keine Lust mehr auf das, was eigentlich mein liebstes Hobby war: das Schreiben.
Dennoch musste ich mich an die Verträge halten, denn aufschieben ist etwas, das ich nur ungern tue, denn ich weiß, je länger ich zögere, desto schneller läuft die Zeit und am Ende bin ich es, die den Stress hat.
Ironischerweise ist es ausgerechnet ein Fortsetzungsprojekt (meine beiden Bestien-Novellen), dass schon in der letzten Woche geschafft hat, dass ich mit einem breiten Grinsen durch die Gegend renne. Es ist alles wieder da. Die Lust zu schreiben, der Ideenreichtum, die Spannung, die mich erfasst, wenn ich von irgendwoher erfahre, was meine Figuren tun werden. Ich fühle das langvermisste Kribbeln in den Fingerspitzen, das mich nachts im Bett dazu bringt, mit den Fingern zu zucken, als würde ich schreiben. Ich fühle die Gänsehaut, wenn ich mir im Kopf ausmale, was meinen Figuren noch wiederfahren muss, damit die Geschichte rund wird. Eine Idee jagt die nächste und ich weiß, auch wenn es mich wieder Anstrengung kosten wird, die Geschichte aufzuschreiben, sie wird rund.
PunktlandungUnser Gehirn spielt manchmal schon seltsame Streiche, wenn es mir genau jetzt, da ich diesen Motivationsschub benötige, exakt das an die Hand gibt, was ich brauche. So stehe ich jetzt bei einem Skript, das am Ende 44.000 Wörter haben soll, schon weit über 17.000 Wörtern. Als ich gestern eine Pause machte, stoppte ich genau bei diesen 17.000 Wörtern. Ich habe noch zwei Wochen, bis ich die zweite Novelle in Angriff nehmen möchte. Ist das machbar? Absolut. Werde ich Spaß dabei haben? Auf jeden Fall, denn wenn ich jetzt schon in den öffentlichen Verkehrsmitteln grenzdebil vor mich hin grinse, weil ich genau weiß, was mit meinen Figuren passieren soll, dann kann es nur gut enden.
Trotzdem – oder gerade weil – es gerade so gut läuft, werde ich mich dezent zurückhalten. Wenn ich bis Jahresende nicht fertig werde, ist das auch egal. Ich will mir mein momentanes Hochgefühl nicht durch Eigendruck zunichtemachen. Ich werde das Schreiben dieser Novellen genießen. Ich werde meine Bestien quälen. Ich werde wunderbare Sexszenen schreiben und ich werde zufrieden sein, wenn am Ende jeweils genau das da steht: Ende.

Interview: Eileen Raven Scott

Sämtliche Rechte am Bild liegen bei Eileen Raven Scott

Eileen Raven Scott

Meine erste Interviewpartnerin ist meine Verlagskollegin Eileen Raven Scott, deren Debütroman „Feuerküsse“ ebenfalls bei Machandel erschienen ist (ISBN 978-3-939727-38-5, 130 Seiten, Preis 5,90 Euro).Ich freue mich sehr, dass Eileen sich bereit erklärt hat, hier ein paar Fragen zu beantworten.

HBK: Hallo, Eileen. Vielen Dank, dass du gekommen bist. Magst du dich vielleicht kurz vorstellen?
ERS: Also, geboren wurde ich 1980 in Norddeutschland, wohne mittlerweile aber mit meiner Familie im bergischen Land. Mit dem Schreiben habe ich so richtig vor ungefähr 4 Jahren angefangen. In der Schule habe ich schon ein paar Romane angefangen, aber nie beendet und leider sind diese auch noch auf der Festplatte eines ganz alten Computers, wo ich nicht mehr drankomme. Weil ich lange in England gewohnt habe, spielen ganz viele meiner Romane und Geschichten auf den britischen Inseln, mittlerweile aber auch einige in Köln, wo ich oft bin.

HBK: Dein Roman „Feuerküsse“ ist im Januar 2014 bei Machandel erschienen. Erzähl mal, wie bist du auf Machandel aufmerksam geworden? cover_Feuerkuesse

ERS: Meine Verlegerin Charlotte ist im gleichen Autorenforum für Fantasy-Autoren unterwegs wie ich. Dort habe ich sie sozusagen entdeckt und weil sie gerade nach Novellen gesucht hat, habe ich ihr meine Feuerküsse geschickt. Der Machandel Verlag ist ein liebevoll geführter Kleinverlag, der aber mittlerweile schon einen ganzen Stand auf der Leipziger Buchmesse mit seinem Programm füllen kann und viele tolle Romane im Angebot hat.

HBK: Wir haben uns ja dieses Jahr in Leipzig das erste Mal persönlich getroffen – was ich übrigens sehr schön fand. Wie hat dir die Messe gefallen? Wirst du nächstes Jahr wiederkommen?
ERS: Das fand ich auch sehr schön! Und die Messe an sich hat mir auch richtig gut gefallen. Ich habe mir ein paar Lesungen und Vorträge angehört, mich über die vielen Cosplayer gefreut und natürlich ganz lange am Verlagsstand von Machandel mit meinen Kolleginnen geplaudert. Eine gemütlichere Atmosphäre als auf der Frankfurter Buchmesse, zu der ich aber auch gerne mochte. Vermutlich würde ich aber eher wieder nach Leipzig kommen nächstes Jahr. Wenn das terminlich hinhaut, werde ich da sein.

HBK: Du schreibst wie ich im fantastischen Genre. Ich schätze daher, es geht dir wie mir, dass dich jeder fragt: Warum ausgerechnet Fantasy? Vielleicht magst du uns die Frage auch noch beantworten?
ERS: Warum Fantasy, hmm. Ich würde sagen, weil ich es selbst gerne lese, vor allem Paranormal Romance. Zu der Zeit, als ich mein erstes Manuskript begonnen habe, habe ich gerade einige Vampirreihen verschlungen und dachte ich probiere das auch mal aus. Alle Romananfänge die aus der Zeit davor existieren waren realistische Geschichten und das hat mich nie wirklich so gepackt. Ich mag einfach diese ganzen Fantasywesen wie Gestaltwandler und Dämonen natürlich.

HBK: Welches andere Genre würde dich reizen?
ERS: Ich versuche mich gerade an einem Krimi, der keine fantastischen Elemente hat. Das hat mir auch großen Spaß gemacht beim schreiben. Ansonsten könnte ich mir auch vorstellen, mal etwas lustiges zu schreiben, Chick Lit vielleicht und Jugendbücher oder Kinderbücher ab 10. Wobei man da natürlich auch Fantasy schreiben kann.

HBK: Und wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?
ERS: Die ersten Romananfänge habe ich vielleicht so mit 12 angefangen, warum weiß ich gar nicht mehr so genau. Bücher habe ich schon immer geliebt. Sobald ich schreiben konnte, habe ich kleine Gedichte verfasst, die ich allerdings keinem mehr zeigen würde. Als Teenie dann Songtexte und meine erste Kurzgeschichte (außerhalb der Schule).

HBK: Leider konnte ich „Feuerküsse“ bisher nicht lesen, obwohl ich ihn bereits gekauft habe. Ich hörte aber, dass demnächst eine Leserunde stattfinden wird, an der ich teilnehmen werde. Aber verrate mir doch vorab, gab es optische Vorbilder für deine Figuren?
ERS: Hmm, nein, Schauspieler oder dergleichen als Vorbilder hatte ich nicht. Natürlich hatte ich meine Figuren von Anfang an im Kopf, aber eine Zeichnung von ihnen gibt es nicht. Vielleicht probiere ich das irgendwann mal, reizen würde es mich schon meine Figuren mal zu zeichnen. Vermutlich ist es aber schwer sie genau so hinzubekommen, wie ich sie haben möchte.

HBK: Gibt es Autoren, die du als deine Lieblingsautoren bezeichnen würdest? Vielleicht sogar als Vorbilder? Wenn ja, wer ist es denn und vor allem: warum?
ERS: Vorbilder sind es nicht so richtig, aber ich habe eine Reihe von Lieblingsautoren, Neil Gaiman zum Beispiel und im Bereich der Kinder- und Jugendbücher Antonia Michaelis. Beide schreiben Fantasy und ich finde ihre Ideen wirklich großartig. Bei Antonia Michaelis reizt mich auch sehr der Schreibstil, da freue ich mich ständig über die Formulierungen und die ganzen Bilder die beim lesen entstehen. Ich mag aber auch eine Reihe anderer Autoren und Autorinnen von denen ich mehrere Bücher im Regal stehen habe, auch aus anderen Genres.

HBK: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Schreiben seine Zeit braucht. Wie sieht es bei dir aus? Wie teilst du dir deine Schreibzeit ein? Hast du bestimmte Rituale?
ERS: Rituale habe ich eigentlich keine, ich schreibe entweder am Schreibtisch oder an meinem Laptop, wenn ich unterwegs bin, gerne in der Bahn oder im Urlaub da, wo ich gut und gemütlich sitzen kann. Zuhause versuche ich abends zu schreiben und an freien Tagen am liebsten Vormittags. Mein Ziel ist es schon täglich zu schreiben, aber das klappt leider nicht immer.

HBK: Wenn du gerade nicht schreibst, gibt es noch ein anderes Hobby, das dir sehr am Herzen liegt?
ERS: Lesen natürlich, ansonsten mache ich gerne Yoga, Bollywood Tanz und gehe auch sehr gerne stundenlang spazieren. Zählt reisen auch als Hobby? Das mache ich auch gerne, vor allem nach England. Oh und Malen, aber dazu komme ich so gut wie gar nicht momentan.

HBK: Es wird gemunkelt, dass es eine Fortsetzung von „Feuerküsse“ geben soll. Stimmt das? Oder hast du derzeit andere Projekte am Laufen, die deine Zeit beanspruchen?
ERS: Ja, das stimmt. Ich schreibe gerade am zweiten Teil zu Feuerküsse. Parallel arbeite ich noch an einem Krimi und einem Kinderbuch ab 10. Es gibt noch ein paar andere angefangene Projekte, aber die müssen jetzt erst mal warten.

HBK: Liebe Eileen, ich danke dir sehr für dieses interessante Gespräch. Zum Abschluss hast du jetzt noch die Gelegenheit, ein paar Worte an die Leser zu richten.
ERS: Vielen Dank auch an dich, Helen, für das nette Interview. Wer noch ein bisschen über mich erfahren möchte, kann mich auf Facebook finden unter meinem zweiten Pseudonym Lia Haycraft oder meine Webseite besuchen. Mein zweiter Roman wird im November 2014 bei Bookshouse erscheinen und zu den Feuerküssen soll es auf Lovelybooks Anfang Juni eine Leserunde geben.