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Hinter den Kulissen: Plot, du fieser kleiner Mistkerl!

Aus gegebenem Anlass möchte ich meiner Frustration Ausdruck verleihen. Es geht um das Thema Plots. Einige nennen sie liebevoll Plutbunnys, andere finden gar keine Namen für sie, wieder andere verfluchen den Tag, an dem sie beschlossen, überhaupt mit dem Schreiben zu beginnen. So wie ich. Heute Morgen. Aber zum eigentlichen Thema: Plots sind wie Teenager in der Pubertät: unkontrollierbar, unberechenbar und noch so Vieles mehr.

Zum einen wäre da der Halbstarke. Er kommt angerauscht, verlangt umgehende Aufmerksamkeit und wenn man ihn in seine Schranken weist, motzt er oder stellt sich auf stur. Jeder Autor kennt ihn, er ist wirklich ein schwieriger Zeitgenosse, den man am liebsten erwürgen oder einsperren würde. Beides funktioniert in den seltensten Fällen. Passt man nicht auf, überrollt der Halbstarke den schutzbedürftigen und schwächeren Schüchternen.

Der Schüchterne Plot ~ bitte nicht erschrecken ~

Der Schüchterne Plot
~ bitte nicht erschrecken ~

Dieser hat die Angewohnheit, um den Autoren herum zu schleichen. Er streichelt die Synapsen des Schreibers, suggeriert einen Wohlfühlfaktor, der uns Autoren schnell schwach werden lässt. Wir wollen diesen Plot, denn er scheint besonders wertvoll. Doch der Schüchterne will geködert werden. Er verlangt kaum so viel Aufmerksamkeit wie der Halbstarke, weil er über deutlich mehr Geduld verfügt, gleichzeitig lässt er sich aber bitten. Wird man ihm zu forsch, kauert er sich in eine Ecke und macht zu. Dann benötigt es noch mehr Geduld, ihn da wieder herauszulocken. Am Ende belohnt er den Autor aber damit, dass er sich in voller Schönheit präsentiert und ihm das Gefühl vermittelt, etwas Besonderes geschaffen zu haben.

Anders als die Diva. Dieser Plot ist eng verwandt mit dem Halbstarken. Doch wo der mault und notfalls aggressiv. Diva ist da und will geschrieben werden. Aber zu ihren Bedingungen bitte schön. Früh am Morgen? Hey, da schlafen wir noch, also lass das Autor. Wie, du brauchst erst einen Kaffee, um in die Gänge zu kommen, Finger weg, jetzt komme ich. Die Diva weiß um ihre Stärken. Sie will zwar ebenso betüddelt werden wir der Schüchterne, aber sie weiß auch, was sie will. Bekommt sie es nicht, rammt sie ihre spitzgefeilten Fingernägel in die Autorenseele, bis diese nachgibt.

Die Plot-Diva ~ keine Autogrammanfragen bitte ~

Die Plot-Diva
~ keine Autogrammanfragen bitte ~

Dann hätten wir da noch den Widerspenstigen. Er will einfach nicht. Einmal erdacht könnte der Autor ja loslegen und schreiben. Nicht so mit dem Widerspenstigen. Der stemmt erstmal die Hacken in den Boden, verschränkt die Arme vor der Brust und schieb das Kinn vor. Mit mir nicht, Alter!, hören wir die unausgesprochenen Worte, die der Widerspenstige uns entgegenwirft. Jeder Satz ist eine Qual und verlangt dem Autoren alles ab.

Ihm gegenüber steht der Sonnenschein. Ein Plot, wie ihn sich jeder Autor wünschen mag. Unkompliziert, wohlstrukturiert, die feine Dame des Hauses. Sie hat keine Marotten, sie macht, was man ihr sagt, tugendhaft, sittsam und ehrlich. Leider ist die gute Dame heiß begehrt und findet nur in den seltensten Fällen Zeit. Da sie nicht nein sagen kann, gewinnt der Autor, der als erstes „Hier!“ schreit. (Und ich bin das ganz offensichtlich nie.)

Vermutlich gibt es noch viele weitere Formen des Plots, eine jedoch will ich nicht vergessen haben: Der Sprunghafte. Was Anfangs nach einem toll strukturierten Plot aussieht, verfliegt schon nach kürzester Zeit. Seiten füllen sich, der Plot verändert sich. Die Richtung, in die man ihn drängen möchte, mag er nicht, also ändert er sie kurzerhand. Stellt sich der Autor allzu quer, nimmt sich der Sprunghafte einfach ein paar Tage, Wochen oder schlimmstenfalls Monate oder Jahre Urlaub. Er lässt sich selten durch gutes Zureden zurück an seinen Platz gewinnen, denn er weiß um seine Stärken und vor allem die Schwächen des Autors.

Und, welche Plots laufen euch so über den Weg?