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Hinter den Kulissen: Herausforderung Prequel

Für eine neue Reihe, die demnächst erscheint, soll ich aus überlangem Prolog ein Prequel schreiben. Da ich inzwischen wirklich ungern Fortsetzungen schreibe, weil ich mir damit einfach schwertue, habe ich zunächst gezögert. Inzwischen jedoch hat sich die Idee verselbständigt, und es bilden sich wahllose Möglichkeiten, wie alles angefangen haben könnte.
Im ersten Schritt habe ich die Fakten zusammengetragen. Klingt witzig, sprechen wir doch von einer rein fiktiven Welt bzw. einer realen Welt mit fiktiven Figuren. Obwohl ich schon während des Schreibens des ursprünglichen Projektes eine umfangreiche Datenbank erstellt habe, sind mir beim Lesen der fertigen Geschichten aufgefallen, dass ich Unstimmigkeiten eingebaut habe, die mir, wenn ich wirklich einen „wie alles begann“-Roman schreiben will, spätestens da auf die Füße gefallen wären.
Also begann ich, eine Timeline zu erstellen. Eine grobe Auflistung aller Daten, die ich kenne. Schon bald wurde klar, ich habe zeitliche Abweichungen, die gewisse Szenen unglaubwürdig erscheinen lassen könnten.
TimelineDaher habe ich jeden Fitzel an Information herausgesucht und untereinander in eine Tabelle eingetragen. Anschließend habe ich die Abstände verglichen, die Fehler ausgemerzt und entsprechende Punkte, an denen wichtiges geschieht, markiert.
Als nächstes musste ein Stammbaum her, da viele der Figuren in Verbindung/Verwandtschaft zueinander stehen.

absichtlich unkenntlich gemachte Version

absichtlich unkenntlich gemachte Version

Der nächste Schritt ist eine „Besetzungscouch“, in der alle Figuren unter Verweis auf die Timeline noch einmal aufgeführt werden, wie sie miteinander in Verbindung stehen, ob und wann sie sterben, Kinder bekommen oder weiterexistieren dürfen.
Anschließend habe ich eine Liste der einzelnen Gattungen erstellt, von denen ich zwar genau wusste, was sie sind und tun, aber auch hier gibt es Besonderheiten und Ausnahmen, die sich auf die gesamte Reihe auswirken können.
Jede meiner Figuren ist auf die eine oder andere Art besonders, jede hat Stärken und Schwächen, Makel und Dinge, die nur ihnen eigen sind. Für einen einzelnen Roman gesehen, kann das stringent weitergeführt werden. Bei einem Prequel dagegen, muss die Figur, die sich im Verlauf des eigentlichen Roman entwickelt hat, wieder ihre ursprüngliche Handlungsweise parat halten – und darin konsequent zu bleiben, besteht die Herausforderung.
Für diesen Zweck habe ich eigens eine Kladde erstellt. Das mag umständlich sein, weil man darin blättern muss, aber die einzelnen Punkte noch einmal gesondert ansehen zu können, hat einiges für sich. Ich merke es vor allem daran, dass ich – jetzt, da die Kladde fast fertig ist – kaum noch erwarten kann, die Pre-NaNoVelle zu schreiben.

Hinter den Kulissen: Abstand gewinnen

Dieses Jahr war anstrengend. Nicht, weil ich wie im vergangenen Jahr viel gereist bin, sondern weil mein Schreibpensum extrem hoch war: Fertigstellen eines Romans, Umbauarbeiten an einem anderen, Neuschreiben eines dritten. Dazwischen immer wieder neue Ideen, die gesammelt werden wollten, Kurzgeschichten und und und.
Schon im Juni merkte ich, dass der Akku langsamer lädt als zu Beginn des Jahres und nahm mir fest vor, im Urlaub nichts zu tun, was mit Schreiben zu tun hat. Nun ja, die Renovierungsarbeiten hielten mich tatsächlich ab, aber an zwei Tagen habe ich doch geschrieben und meinen Vorsatz in den Wind geschossen. Dieses „nur noch eine Seite“, „nur noch eine Szene“, „nur noch ein Kapitel“ wurde irgendwann fast zur fixen Idee. Wie eine Süchtige hechtete ich in jeder freien Minute an mein Dokument, um ja weiterzukommen. Zum Schluss ließ ich mir nicht einmal mehr Zeit für Zweifel. Hauptsache, der Roman wird beendet. Darüber habe ich Freundschaften vernachlässigt und den Haushalt schweifen lassen. Typisches Suchtverhalten also. Eindeutig. Gleichzeitig merkte ich aber, dass die Qualität dessen, was ich fabrizierte nicht mehr ganz mir entsprach.
Deshalb zog ich die Reißleine. Außer Bloggen, Lesen und Ideen sammeln ist mir nur Chatten mit weit weg sitzenden Freunden und Telefonieren mit denselben erlaubt.
Zwei Wochen lang.
Ich darf mit Plots jonglieren, sie aber nicht schreiben. Ein total Reset ist der Plan. Zum einen soll er dabei helfen, wieder mit vernünftigem Blick an die Schreibarbeit zu gehen, zum anderen soll es der Erholung dienen, denn meine Schulter hat arg unter dem selbsterzeugten Druck gelitten.
Die Auszeit läuft bereits und endet kommenden Montag. Ich gestehe, ich gehe auf dem Zahnfleisch. Meine Finger jucken, wollen die Ideen, die sich jetzt fast gegenseitig umrempeln, unbedingt aufschreiben. Ich beiße die Zähne zusammen und bleibe eisern. Nur bloggen, chatten und Ideen sammeln.
Das sollte doch zu schaffen sein.
Bloggen, chatten, Ideen sammeln.
Ich muss es mir nur lange genug selbst sagen, irgendwann werde ich schon ruhiger. Gleichzeitig bemerke ich aber auch die positiven Nebeneffekte. Ich bin ausgeglichener. Die Figuren, die mir durch den Kopf gehen, sind konturierter, nicht mehr verwaschen, der Humor, der zu meiner Schreibe gehört, kehrt langsam zurück.
Es ist schon seltsam, wie ein wenig Abstand das Gehirn anregt. Und auch wenn mir die Zeit des Abstands sehr lange geworden ist, Körper und Geist sagen danke.
Zwei Wochen sind nicht die Welt, aber meine haben sie zum Besseren verändert – und genau deshalb plane ich, solche restriktiv-freien Zeiten in Zukunft regelmäßig ein.

Schwere Entscheidung …

Keine Sorge, ich hänge das Schreiben nicht an den Nagel. Allerdings habe ich eine schreibtechnisch schwere Entscheidung getroffen, die nur teilweise auf akuten Zeitmangel zurückzuführen ist.
Die meisten interessiert es vermutlich nicht, aber ich werde die nächste Fortsetzung von Höllenjob für einen Dämon und Höllenjob für einen Seraph auf Eis legen.
bigicon-shati-titel10014652_601077329985704_1826040911_nEs gibt zwar inzwischen einen fertigen Plot, den ich nur runterschreiben müsste, aber eine innere Stimme sagt mir, lass es erst einmal bleiben. Und wenn ich eines gelernt habe, auf diese innere Stimme zu hören.
Aber ich habe die Idee als Kurzexposé auf meiner Festplatte und falls ich wirklich große Lust verspüre, sie zu schreiben, wäre sie nicht verloren. Doch im Augenblick erscheint es mir, als würde ich den Figuren keinen Gefallen damit tun. Wer bin ich schon, mich mit Dämonen anzulegen?shati-plus-coverhoellenspiele5

Den Fans der Höllenjob-Reihe möchte ich einfach sagen:
Danke, dass es euch gibt. Ohne euch hätte ich nie eine Fortsetzung geschrieben. Ihr seid toll und so viel mehr, als ich erwartet hatte. Aber im Augenblick sehe ich nicht, dass ein weiterer Teil notwendig ist.
Bitte habt Verständnis.

Helen B. Kraft

6. Juni 2014

Es ist schon überraschend, was das menschliche Hirn zu leisten imstande ist. Heute Morgen saß ich in der Bahn, mir fielen fast die Augen zu, ich wollte eigentlich schlafen. Stattdessen kramte ich mein Notizbuch hervor und begann zu schreiben. 1398510777566
Als dann die Durchsage meiner Station kam, hab ich es zurückgeblättert und festgestellt, zwölf Seiten geschrieben zu haben.
Wahnsinn!
Damit hätte ich nun gar nicht gerechnet, insbesondere weil mich die Schreiblust eigentlich ein wenig verlassen hatte.
Da sieht man es mal wieder … unverhofft kommt eben doch oft.

Hinter den Kulissen: Plot, du fieser kleiner Mistkerl!

Aus gegebenem Anlass möchte ich meiner Frustration Ausdruck verleihen. Es geht um das Thema Plots. Einige nennen sie liebevoll Plutbunnys, andere finden gar keine Namen für sie, wieder andere verfluchen den Tag, an dem sie beschlossen, überhaupt mit dem Schreiben zu beginnen. So wie ich. Heute Morgen. Aber zum eigentlichen Thema: Plots sind wie Teenager in der Pubertät: unkontrollierbar, unberechenbar und noch so Vieles mehr.

Zum einen wäre da der Halbstarke. Er kommt angerauscht, verlangt umgehende Aufmerksamkeit und wenn man ihn in seine Schranken weist, motzt er oder stellt sich auf stur. Jeder Autor kennt ihn, er ist wirklich ein schwieriger Zeitgenosse, den man am liebsten erwürgen oder einsperren würde. Beides funktioniert in den seltensten Fällen. Passt man nicht auf, überrollt der Halbstarke den schutzbedürftigen und schwächeren Schüchternen.

Der Schüchterne Plot ~ bitte nicht erschrecken ~

Der Schüchterne Plot
~ bitte nicht erschrecken ~

Dieser hat die Angewohnheit, um den Autoren herum zu schleichen. Er streichelt die Synapsen des Schreibers, suggeriert einen Wohlfühlfaktor, der uns Autoren schnell schwach werden lässt. Wir wollen diesen Plot, denn er scheint besonders wertvoll. Doch der Schüchterne will geködert werden. Er verlangt kaum so viel Aufmerksamkeit wie der Halbstarke, weil er über deutlich mehr Geduld verfügt, gleichzeitig lässt er sich aber bitten. Wird man ihm zu forsch, kauert er sich in eine Ecke und macht zu. Dann benötigt es noch mehr Geduld, ihn da wieder herauszulocken. Am Ende belohnt er den Autor aber damit, dass er sich in voller Schönheit präsentiert und ihm das Gefühl vermittelt, etwas Besonderes geschaffen zu haben.

Anders als die Diva. Dieser Plot ist eng verwandt mit dem Halbstarken. Doch wo der mault und notfalls aggressiv. Diva ist da und will geschrieben werden. Aber zu ihren Bedingungen bitte schön. Früh am Morgen? Hey, da schlafen wir noch, also lass das Autor. Wie, du brauchst erst einen Kaffee, um in die Gänge zu kommen, Finger weg, jetzt komme ich. Die Diva weiß um ihre Stärken. Sie will zwar ebenso betüddelt werden wir der Schüchterne, aber sie weiß auch, was sie will. Bekommt sie es nicht, rammt sie ihre spitzgefeilten Fingernägel in die Autorenseele, bis diese nachgibt.

Die Plot-Diva ~ keine Autogrammanfragen bitte ~

Die Plot-Diva
~ keine Autogrammanfragen bitte ~

Dann hätten wir da noch den Widerspenstigen. Er will einfach nicht. Einmal erdacht könnte der Autor ja loslegen und schreiben. Nicht so mit dem Widerspenstigen. Der stemmt erstmal die Hacken in den Boden, verschränkt die Arme vor der Brust und schieb das Kinn vor. Mit mir nicht, Alter!, hören wir die unausgesprochenen Worte, die der Widerspenstige uns entgegenwirft. Jeder Satz ist eine Qual und verlangt dem Autoren alles ab.

Ihm gegenüber steht der Sonnenschein. Ein Plot, wie ihn sich jeder Autor wünschen mag. Unkompliziert, wohlstrukturiert, die feine Dame des Hauses. Sie hat keine Marotten, sie macht, was man ihr sagt, tugendhaft, sittsam und ehrlich. Leider ist die gute Dame heiß begehrt und findet nur in den seltensten Fällen Zeit. Da sie nicht nein sagen kann, gewinnt der Autor, der als erstes „Hier!“ schreit. (Und ich bin das ganz offensichtlich nie.)

Vermutlich gibt es noch viele weitere Formen des Plots, eine jedoch will ich nicht vergessen haben: Der Sprunghafte. Was Anfangs nach einem toll strukturierten Plot aussieht, verfliegt schon nach kürzester Zeit. Seiten füllen sich, der Plot verändert sich. Die Richtung, in die man ihn drängen möchte, mag er nicht, also ändert er sie kurzerhand. Stellt sich der Autor allzu quer, nimmt sich der Sprunghafte einfach ein paar Tage, Wochen oder schlimmstenfalls Monate oder Jahre Urlaub. Er lässt sich selten durch gutes Zureden zurück an seinen Platz gewinnen, denn er weiß um seine Stärken und vor allem die Schwächen des Autors.

Und, welche Plots laufen euch so über den Weg?

 

Hinter den Kulissen: Sidekick – nötig oder nervig?

Barrique und eine Bestie (gezeichnet von Maria Schramm)

Barrique und eine Bestie (gezeichnet von Maria Stamm)

Batman hat Robin, Kermit Miss Peggy (oder umgekehrt, da streiten sich die Geister) Sherlock Holmes hat Watson. Sidekicks. Autoren arbeiten gerne mit ihnen. Aber warum ist das so? Und wie kommen sie zustande?
Natürlich habe ich keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage, aber ich will mal aus dem Nähkästchen plaudern.

Zunächst einmal, was ist ein Sidekick?
Der Begriff kommt aus dem Englischen und steht für Handlanger oder Kumpan. Das allein würde schon genug erklären, aber in Romanen oder Filmen kommt dem Sidekick eine besondere Rolle zu.
Im einfachsten Fall dient der Sidekick dazu, bestimmte Erkenntnisse zu diskutieren, in anderen Fällen hilft er der Hauptfigur, an zwei Stellen gleichzeitig zu sein. Ein schönes Beispiel ist hierbei Batman und Robin oder wie in der Fernsehserie „Arrow“ der ehemalige Leibwächter John Diggle, der sich hin und wieder als Held verkleidet, damit dessen Tarnung nicht auffällt.

Verwende ich Sidekicks?
Ja.
Bei den Höllenjob-Romanen z.B. die Stimme Gottes, namentlich bekannt auch als Metatron ist die Linas „innere Stimme“, mit der sie diskutiert und die ihr mit einer ordentlichen Portion Weisheit zu helfen versucht.
Als ich Metatron erschuf, diente er mir als Möglichkeit, die Protagonistin einen inneren Dialog führen zu lassen, ohne dass es langweilig wurde. Es war nie mein Ziel, ihn zum Sympathieträger auszubauen, das hat er ganz von alleine geschafft. Denn seine Aufgabe war es einfach, in den unmöglichsten Situationen da zu sein. Ein Satz, ein Wort, ein Lacher sozusagen.
Bei meinem aktuellen Projekt ist ein Butler der Sidekick, der meinen Protagonisten absichtlich falsch versteht, ihn dadurch zum Nachdenken zwingt und die Tragik und Spannung abmildert.
Man sieht also, ich benutze meine Sidkicks ihrem eigentlichen Zweck entsprechend. Sie sind da, weil ich sie benötige, um die Handlung aufzulockern oder voranzutreiben.

Wie kommen sie zustande?
 Diese Frage ist deutlich schwerer zu beantworten, denn auch wenn ich gerne behaupten würde, die von mir verwendeten Nebenfiguren wären alle so erdacht, muss ich zugeben, dass sie in 99{7e4bd455ae0cc9ef24be31f29fe3fd810d1aacafa1ce8ef7f75192d18d2b2fae} der Fälle einfach auftauchen. Wie Barrique zum Beispiel, der Koboldkanzler meiner Bestien.

Calliou (gezeichnet von Maria Schramm)
Calliou (gezeichnet von Maria Stamm)

Er stand urplötzlich mitten im Text. Klein, grün und unsagbar besserwisserisch. Ich konnte ihm nicht widerstehen und habe ihn eingebaut. So sehr sogar, dass er im Laufe der Romanentwicklung derart eigenständig wurde, dass er fast schon als Hauptfigurcharakter hatte.

Einfach mal einbauen?
Nun ja, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Auch eine Nebenfigur benötigt eine Legende. Ich kann nicht eine eindimensionale Figur schaffen, sie im Text agieren lassen, ohne dass etwas dahinter steht. Jeder meiner Sidekicks hat eine Vergangenheit. Diese kann sterbenslangweilig oder hochgradig anspruchsvoll sein wie meine eigentlichen Figuren auch, darauf kommt es nicht an. Sondern darauf, dass sie authentisch bleiben. Ich bin der Meinung, dass gerade Sidekicks je nach Roman mehr Format benötigen als die Figuren, die sie begleiten. So ist mir beispielsweise die Figur des Watsen geläufiger und tiefergehender bekannt, als Sherlock selbst. Wenn ich also einen Sidekick agieren lasse, muss ich mir sicher sein, dass seine Figur dieses Verhalten einen ganzen Roman lang durchhält. Eine Entwicklung oder 180-Grad-Drehung ist nicht erwünscht.

Kein Sidekick, kein guter Unterhaltungsroman?
Soweit würde ich jetzt nicht gehen. Es gibt genug Romane, die ohne auskommen. Aber gerade im Bereich der Satire oder der humorvollen Unterhaltung tauchen sie doch vermehrt auf. Mich stören sie nicht, es sei denn, der Sidekick ist als nervig angelegt, Killi aus der Schattentänzer-Saga zum Beispiel schrammt da in meinen Augen hart an der Grenze vorbei. Sidekicks sollen eben den Leser dazu animieren, am Ball zu bleiben und nicht dazu, das Buch wegzulegen.

So, das waren meine Gedanken zum Thema. Ich finde nicht, dass Sidekick unbedingt nötig sind. Richtig eingesetzt jedoch, bereichern sie einen Roman und sind alles andere als nervig.
Vielleicht möchtet Ihr noch etwas dazu beitragen? Dann nur zu, meine Sidekicks beißen nicht … die spielen nur.